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Multiposting neu gedacht: Wie Stellenanzeigen künftig orchestriert werden

8 min.
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Eine Stellenanzeige auf mehreren Jobbörsen veröffentlichen – das war einmal der Kern von Multiposting. Heute reicht das nicht mehr aus. Denn Recruiting findet in einem Umfeld statt, in dem Kanäle vielfältiger und Datenmengen größer werden, während die Aufmerksamkeit passender Talente knapper wird. Umso wichtiger ist, dass Jobbörsen, Reichweitenkanäle und Anzeigeninhalte sinnvoll zusammenspielen. Nur dann wird aus Sichtbarkeit auch Relevanz – und aus Reichweite eine passende Bewerbung. Matthias Schröder, CSO der Raven51 AG, erklärt im Interview mit XING, warum Multiposting schon heute strategisch gedacht werden muss – und in Zukunft noch viel mehr.

XING: Anzeige einmal erstellen, auf mehreren Kanälen ausspielen, fertig. Funktioniert das heute noch?

Matthias Schröder: Nein. Früher wurde eine Stelle vor allem möglichst breit ausgespielt. Heute reicht Breite allein nicht mehr aus. In einigen Bereichen ist der Bewerberrücklauf aktuell zwar höher als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig gibt es aber weiterhin viele Positionen, bei denen passende Bewerbungen schwer zu gewinnen sind.

Wie sollten Arbeitgeber darauf reagieren?

Arbeitgeber sollten sehr genau prüfen, welche Kanäle wirklich relevant sind. Gerade angesichts der steigenden Zahl an Jobbörsen und Reichweitenangeboten ist das wichtig. Nicht jedes Angebot am Markt bringt echten Mehrwert, und es gibt auch zu viele unseriöse oder zumindest wenig wirksame Angebote. Multiposting bedeutet heute also nicht mehr: möglichst viel veröffentlichen. Sondern: gezielt die richtigen Kanäle kombinieren.

Was bedeutet das konkret?

Heute gibt es mehr als 1.000 Jobportale. Dazu kommen weitere Kanäle wie Social Media, Google, Businessnetzwerke, Fachcommunities oder Display-Ads. Man kann nicht überall schalten – und sollte es auch nicht. Entscheidend ist, gezielt auszuwählen.

Deshalb geht es im Multiposting heute vor allem um eine gute Orchestrierung. Jeder Kanal hat einen anderen Fokus, eine andere Reichweite und eine andere Zielgruppenausrichtung. Wichtig ist, dass verschiedene Plattformen sinnvoll in einem Recruiting-Mix zusammenspielen, sich gegenseitig ergänzen und Talente dort erreichen, wo sie tatsächlich unterwegs sind.

Damit stößt manuelles Schalten von Stellenanzeigen immer mehr an Grenzen, oder?

Ja, die Komplexität im Markt ist enorm gestiegen. Es braucht viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl, den richtigen Recruiting-Mix zusammenzustellen und herauszufinden, welche Jobbörsen für eine bestimmte Stelle wirklich passen.

Dazu kommt: Jede Plattform hat eigene Anforderungen, Templates, Datenfelder, Laufzeiten, Preismodelle, Ansprechpartner und Ausspielungslogiken. Wer manuell schaltet, muss immer wieder Informationen übertragen, Formate anpassen, Rückfragen mit Anbietern klären und Ergebnisse vergleichen.

Das kostet wertvolle Zeit …

… und genau diese Zeit haben viele Unternehmen nicht. Wer heute rekrutiert, braucht schnelle Ergebnisse, sprich: Bewerbungseingänge. Recruiterinnen und Recruiter stehen unter hohem Druck.

Sind Bewerbungen im Recruiting die neue Währung?

Ja, ich denke schon. Reine Reichweitenangebote wecken bei Arbeitgebern immer weniger Begeisterung. Sie wollen nicht nur wissen, wie viel Traffic eine Anzeige erzeugt, sondern vor allem, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für einen Bewerbungserfolg ist.

Arbeitgeber hinterfragen stärker denn je: Welche Kanäle bringen nicht nur Bewerbungen, sondern relevante Bewerbungen? Und wie lässt sich das Budget von Anfang an so einsetzen, dass am Ende nicht nur Sichtbarkeit entsteht, sondern ein konkretes Ergebnis?

