Wer im Recruiting erfolgreich sein will, braucht mehr als gute Stellenanzeigen. Er braucht das richtige Vokabular. Denn wenn Talente nach Jobs suchen, tippen sie ganz bestimmte Begriffe in Google ein. Wer diese Begriffe kennt und gezielt einsetzt, zieht mehr Bewerbungen an. Genau hier kommen SEO-Tools wie SEMrush und Ahrefs ins Spiel. Beide Plattformen wurden ursprünglich für das klassische Online-Marketing entwickelt. Doch für die Keyword-Analyse im Recruiting sind sie echte Geheimwaffen, besonders für KMU, die mit begrenztem Budget sichtbarer werden wollen.
In diesem Artikel zeigen wir, wie Sie SEMrush und Ahrefs konkret für Ihre Personalsuche einsetzen, welche Funktionen sich für Stellenanzeigen und Karriereseiten eignen und was Sie aus den gewonnenen Daten für Ihr Recruiting mitnehmen können.
Recruiting-Keywords richtig identifizieren und kategorisieren
Der erste Schritt ist eine klare Vorstellung davon, wonach Ihre Wunschtalente eigentlich suchen. Recruiting-Keywords lassen sich grob in drei Kategorien einteilen: Jobtitel-Keywords (z. B. „Buchhalter·in gesucht München”), informationelle Keywords (z. B. „Gehalt Softwareentwickler·in 2026″) und transaktionale Keywords (z. B. „Stelle als Pflegefachkraft bewerben”). Jede Kategorie spricht Talente in einer anderen Phase ihrer Jobsuche an.
Für KMU ist es besonders wichtig, nicht nur auf generische Begriffe zu setzen. Große Konzerne dominieren dort bereits die Suchergebnisse. Stattdessen lohnt sich der Fokus auf Long-Tail-Keywords wie „Teilzeitstelle Logistik Hamburg” oder „Ausbildung Mechatroniker Mittelstand”. Diese Begriffe haben zwar ein geringeres Suchvolumen, bringen aber deutlich qualifiziertere Bewerbungen. Weniger Streuverlust, mehr Treffer.
Eine hilfreiche Methode: Schauen Sie sich an, wie Ihre aktuellen Mitarbeitenden damals nach Jobs gesucht haben. Fragen Sie beim nächsten Onboarding einfach nach. Diese echten Suchbegriffe sind oft wertvoller als jede Tool-Analyse.
SEMrush für die Recruiting-Keyword-Analyse einsetzen
SEMrush bietet für die Keyword-Analyse im Recruiting mehrere nützliche Funktionen. Der Einstieg gelingt am besten über das Keyword Magic Tool. Geben Sie dort einen Jobtitel oder eine Berufsbezeichnung ein, und SEMrush liefert Ihnen Hunderte verwandte Suchbegriffe inklusive Suchvolumen, Wettbewerb und Keyword-Schwierigkeit.
Konkurrenzanalyse für Karriereseiten
Ein besonders starkes Feature ist die Domain-Analyse. Geben Sie die Karriereseite eines Mitbewerbers ein, und SEMrush zeigt Ihnen, für welche Keywords diese Seite rankt. So sehen Sie auf einen Blick, welche Suchbegriffe in Ihrer Branche funktionieren. Das spart Zeit bei der eigenen Recherche.
Außerdem lohnt sich ein Blick auf die Position Tracking-Funktion. Damit verfolgen Sie, wie gut Ihre eigene Karriereseite oder Ihre Stellenanzeigen für bestimmte Keywords sichtbar sind. Wenn eine Stelle nach zwei Wochen kaum Klicks generiert, zeigt das Tool schnell, ob das ein Sichtbarkeits- oder ein Relevanzproblem ist.
Content Gap für Stellenanzeigen nutzen
Das Content Gap Tool vergleicht Ihre Seite mit der Konkurrenz und zeigt, welche Keywords Ihre Mitbewerber ranken, Sie aber nicht. Das ist eine direkte Einladung, Ihre Stellenanzeigen oder Karriereseite gezielt zu ergänzen. Für KMU ohne große SEO-Abteilung ist das ein einfacher Weg, schnell aufzuholen.
Ahrefs gezielt für Stellenanzeigen und Karriereseiten nutzen
Ahrefs ist vor allem für seine starke Backlink-Datenbank bekannt. Doch für die Keyword-Analyse im Recruiting bietet es ebenso überzeugende Werkzeuge. Der Keywords Explorer liefert detaillierte Daten zu Suchvolumen, Klickrate und Keyword-Schwierigkeit. Besonders nützlich ist die Anzeige des sogenannten „Traffic Potential”, also wie viele Besucher·innen eine Seite realistisch gewinnen kann, wenn sie für ein bestimmtes Keyword gut rankt.
