Fehlt in einer Jobanzeige die Gehaltsangabe, heißt das nicht automatisch, dass Sie keine Verhandlungsmacht haben. Sie können das marktübliche Gehalt selbst recherchieren, Ihre Gehaltsvorstellung aktiv in der Bewerbung nennen und im Gespräch selbstbewusst verhandeln. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Jobanzeigen ohne Gehaltsangabe.
Wie häufig fehlen Gehaltsangaben in Jobanzeigen?
Sehr häufig. In Deutschland, Österreich und der Schweiz verzichten viele Arbeitgeber nach wie vor auf konkrete Gehaltsangaben in Stellenanzeigen. Branchenbeobachtungen zeigen, dass in der DACH-Region ein Großteil der Ausschreibungen keine Zahl nennt. Das ist ein deutlicher Unterschied zu Märkten wie den USA oder dem Vereinigten Königreich, wo Transparenz beim Gehalt inzwischen weiter verbreitet ist.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Manche Arbeitgeber wollen Spielraum bei der Verhandlung behalten. Andere orientieren sich an internen Gehaltsbändern, die sie nicht öffentlich kommunizieren möchten. Und manchmal fehlt schlicht eine klare Kommunikationsstrategie im Recruiting-Prozess.
Für Bewerbende bedeutet das: Fehlende Gehaltstransparenz ist der Normalfall, kein Ausnahmefall. Wer gut vorbereitet in den Prozess geht, ist trotzdem im Vorteil.
Darf ein Arbeitgeber das Gehalt in der Stellenanzeige weglassen?
In Deutschland ist das grundsätzlich erlaubt. Es gibt keine gesetzliche Pflicht, in einer Jobanzeige ein konkretes Gehalt zu nennen. Einzige Ausnahme: Das EU-Lohntransparenzgesetz, das bis 2026 in nationales Recht umgesetzt werden muss, wird künftig mehr Transparenz verpflichtend machen. Bis dahin bleibt die Angabe freiwillig.
In Österreich und der Schweiz gelten ähnliche Regelungen. In Österreich schreibt das Gleichbehandlungsgesetz zwar vor, dass Stellenanzeigen ein Mindestgehalt laut Kollektivvertrag ausweisen müssen. In der Praxis wird das aber nicht immer vollständig umgesetzt.
Was bedeutet das für Sie als Bewerbende·r? Kurz gesagt: Sie können nicht erwarten, dass ein Gehalt angegeben ist. Aber Sie können und sollten aktiv werden.
Wie recherchiert man das marktübliche Gehalt für eine Stelle?
Das marktübliche Gehalt lässt sich über mehrere Quellen zuverlässig einschätzen. Am schnellsten gelingt das über Gehaltsvergleichsportale, Branchenberichte und das eigene Netzwerk.
- Gehaltsvergleichsportale: Plattformen wie Gehalt.de, Kununu oder Stepstone bieten Gehaltsdaten nach Branche, Region und Berufserfahrung. Diese Werte sind Richtwerte, keine Garantien.
- Ähnliche Stellenanzeigen: Suchen Sie nach vergleichbaren Positionen, die ein Gehalt nennen. Das gibt einen guten Eindruck vom Marktrahmen.
- Berufsverbände und Tarifverträge: Viele Branchen haben Tarifverträge oder Verbände, die Gehaltsempfehlungen veröffentlichen.
- Netzwerk: Kolleg·innen, Mentoren oder Kontakte in ähnlichen Positionen sind oft die ehrlichste Quelle.
Kombinieren Sie mehrere Quellen, um eine realistische Spanne zu ermitteln. Notieren Sie sich einen Zielwert und eine Untergrenze. So gehen Sie strukturiert in jede Verhandlung.
Sollte man vor der Bewerbung nach dem Gehalt fragen?