Viele Plattformen reagieren auf diesen Wandel. Was beobachten Sie da?

Der Markt bewegt sich deutlich in Richtung Performance. Viele Anbieter stellen nicht mehr nur Reichweite in den Mittelpunkt, sondern versuchen stärker zu zeigen, welchen konkreten Beitrag sie zu Bewerbungseingängen leisten können.

Das sieht man zum Beispiel auch bei XING: Mit „XING – Die Stellenanzeige“ wird der Multichannel-Ansatz stärker auf Bewerbungserfolge ausgerichtet. XING kommuniziert durchschnittlich 34 Bewerbungen pro Anzeige. Das ist ein klares Signal: Sichtbarkeit allein reicht nicht mehr. Entscheidend ist, was daraus entsteht.

Umso höher ist natürlich der Druck, von vornherein die richtigen Kanäle zu wählen. Wie entsteht der richtige Kanalmix?

Der richtige Kanalmix entsteht aus einer mehrstufigen Analyse. Zuerst geht es um die Stelle selbst: Welche Qualifikation wird gesucht? Wie groß ist die Zielgruppe? Was interessiert diese Zielgruppe? Wo sucht sie nach Jobs – oder wo kann man sie erreichen? Und wie viel Budget ist überhaupt vorhanden?

Sobald man das geklärt hat: Was ist der nächste Schritt?

Im nächsten Schritt kommt die Marktsicht dazu: Welche Kanäle haben für vergleichbare Positionen, Regionen und Zielgruppen in der Vergangenheit funktioniert? Dabei geht es nicht nur um Reichweite oder Klicks, sondern vor allem um Bewerbungseingänge und Qualität. Ein Kanal kann wenige Bewerbungen liefern und trotzdem sehr wertvoll sein, wenn diese Bewerbungen gut passen. Umgekehrt ist ein Kanal nicht automatisch stark, nur weil er viele Bewerbungen erzeugt. Entscheidend ist immer auch die Qualität.

Ist es damit getan, den Kanalmix einmal aufzusetzen?

Nein, denn dann folgt die laufende Optimierung. Ein Kanalmix ist kein starres Paket, das man einmal festlegt und dann nicht mehr anfasst. Monitoring während der Laufzeit zeigt, ob die Ausspielung funktioniert, ob Kandidatinnen und Kandidaten klicken, ob sie sich bewerben und wo sie abspringen. Genauso wichtig ist die Frage, ob sich die richtigen Kandidatinnen und Kandidaten bewerben. Daraus lässt sich ableiten, ob nachgesteuert werden muss: beim Kanal, beim Budget, beim Jobtitel oder beim Wording.

Was sind typische Fehler, die Unternehmen beim Multiposting machen?

Ein wesentlicher Fallstrick ist fehlende Informationstiefe in der Stellenanzeige. Wenn Jobtitel, Standort, Arbeitsmodell, Beschäftigungsart oder Gehaltsinformationen unklar oder unvollständig sind, leidet unweigerlich die Ausspielung über Jobbörsen, Suchmaschinen und andere Plattformen, die diese Daten für ein gutes Ranking voraussetzen.

Und nicht zuletzt enttäuschen schlechte Daten auch die Talente. Eine Stellenanzeige ist im Grunde ein Job-Pitch. Das vergessen viele. Ich pitche als Arbeitgeber darum, dass ein guter Bewerber oder eine gute Bewerberin mit mir in Kontakt tritt. Dafür müssen alle relevanten Informationen vorhanden sein. Unternehmen brauchen hier die richtige Haltung: Eine Stellenanzeige ist nicht nur eine formale Ausschreibung, sondern ein entscheidender Kontaktpunkt im Recruiting.

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Spielt die Informationstiefe auch für die Auffindbarkeit in KI-Systemen wie ChatGPT oder Gemini eine Rolle?