Für passive Sourcing-Strategien ist Ahrefs ideal. Wenn Talente aktiv nach Informationen zu einem Beruf suchen, ohne konkret einen Job zu wollen, können gut optimierte Karriereseiten genau diese Personen abholen. Ahrefs zeigt Ihnen, welche informationellen Keywords in Ihrer Branche gefragt sind, z. B. „Aufgaben Vertriebsleitung” oder „Weiterbildung Pflegefachkraft”.
Site Audit für Karriereseiten
Ein weiteres starkes Feature ist der Site Audit. Er prüft Ihre Karriereseite auf technische SEO-Fehler wie fehlende Meta-Beschreibungen, langsame Ladezeiten oder nicht indexierte Seiten. Diese technischen Faktoren beeinflussen direkt, ob Google Ihre Stellenanzeigen überhaupt ausspielt. Gerade bei KMU mit einfachen Website-Strukturen schlummern hier oft ungenutzte Potenziale.
SEMrush vs. Ahrefs: Welches Tool passt zu welchem Anwendungsfall?
Beide Tools sind leistungsstark. Die Frage ist, wofür Sie sie einsetzen wollen.
- SEMrush eignet sich besonders gut für die laufende Wettbewerbsbeobachtung und die Analyse von Anzeigen-Keywords. Das Keyword Magic Tool ist intuitiver zu bedienen und liefert schnell erste Ergebnisse. Für Teams ohne tiefes SEO-Wissen ist SEMrush oft der bessere Einstieg.
- Ahrefs punktet bei der inhaltlichen Tiefe. Wer verstehen will, warum eine Karriereseite gut oder schlecht rankt, und wer Backlink-Potenziale für die eigene Arbeitgebermarke erschließen möchte, ist mit Ahrefs besser bedient.
- Für KMU Recruiting ohne dediziertes SEO-Team empfiehlt sich SEMrush als Einstieg. Wer tiefer einsteigen will, kann Ahrefs ergänzend nutzen.
Beide Tools bieten kostenlose Testphasen. Es lohnt sich, beide kurz auszuprobieren und zu schauen, welches Interface besser zur eigenen Arbeitsweise passt. Letztlich entscheidet nicht das Tool, sondern die Konsequenz, mit der man die gewonnenen Daten umsetzt.
Keyword-Erkenntnisse in bessere Stellenanzeigen übersetzen
Die beste Keyword-Analyse bringt nichts, wenn die Erkenntnisse nicht in der Praxis ankommen. Der Transfer von der Datenebene zur konkreten Stellenanzeige ist der entscheidende Schritt. Und er ist einfacher als gedacht.
Konkret: Wenn Ihre Keyword-Analyse zeigt, dass Talente häufig nach „Teilzeit Buchhalter·in München” suchen, sollte genau dieser Begriff im Titel Ihrer Stellenanzeige auftauchen, nicht nur im Fließtext. Suchmaschinen gewichten Titel stark. Gleichzeitig sollte der Begriff natürlich klingen und zum Rest der Anzeige passen.
Weitere Tipps für die Umsetzung:
- Nutzen Sie gefundene Long-Tail-Keywords in der Aufgabenbeschreibung und den Anforderungen.
- Bauen Sie informationelle Keywords in Ihre Karriereseite ein, z. B. als FAQ oder kurze Einblicke in den Arbeitsalltag.
- Überprüfen Sie regelmäßig, welche Keywords zu Klicks führen, und passen Sie Anzeigen entsprechend an.
- Vermeiden Sie interne Jobtitel, die außerhalb Ihres Unternehmens niemand kennt. „Sales Wizard” klingt kreativ, wird aber kaum gesucht.
Wer seine Stellenanzeigen gezielt optimiert, erhöht nicht nur die Sichtbarkeit in Suchmaschinen, sondern spricht auch die richtigen Talente an. Das spart Zeit bei der Vorauswahl und verbessert die Qualität der Bewerbungen spürbar.
XING Stellenanzeigen kombiniert diese SEO-Logik mit einer Reichweite von über 21 Millionen Mitgliedern und einer automatischen Ausspielung auf Google for Jobs sowie weiteren Portalen. Für KMU, die ohne großes SEO-Team schnell sichtbar werden wollen, ist das eine effiziente Ergänzung zur eigenen Keyword-Strategie.