Kommentar

Wer hat Angst vor künstlicher Intelligenz?

Wer hat Angst vor künstlicher Intelligenz?

Rund 90 Prozent der Berufstätigen glauben nicht, dass Roboter ihre Tätigkeit in Zukunft übernehmen können

Tamagochi

Wenn Sie in den 80er oder 90er Jahren geboren wurden, hatten Sie wahrscheinlich auch eins: Klein, bunt, passte schön in die Hände kleiner und junger Erwachsener, sah niedlich aus, piepste zu den unmöglichsten Tageszeiten und wuchs wie verrückt – sofern man es gut behandelte. Die Rede ist vom Tamagotchi. Vor rund 23 Jahren kam die japanische Sensation Ende der 90er auch endlich in Deutschland auf den Markt und natürlich musste man direkt eins besitzen. Meins war gelb.

Natürlich gelang es mir dank meiner frühen Multitasking-Fähigkeiten im Schulunterricht ein gesundes Tamagotchi aufzuziehen. Mein ältester Pixel-Freund „lebte“ fast 30 Tage! Ignorierte man das dauernde Gepiepe, wuchs ein hässliches Wesen auf dem Display heran, dessen Anblick man nur wenige Tage ertragen musste.

Heute steckt die künstliche Intelligenz überall drin

Für viele von uns war das Tamagotchi die erste Begegnung mit roboterartigen Gefährten. Klein und niedlich waren sie. Ein richtiges Haustier mit Fell und Wärme konnten sie jedoch nicht ersetzen. Heute leben wir in Zeiten, in denen künstliche Intelligenz unseren Alltag weitreichend durchdringt – oft unbewusst. Denken Sie an den Spamfilter Ihres E-Mail-Providers, die Jobempfehlungen auf XING oder wenn die Bank Sie anruft, um ungewöhnliche Kreditkarten-Transaktionen mit Ihnen abzugleichen. So war einst ein Roboter so schlau und hat Alarm geschlagen, als mit meinen Daten Schusswaffen in US-Outdoorläden gekauft wurden. Nein, ich war’s nicht. Danke.

50 Prozent Automatisierbarkeit

Und dennoch: Wenn das Wort Robotorisierung oder der Begriff künstliche Intelligenz fällt, beschleicht viele von uns ein mulmiges Gefühl. „Die nehmen uns den Job weg“ denkt so manch einer. Es gibt Studien, die sagen, dass jeder zweite Job in den nächsten Jahrzehnten wegfällt, andere wiederum rechnen vor, dass jeder vierte Erwerbstätige künftig durch einen Roboter ersetzt wird. Mit dem Job-Futuromat vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) können Sie sogar für Ihre Tätigkeit ermitteln, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, bald nicht mehr benötigt zu werden. Die Automatisierbarkeit meines Berufs als Content-Managerin liegt demnach bei 40 Prozent. Falls Sie das amüsant finden: 50 Prozent der Arbeit eines Personalreferenten könnten von Robotern durchgeführt werden. Stich!

Nur ein Bruchteil glaubt daran

Richtig seltsam wird es jedoch, wenn wir uns jenseits wissenschaftlicher Studien anschauen, was die Berufstätigen selbst über diese „digitale Gefahr“ denken. Passenderweise gibt es auch hierzu eine Studie. Forsa hat im Auftrag von XING E-Recruiting mehr als 3.000 Deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befragt, ob auch sie den Eindruck haben, dass sich ihr Job dadurch perspektivisch verändert, bzw. Roboter oder Maschinen einen Einfluss haben werden.

Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass die Befragten in ihrem Eindruck diesen Prognosen nicht folgen. Zum einen stellen wir fest: Erwerbstätige sehen recht gelassen in die Zukunft. Acht von zehn (81 Prozent) der Befragten glauben, dass ihre Anstellung bei ihrem aktuellen Arbeitgeber sicher ist – dies gilt insbesondere für Besserverdiener.

Rund zwei Drittel (65 Prozent) gehen zudem davon aus, dass ihre aktuelle Haupttätigkeit in 15 Jahren noch die gleiche sein wird. Mit zunehmendem Altern sinkt die Zustimmung: Jüngere sind mit 73 Prozent tendenziell zuversichtlicher als Angestellte ab 50 Jahren (55 Prozent) was die Fortdauer ihrer gegenwärtigen Tätigkeit angeht.

Last but not least: Lediglich 9 Prozent glauben, dass in Zukunft Maschinen oder Roboter ihre berufliche Haupttätigkeit übernehmen können. 89 Prozent hingegen meinen, dass dies nicht passieren wird. Und bevor Sie fragen: In dieser repräsentativen Umfrage wurden Erwerbstätige ab 18 über alle Branchen, Positionen und Tätigkeitsfeldern befragt.

Wer hat nun Recht?

Fassen wir also zusammen: Zig Studien gehen davon aus, dass viele Jobs in Zukunft von Robotern gemacht werden können. Auf der anderen Seite sind sich sehr, sehr, sehr viele Menschen sicher, dass das nicht so sein wird.

Wie dem auch sei – es gibt auch genügend Studien, deren Macher sich sicher sind, dass zwar viele Jobs durch die Digitalisierung verschwinden, gleichzeitig jedoch auch fast genauso viele neue Tätigkeiten entstehen. Also werden Sie auch weiterhin mit dem Fachkräftemangel zu tun haben.

Machen Sie sich gerne selbst einen Reim aus diesen ganzen Erkenntnissen.

„Dieser Text wurde von einem Roboter entworfen“ – könnte hier bald stehen.

Yee Wah Tsoi ist für den Recruiting Content zuständig.
Ein Artikel von Yee Wah Tsoi

Yee Wah ist seit 2008 bei XING. Die Bielefelderin (gibt's wirklich!) war dort zuerst in der PR tätig. Seit 2017 ist sie für den Recruiting Content zuständig.