Ja, absolut. Bisher ging es vor allem darum, Stellenanzeigen für Jobbörsen, Suchmaschinen und Aggregatoren sauber auffindbar zu machen. Künftig müssen sie zusätzlich von KI-gestützten Such- und Antwortsystemen verstanden werden. Das verändert die Anforderungen an Stellenanzeigen und auch an Karriereseiten weiter. Es reicht nicht, eine Anzeige mit Standardwortbausteinen zu veröffentlichen. Die Informationen müssen so strukturiert sein, dass KI-Systeme erkennen können, worum es in der Rolle konkret geht. Das ist das große Thema Generative Engine Optimization, kurz GEO. Darauf intensiver einzugehen, würde hier aber den Rahmen sprengen.

Dann halten wir es kurz: Inwiefern verändert sich die Stellenanzeige dadurch?

Sie mutiert zunehmend zu einem Datensatz. Man muss sich das so vorstellen: Die sichtbare Anzeige ist nur noch eine Ebene. Darunter liegt eine technisch auslesbare, semantische Struktur mit ergänzenden Inhalten und Informationen. Schon heute suchen Bewerberinnen und Bewerber verstärkt mit KI-basierten Tools und Bewerbungsagenten nach neuen Jobs, die auf diese Informationen angewiesen sind, um gute Ergebnisse zu liefern – künftig wird das noch zunehmen. 

Wie wird sich Multiposting im KI-Zeitalter weiter verändern?

Multiposting auf Jobbörsen wird künftig deutlich individueller werden. Heute wird häufig noch ein Stellenanzeigentext erstellt und anschließend auf mehreren Jobbörsen veröffentlicht. Dieses Prinzip wird sich Schritt für Schritt verändern. Stellenanzeigen werden stärker in einzelne Bausteine zerlegt: etwa Jobtitel, Aufgaben, Anforderungen, Benefits, Standortinformationen, Arbeitgeberargumente, Gehalt, Arbeitsmodell und Bewerbungsprozess. Aus diesen Bausteinen können Jobbörsen und KI-Systeme je nach Suchverhalten, Profil und Interessen eines Talents unterschiedliche Varianten einer Anzeige zusammenstellen.

Jeder kann also theoretisch seine eigene Stellenanzeige ausgespielt bekommen?

Hier kommt das Thema Hyperpersonalisierung ins Spiel. Gemeint ist, dass Stellenangebote nicht mehr für alle gleich aussehen, sondern immer stärker auf die jeweilige Person und ihre Situation zugeschnitten werden. Ein aktiv suchender Kandidat braucht andere Informationen als jemand, der nur grundsätzlich wechseloffen ist. Berufseinsteigerinnen achten auf andere Signale als erfahrene Fachkräfte, Führungskräfte oder Quereinsteiger. Die Stelle bleibt dieselbe, aber die Darstellung kann sich je nach Zielgruppe, Kanal und Nutzungssituation unterscheiden.

Warum wird sich das Ganze in diese Richtung entwickeln?

Diese Entwicklung wird vor allem durch die wachsende Datenvielfalt möglich. Jobbörsen wie XING verfügen heute über deutlich mehr Informationen als früher: Suchbegriffe, Klickverhalten, Bewerbungswahrscheinlichkeiten, Standortdaten, Endgeräte, Berufserfahrung, Interessen oder bevorzugte Arbeitsmodelle. Gleichzeitig werden Stellenanzeigen selbst datenreicher, weil Inhalte immer stärker strukturiert vorliegen – davon hatten wir gerade gesprochen.

Welche Vorteile bietet diese Datenvielfalt konkret?

Dadurch entsteht die Grundlage für Hyperpersonalisierung. Jobbörsen können künftig besser einschätzen, welche Informationen für welche Person besonders relevant sind. Multiposting entwickelt sich deshalb weg vom reinen Veröffentlichen einer Anzeige auf vielen Portalen. Es wird stärker zu einem datenbasierten Ausspielen passender Inhalte. Die gleiche Stelle bleibt die gleiche Stelle. Aber die Darstellung kann je nach Kanal, Zielgruppe und Nutzungssituation unterschiedlich aussehen.

Wie sich das alles genau auswirken wird, kann man heute noch nicht sicher sagen – und ich möchte auch noch nicht zu viel verraten. Nur so viel: Wir arbeiten bereits an Systemen für die Zukunft.

Veröffentlicht am: 10.7.2026

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