Strategisches Employer Branding:

Expertinnentipps für Unternehmen jeglicher Größe (mit Video in voller Länge)

Expertinnentipps für Unternehmen jeglicher Größe (mit Video in voller Länge)

Viele Recruiter·innen haben wenig Zeit und wenig Geld. Aber sollten sie deshalb auf Employer Branding verzichten? Auf gar keinen Fall, meinen die Expertinnen, die sich im Panel „Strategisches Employer Branding“ bei der New Work Experience 2021 über genau dieses Thema austauschten. Im Gepäck hatten sie unter anderem Tipps für Unternehmen, denen die finanziellen Mittel für aufwendige Kampagnen fehlen.

Sichtbarkeit ist aktuell wichtiger denn je. Wer als Unternehmen mit seinen Werten und seiner Kultur von den (richtigen) Kandidat·innen wahrgenommen wird, hat im Wettbewerb um die besten Kräfte die Nase vorn. Für Sandra Kolleth, Geschäftsführerin von Miele Österreich, Slowenien und Kroatien und Vanessa Siegbert, Head of HR bei Kapten & Son, hat das strategische Employer Branding in ihren Unternehmen hohe Priorität. Worauf es dabei ankommt, haben sie im Talk mit Daniela Furkel, Chefreporterin beim „Personalmagazin, erzählt.

Einzigartigkeit herausstellen

Jedes Unternehmen ist einzigartig. Trotzdem sind viele Firmen in ihrem Außenauftritt austauschbar. Oberste Prämisse für jedes Unternehmen sollte daher sein, zunächst die eigenen Werte der Unternehmenskultur zu ermitteln und diese anschließend in eine Arbeitgebermarke zu übersetzen, meint Sandra Kolleth von Miele. Standortbestimmung nennt sie den ersten Teil der Arbeit, Zielbestimmung den zweiten.

Authentisch sein

„Man kann nur branden, was man lebt.“ Davon ist Sandra Kolleth überzeugt. Sie weiß, dass viele Unternehmen nach wie vor den Fehler machen, sich anders zu verkaufen, als sie tatsächlich sind. Neuen Mitarbeitenden falle die Diskrepanz häufig schon am ersten Arbeitstag auf. Die Folge: eine hohe Mitarbeiter·innenfluktuation und ebenso hohe Recruiting-Kosten. Für Kolleth hat deshalb Ehrlichkeit im Employer Branding oberste Priorität.

Bevor es also darum gehe, die Kommunikation im Außen zu steuern, empfiehlt sie, erst einmal die eigenen Hausaufgaben. „Wenn ich mich als guter Arbeitgeber branden möchte, dann sollte ich auch ein guter Arbeitgeber sein. Die eigenen Mitarbeitenden betrachtet sie als wichtige Markenbotschafter·innen, die den HR-Verantwortlichen dann automatisch einen Teil der Kommunikation im Außen abnehmen.

Jetzt in voller Länge den Talk sehen

Werte vertreten

Vanessa Siegbert berichtete im Talk, dass im Jobinterview bei Kapten & Son der Cultural Fit gezielt thematisiert werde. „Hier geht es darum, die Erwartungen des Unternehmens und des/der Kandidat·in miteinander abzugleichen. Dafür kommuniziert auch Kapten & Son, was das Unternehmen ausmacht und welche Werte es vertritt. „Und manchmal merke man dann, dass es nicht passt, weil man unterschiedliche Vorstellungen von Arbeit hat“, sagt Siegbert.

Mitarbeitende glücklich machen

Auch bestehenden Mitarbeitenden sollte laut Vanessa Siegbert eine wichtige Rolle im Employer Branding zukommen, in dem sie eine gute Betreuung mit viel Wertschätzung erfahren. Siegbert berichtete im Talk einerseits von einer Veranstaltung mit gemeinsamem Kochabend während der Pandemie, führte aber auch harte Faktoren wie Zuschüsse zu Sportmitgliedschaften an, die den Mitarbeitenden signalisieren: Ihr seid uns wichtig. „Das kostet ein paar Euro, bringt aber viel.“

Arbeitgeberbewertungsplattformen pflegen – internes Feedback erheben

Glückliche Mitarbeitende sprechen nicht nur in der realen Welt positiv über ihren Job, sondern auch in der digitalen. Sowohl Miele als auch Kapten & Son haben mit einem Profil auf kununu gezielt einen Platz für die Mitarbeitenden geschaffen, auf dem diese ihren Arbeitgeber bewerten können. „So wissen Bewerber·innen von Anfang an, worauf sie sich bei uns einlassen“, sagt Vanessa Siegbert. Negatives Feedback betrachtet sie als Verbesserungsvorschlag.

Auch intern erhebt Kapten & Son regelmäßig die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, indem das Unternehmen einmal im Monat unter anderem fragt, wie wahrscheinlich es ist, dass der oder die jeweilige Mitarbeiter·in Kapten & Son als Arbeitgeber weiterempfiehlt. Das habe dem Unternehmen gerade auf dem Weg vom Start-up zum mittelständischen Unternehmen geholfen, regelmäßig ein aktuelles Stimmungsbild der Mitarbeitenden zu bekommen.

In der Krise dranbleiben

Darüber, dass Employer Branding auch oder sogar besonders in der Krise wichtig ist, sind sich Sandra Kolleth und Vanessa Siegbert einig. „Besonders in Zeiten der Unsicherheit ist es wichtig, offen zu kommunizieren“, sagte Kolleth in dem Talk. Die Unternehmenskultur und Werte hätten ihnen dabei Orientierung gegeben.

Siegbert findet wichtig, dass eine einmal erarbeitete Employer Branding-Strategie stetig angepasst wird. Dabei gelte es, sich zu fragen: Ist das noch der richtige Weg? Müssen wir neue Prozesse implementieren? Und kommunizieren wir den Weg gut? Ihr ist wichtig: „Man darf keine Angst vor Veränderung haben.“

Ein Artikel von Birte Schmidt

Birte berichtet freiberuflich für den Blog von XING E-Recruiting über Trends und Neuigkeiten aus dem HR-Bereich.