Das hängt vom Zeitpunkt und der Art der Kontaktaufnahme ab. Generell gilt: Fragen Sie nicht per E-Mail vor der Bewerbung nach dem Gehalt. Das wirkt schnell so, als stünde das Geld im Vordergrund, bevor Sie sich überhaupt vorgestellt haben.
Anders sieht es aus, wenn Sie telefonisch oder persönlich mit einer Recruiting-Person in Kontakt treten. Hier können Sie das Thema professionell ansprechen, etwa so: „Könnten Sie mir vorab einen Rahmen für die Vergütung nennen, damit ich einschätzen kann, ob die Stelle zu meinen Erwartungen passt?”
Dieser Ansatz ist direkt, respektvoll und spart beiden Seiten Zeit. Viele Recruiting-Verantwortliche schätzen diese Klarheit. Wer sich hingegen erst nach mehreren Gesprächen mit einem Angebot konfrontiert sieht, das weit unter den eigenen Vorstellungen liegt, hat wertvolle Zeit verloren.
Wie gibt man die Gehaltsvorstellung in der Bewerbung an?
Nennen Sie Ihre Gehaltsvorstellung als Jahresbruttogehalt, konkret und ohne Bandbreite. Eine klare Zahl wirkt selbstbewusster als eine Spanne und gibt dem Arbeitgeber einen eindeutigen Orientierungspunkt. Platzieren Sie die Angabe am Ende des Anschreibens, kurz vor dem Abschluss.
Ein Beispiel für eine gute Formulierung: „Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 58.000 Euro brutto im Jahr.”
Warum keine Spanne? Eine Spanne wie „zwischen 52.000 und 60.000 Euro” signalisiert Unsicherheit. Arbeitgeber orientieren sich dann erfahrungsgemäß am unteren Wert. Nennen Sie stattdessen Ihren Zielwert, der bereits etwas Verhandlungsspielraum einschließt.
Haben Sie Ihre Recherche sorgfältig gemacht, steht hinter dieser Zahl eine solide Grundlage. Das gibt Ihnen Sicherheit im weiteren Gespräch.
Wie verhandelt man das Gehalt, wenn kein Betrag kommuniziert wurde?
Wenn kein Gehalt kommuniziert wurde, liegt die Initiative bei Ihnen. Das ist kein Nachteil, sondern eine Chance. Wer gut vorbereitet ist, kann das Gespräch aktiv gestalten.
Vorbereitung ist alles
Gehen Sie mit einer klaren Zahl in das Gespräch, nicht mit einem vagen Gefühl. Kennen Sie Ihren Marktwert, Ihre Untergrenze und Ihre Argumente. Was bringen Sie mit? Welche Erfahrungen, Erfolge oder Fähigkeiten rechtfertigen Ihre Vorstellung? Bereiten Sie konkrete Beispiele vor.
Den richtigen Moment wählen
Warten Sie im Gespräch nicht bis zur letzten Minute. Wenn das Unternehmen Interesse signalisiert, ist der richtige Zeitpunkt gekommen. Fragen Sie aktiv: „Welchen Gehaltsrahmen haben Sie für diese Position vorgesehen?” So erfahren Sie die Vorstellung des Arbeitgebers, bevor Sie Ihre eigene nennen.
Liegt das genannte Budget unter Ihrer Erwartung, bleiben Sie ruhig. Nennen Sie Ihre Vorstellung und begründen Sie sie sachlich. Oft gibt es Spielraum, der erst im Gespräch sichtbar wird. Denken Sie auch an Zusatzleistungen wie Weiterbildungsbudget, flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice-Regelungen. Diese können fehlende Gehaltsprozente ausgleichen.
Arbeitgeber, die von Anfang an transparent kommunizieren, erleichtern diesen Prozess erheblich. Wenn Sie selbst auf der Suche nach Talenten sind, lohnt sich ein Blick auf einen modernen Bewerbungsmanager, der Ihnen hilft, den gesamten Recruiting-Prozess übersichtlich zu gestalten und die richtigen Fachkräfte anzusprechen.