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Welche HR-Prozesse muss ich anpassen, um das Entgelttransparenzgesetz umzusetzen?

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Das Entgelttransparenzgesetz bringt für kleine Unternehmen neue Pflichten mit sich, die eine Anpassung verschiedener HR-Prozesse erfordern. Von der Stellenausschreibung bis zur Dokumentation der Entgeltstrukturen müssen Inhaberinnen und Inhaber sowie Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer ihre Personalarbeit neu ausrichten. Besonders für kleinere Betriebe mit begrenzten Ressourcen stellt die Umsetzung eine Herausforderung dar, die jedoch mit der richtigen Vorbereitung erfolgreich gemeistert werden kann.

Die gute Nachricht: Viele der erforderlichen Anpassungen lassen sich systematisch angehen und bieten langfristig auch Vorteile für die Personalgewinnung. Eine transparente Gehaltsstruktur kann sogar zum Wettbewerbsvorteil werden, wenn sie richtig kommuniziert wird.

Was bedeutet das Entgelttransparenzgesetz für kleine Unternehmen?

Das Entgelttransparenzgesetz verpflichtet Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden zur Offenlegung von Gehaltsangaben in Stellenausschreibungen und schafft Auskunftsrechte für Beschäftigte über die Entgeltstrukturen im Unternehmen. Kleinere Betriebe sind zunächst nicht direkt betroffen, sollten sich jedoch auf mögliche Erweiterungen vorbereiten.

Für kleine Unternehmen ergeben sich dennoch wichtige Auswirkungen. Viele Betriebe werden freiwillig Gehaltsangaben in ihre Stellenausschreibungen aufnehmen, um im Wettbewerb um Fachkräfte nicht benachteiligt zu werden. Kandidatinnen und Kandidaten erwarten zunehmend Transparenz bei der Vergütung, unabhängig von der Unternehmensgröße.

Zusätzlich sollten sich kleinere Unternehmen darauf vorbereiten, dass die gesetzlichen Vorgaben in Zukunft möglicherweise auf alle Betriebe ausgeweitet werden. Eine frühzeitige Anpassung der HR-Prozesse kann dann einen entscheidenden Vorsprung bedeuten.

Welche HR-Prozesse sind vom Entgelttransparenzgesetz betroffen?

Vom Entgelttransparenzgesetz sind primär vier zentrale HR-Bereiche betroffen: Stellenausschreibungen, Entgeltstrukturen, Mitarbeiterkommunikation und die Dokumentation von Vergütungsentscheidungen. Diese Prozesse müssen systematisch überprüft und angepasst werden.

Im Recruiting-Prozess müssen Stellenausschreibungen um Gehaltsangaben oder Gehaltsspannen ergänzt werden. Dies erfordert eine Überarbeitung der Standardvorlagen und möglicherweise eine Anpassung der verwendeten Recruiting-Tools.

Die Entgeltstrukturen selbst müssen transparent und nachvollziehbar gestaltet werden. Das bedeutet, dass Gehaltsgruppen, Bewertungskriterien und Vergütungsbestandteile klar definiert und dokumentiert werden müssen.

Bei der Mitarbeiterkommunikation entstehen neue Auskunftspflichten. Beschäftigte können Informationen über die Entgeltstrukturen und Gehaltsspannen in vergleichbaren Positionen einfordern. Hierfür müssen entsprechende Prozesse und Ansprechpersonen definiert werden.

Wie muss ich Stellenausschreibungen nach dem Entgelttransparenzgesetz anpassen?

Stellenausschreibungen müssen künftig eine Gehaltsangabe oder Gehaltsspanne enthalten, die realistisch und aussagekräftig ist. Die Angabe kann als Festgehalt, Gehaltsspanne oder durch Verweis auf einen Tarifvertrag erfolgen.

Bei der Formulierung sollten Sie konkrete Zahlen verwenden statt vager Begriffe wie „attraktive Vergütung“. Eine Gehaltsspanne von beispielsweise „45.000 bis 55.000 Euro brutto pro Jahr“ ist deutlich informativer und rechtlich konformer.

Moderne Recruiting-Plattformen wie XING Stellenanzeigen bieten bereits die Möglichkeit, Gehaltsangaben optional in die Stellenausschreibung zu integrieren. Dies ermöglicht eine zielgerichtete Ansprache passender Kandidatinnen und Kandidaten, die bereits im Vorfeld wissen, welche Vergütung sie erwarten können.

Zusätzlich zur Gehaltsangabe sollten weitere Vergütungsbestandteile wie Boni, betriebliche Altersvorsorge oder Benefits erwähnt werden, um ein vollständiges Bild der Gesamtvergütung zu vermitteln.

Welche Dokumentationspflichten entstehen durch das Entgelttransparenzgesetz?

Das Entgelttransparenzgesetz erfordert eine systematische Dokumentation aller Entgeltentscheidungen, Gehaltsstrukturen und Bewertungskriterien. Unternehmen müssen nachweisen können, dass ihre Vergütungspraxis diskriminierungsfrei und transparent ist.

Konkret müssen Sie folgende Bereiche dokumentieren: die verwendeten Bewertungskriterien für Positionen, die Gehaltsspannen für vergleichbare Tätigkeiten, die Begründung für individuelle Gehaltsunterschiede und die regelmäßige Überprüfung der Entgeltstrukturen.

Eine digitale Personalakte oder ein HR-Management-System kann dabei helfen, diese Informationen strukturiert zu erfassen und bei Bedarf schnell verfügbar zu machen. Wichtig ist, dass die Dokumentation lückenlos und nachvollziehbar ist.

Zusätzlich sollten Sie Protokolle von Gehaltsgesprächen, Beförderungsentscheidungen und Gehaltsanpassungen aufbewahren. Diese können bei eventuellen Nachfragen oder Beschwerden als Nachweis für faire und transparente Entscheidungen dienen.

Wie bereite ich mein Team auf die Umsetzung des Entgelttransparenzgesetzes vor?

Die Vorbereitung Ihres Teams erfordert eine systematische Schulung aller beteiligten Personen zu den neuen rechtlichen Anforderungen und den angepassten Prozessen. Führungskräfte und HR-Verantwortliche müssen über die neuen Pflichten und deren praktische Umsetzung informiert werden.

Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme Ihrer aktuellen Entgeltstrukturen und identifizieren Sie Bereiche, die angepasst werden müssen. Schulen Sie anschließend alle Personen, die an Einstellungs- und Gehaltsentscheidungen beteiligt sind.

Entwickeln Sie klare Leitfäden für Gehaltsgespräche und die Kommunikation mit Bewerberinnen und Bewerbern über Vergütungsthemen. Ihre Mitarbeitenden sollten wissen, wie sie auf Fragen zu Gehaltsstrukturen antworten können, ohne gegen Datenschutz oder andere rechtliche Vorgaben zu verstoßen.

Planen Sie regelmäßige Überprüfungen Ihrer Entgeltstrukturen ein und bestimmen Sie verantwortliche Personen für die Pflege der Dokumentation. Eine kontinuierliche Betreuung ist wichtiger als eine einmalige Anpassung, da sich rechtliche Anforderungen und Marktbedingungen stetig wandeln.