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Rapper Curse im Interview: Wie man sich trotz Dauerbeschallung dem Wesentlichen widmen kann

16.10.2019

Das Smartphone vibriert, das Telefon klingelt, der Instant Messenger blinkt und der Kollege nebenan diskutiert lauthals mit einem Dienstleister über überschrittene Deadlines: Für viele gehören diese Aspekte zum Arbeitsalltag. Und auch außerhalb des Büros geht die Dauerbeschallung weiter.

Die Angst, etwas zu verpassen, hat sogar einen eigenen Namen – FOMO („Fear of Missing Out“). Wie sehr einen diese ständige Aufmerksamkeit zermürbt, hat der deutsche Rapper Curse am eigenen Leib erfahren müssen. Mit Anfang 20 gehörte der gebürtige Mindener zu den erfolgreichsten Rappern hierzulande, war jedoch alles andere als glücklich. Er nahm sich eine Auszeit, absolvierte eine Ausbildung zum systemischen Coach und stieg – mit sich selbst wieder im Reinen – wieder in die Musik ein. Die Bühnen betritt der 41-Jährige aber auch ohne Musik: Der Rapper und Coach ist ein gefragter Redner. Ende Oktober eröffnet Curse mit seiner Keynote die „Digital Mind Change“, eine Konferenz von spring Messe Management. Für das von XING E-Recruiting unterstützte Event sind aktuell noch Tickets verfügbar.

Wir sprachen mit Curse über seine Wandlung vom Rapper zum Coach.

„Alle Achtung: Die Macht der Aufmerksamkeit“ lautet der Titel Deiner Keynote auf der Digital Mind Change am 24. Oktober in München. Es geht um die Frage, wie wir uns in Zeiten, in denen wir permanent erreichbar sind und ständig mit Neuigkeiten bombardiert werden, nicht nur schützen, sondern uns auch auf die wirklich wichtigen Inhalte im Leben fokussieren können. Welches Erlebnis in Deinem Leben hat Dich dazu bewogen, Dich mit diesem Thema auseinanderzusetzen?

Curse: Ich bin überzeugt davon, dass unsere Aufmerksamkeit das wichtigste Gut ist, das wir haben. Fokussierte Aufmerksamkeit ist die Grundvoraussetzung für kreative Arbeit, hohe Leistung und gesunde Beziehungen. Wenn ich Songs schreibe, muss ich sie gezielt bündeln, wenn ich wirklich für meinen Sohn da sein möchte, dann muss ich sie von anderen Dingen bewusst abziehen. Wir leben allerdings in einer Zeit, in der von so vielen Seiten um unsere Aufmerksamkeit gebuhlt wird, dass es uns immer schwerer fällt, sie bewusst zu nutzen. Ich persönlich musste mir meine Aufmerksamkeit für das Wesentliche zurück erkämpfen, nachdem ich viele Jahre nach Außen fixiert war und verlernt hatte, auf mich selbst zu hören. Das hat mich kurz vor eine existenzielle Krise gestellt, die ich zum Glück erkennen und auflösen konnte.

Nach einer Pause von mehreren Jahren kamst Du 2014 mit dem Album „Uns“ zurück ins Musikgeschäft. Wie wirkt sich Deine Auszeit auf Deine Texte und Deine Einstellung zur Musik raus?

Curse: Diese Auszeit habe ich ja damit gefüllt, mich um das zu kümmern, was ich vorher so lange vernachlässigt hatte. Das war unter anderem die Frage danach, was mir eigentlich wirklich kostbar ist im Leben – welche Werte und Bedürfnisse. Als ich nach ein paar Jahren wieder ein Album veröffentlicht habe, waren die Texte auch davon geprägt. Es war eine Besinnung auf Wesentliches.

