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Warum geben manche Jobportale kein Gehalt in der Stellenanzeige an?

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Viele Jobportale und Unternehmen geben in Stellenanzeigen kein Gehalt an, weil sie sich Verhandlungsspielraum sichern, interne Gehaltsstrukturen schützen oder unterschiedliche Kandidatenprofile ansprechen wollen, ohne sich frühzeitig festzulegen. Das betrifft Bewerbende in nahezu allen Branchen und Karriereleveln. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um fehlende Gehaltsangaben in Stellenanzeigen.

Welche Gründe haben Unternehmen, das Gehalt zu verschweigen?

Unternehmen lassen die Gehaltsangabe in Stellenanzeigen häufig weg, weil sie intern unterschiedliche Gehaltsstrukturen haben, Verhandlungsspielraum bewahren wollen oder schlicht nicht möchten, dass Mitarbeitende interne Lohnunterschiede vergleichen. Hinzu kommt die Hoffnung, ein möglichst breites Bewerberspektrum anzusprechen, ohne sich zu früh auf eine Zahl festzulegen.

Die häufigsten Gründe im Überblick:

  • Verhandlungsflexibilität: Wer keine Zahl nennt, kann je nach Qualifikation und Erfahrung individuell verhandeln.
  • Schutz interner Gehaltsstrukturen: Bestehende Mitarbeitende sollen nicht erfahren, was neue Kolleg·innen verdienen.
  • Breite Ansprache: Ohne Gehaltsangabe schreckt die Anzeige weder zu erfahrene noch zu unerfahrene Talente ab.
  • Branchengewohnheiten: In manchen Branchen gilt das Weglassen des Gehalts schlicht als Norm.
  • Unsicherheit beim Budget: Manchmal steht das genaue Budget intern noch gar nicht fest.

Ehrlich gesagt: Für Bewerbende sind das keine besonders überzeugenden Argumente. Fehlende Transparenz kostet Vertrauen, noch bevor das erste Gespräch stattgefunden hat.

Welche Nachteile entstehen durch fehlende Gehaltsangaben in Jobportalen?

Stellenanzeigen ohne Gehaltsangabe verursachen auf beiden Seiten Aufwand und Frust. Bewerbende investieren Zeit in Bewerbungen, die am Ende am Budget scheitern. Unternehmen erhalten mehr unpassende Bewerbungen und verlieren qualifizierte Talente, die gar nicht erst klicken.

Die konkreten Nachteile für Unternehmen:

  • Höheres Bewerbungsvolumen, aber geringere Qualität der Einsendungen
  • Längere Recruiting-Prozesse durch späte Gehaltsgespräche
  • Vertrauensverlust bei Talenten, die Transparenz schätzen
  • Schlechteres Arbeitgeberimage, besonders bei jüngeren Zielgruppen

Die konkreten Nachteile für Bewerbende:

  • Zeitverschwendung durch Bewerbungen, die am Gehalt scheitern
  • Schlechtere Verhandlungsposition, weil kein Ankerwert bekannt ist
  • Unsicherheit und Frustration im Prozess

Kurz gesagt: Fehlende Gehaltsangaben bremsen den gesamten Recruiting-Prozess aus. Und das, obwohl das Gegenteil so einfach wäre.

Gibt es eine gesetzliche Pflicht zur Gehaltsangabe in Stellenanzeigen?

In Deutschland gibt es seit 2023 durch die EU-Gehaltstransparenz-Richtlinie eine klare politische Richtung: Unternehmen sollen künftig verpflichtet sein, Gehaltsinformationen in Stellenanzeigen anzugeben. Die Richtlinie muss bis 2026 in nationales Recht umgesetzt werden, ist aber in Deutschland zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht vollständig in Kraft getreten.

Was aktuell gilt:

  • Das Entgelttransparenzgesetz (seit 2017) gibt Mitarbeitenden in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten das Recht, Auskunft über Gehaltsstrukturen zu verlangen.
  • Eine generelle Pflicht zur Gehaltsangabe in Stellenanzeigen besteht in Deutschland noch nicht.
  • Die EU-Richtlinie 2023/970 verpflichtet Mitgliedstaaten, bis Juni 2026 entsprechende Gesetze einzuführen.

Das bedeutet: Wer heute eine Stellenanzeige ohne Gehalt schaltet, bewegt sich noch im legalen Rahmen. Doch der Druck, das zu ändern, wächst. Unternehmen, die jetzt auf Transparenz setzen, positionieren sich schon heute als attraktive Arbeitgeber für morgen.

Was sollten Bewerbende tun, wenn kein Gehalt angegeben ist?

Wenn eine Stellenanzeige kein Gehalt nennt, sollten Bewerbende das Thema proaktiv ansprechen, statt es zu ignorieren. Wer seine Gehaltsvorstellungen klar kommuniziert, spart sich und dem Unternehmen Zeit und wirkt dabei professionell, nicht aufdringlich.

So gehen Sie konkret vor:

  1. Recherchieren Sie den Marktwert: Nutzen Sie Gehaltsvergleichsportale, um eine realistische Spanne für Ihre Position und Region zu ermitteln.
  2. Nennen Sie eine Spanne in der Bewerbung: Fügen Sie Ihre Gehaltsvorstellung aktiv im Anschreiben oder Lebenslauf ein, statt darauf zu warten, gefragt zu werden.
  3. Sprechen Sie das Thema im Erstgespräch an: Fragen Sie freundlich, aber direkt nach dem vorgesehenen Gehaltsrahmen, bevor Sie zu viel Zeit investieren.
  4. Setzen Sie eine Untergrenze: Kennen Sie Ihre eigene Grenze und kommunizieren Sie diese klar, wenn das Gespräch konkret wird.

Und noch ein ehrlicher Hinweis: Wenn ein Unternehmen auch auf direkte Nachfrage keine Auskunft über das Gehalt geben will, sagt das bereits etwas über die Unternehmenskultur aus.

Welche Jobportale zeigen das Gehalt transparent an?

Einige Jobportale haben erkannt, dass Gehaltstransparenz ein entscheidender Faktor für die Qualität von Stellenanzeigen ist. Plattformen wie XING ermutigen Unternehmen aktiv dazu, Gehaltsangaben in ihre Stellenanzeigen aufzunehmen, weil transparente Anzeigen nachweislich mehr passende Bewerbungen generieren.

Was gute Jobportale in Sachen Gehaltstransparenz auszeichnet:

  • Sie bieten Arbeitgebern die Möglichkeit, Gehaltsspannen direkt im Bewerbungsmanager zu hinterlegen.
  • Sie filtern Anzeigen nach Gehaltswünschen, sodass Bewerbende gezielt suchen können.
  • Sie stellen Gehaltsdaten und Marktvergleiche zur Verfügung, damit Unternehmen realistische Spannen angeben können.

Die Tendenz ist klar: Jobportale, die Gehaltstransparenz aktiv fördern, werden für Talente attraktiver. Und Unternehmen, die das nutzen, erhalten qualifiziertere Bewerbungen in kürzerer Zeit. Wer also im Recruiting-Prozess effizienter werden will, sollte auf Plattformen setzen, die Transparenz als Standard und nicht als Ausnahme behandeln.