Du bist neben Deiner Musik ausgebildeter systemischer Coach. Wie lange braucht ein Mensch, um die Achtsamkeit, das Bewusstsein für das Hier und Jetzt, wieder zu erlernen? In vielen Fällen dürfte es ja schließlich nicht nur ein rein mentaler Vorgang sein, sondern beinhaltet vermutlich auch externe Faktoren – ob es nun der stressige Job ist oder Probleme in der Partnerschaft…

Curse: Dafür braucht es nur ein Fingerschnippen – prinzipiell. Denn dieses Bewusstsein ist nie verschwunden, wir müssen uns nur dessen bewusst werden... Das klingt vielleicht nach Kalenderspruch, ist aber ganz simpel: wir können in jedem einzelnen Moment voll und ganz klar und präsent sein, doch unsere Gewohnheiten sind so konträr dazu, dass wir diese Präsenz üben müssen. Doch das geht!

quer-bild "Ich hatte verlernt, auf mich selbst zu hören", sagt Curse (Foto: Robert Eikelpoth).

Was war Dein bislang schönster oder prägendster Moment in Deiner Zeit als Coach? Was sind die Dinge, die Du für Dich selbst aus Deiner Arbeit mitnimmst?

Curse: Die schönsten Momente sind immer die, in denen die Menschen, mit denen ich spreche, auf eine ganz eigene Lösung ihrer Probleme kommen. Dann ist alles getan. Ich versuche nicht, jemandem eine Lösung vorzugeben, und wenn es mir doch mal passiert, dann merke ich, dass mein Gegenüber viel schlauer ist – denn wir sind alle selbst die besten Experten für unsere Probleme. Ich liebe es, von Lösungen und Erkenntnissen anderer überrascht zu werden.

Du hältst auf der Digital Mind Change die Eröffnungskeynote. In den Vorjahren setzte sich das Publikum v. a. aus Geschäftsführern von KMU sowie Mitarbeitern in leitenden Funktionen mittlerer bzw. großer Unternehmen zusammen. Welches Mindset wünschst Du Dir vom Publikum und was sollen sie am Ende des Vortrags mitnehmen?

Curse: Ich freue mich sehr, da zu sein und wünsche mir, dass wir ein offenes und produktives Gespräch miteinander führen werden. Egal in welcher Position wir beruflich sind, wir teilen grundlegende Menschliche Wünsche und Bedürfnisse. Und auf der Ebene möchte ich anderen begegnen.

Hast Du zum Abschluss für unsere Leser vielleicht einen kleinen Tipp, den sie in ihrem Alltag beherzigen können? Worauf kann man ohne viel Aufwand achten?

Curse: Wenn der Stress in den Kopf steigt, spür deine Füße auf dem Boden. Spür sie körperlich, so, wie sie sich wirklich gerade anfühlen. Nicht als intellektuelle Übung. Fühl deine Füße. Jetzt. Für drei Atemzüge.

Was ist anders?

Vielen Dank für das Gespräch!

Curse: Danke Euch!


Erleben Sie Curse live auf der Digital Mind Change. Unter dem Motto „Die Zukunft gehört denen, die Fragen stellen!“ nimmt das Event aktuelle Entwicklungen der Digitalisierung unter die Lupe. Neben Curse können sich die Teilnehmer u. a. auf diese hochkarätigen Gäste freuen:

  • Dr. Sabine Maaßen, Vorstand, thyssenkrupp Steel Europe AG
  • Frauke von Polier, HR Chief Operating Officer, SAP SE
  • Per Ledermann, CEO, edding AG
  • Dr. Sandra Reich, Chief Digital Officer, MAN Truck & Bus Deutschland GmbH
  • Carsten Maschmeyer, Unternehmer, Berater und Finanzinvestor
  • Alastair Bruce, Vorstand, NEW WORK SE

Tickets sind über aktuell noch verfügbar. Alle Informationen finden Sie jetzt auf der Webseite der Digital Mind Change.

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Autorin des Artikels
Yee Wah Tsoi
Yee Wah ist seit 2008 bei XING. Die Bielefelderin (gibt's wirklich!) war dort zuerst in der PR tätig. Seit 2017 ist sie für den Recruiting Content zuständig.