Feel@Home – Digital Edition

Lob für Unternehmen: Überwiegend positive Resonanz zum Umgang mit Corona

Beim ersten „Feel@Home – Digital Edition“ Event von XING E-Recruiting stellten Experten Best Practice Beispiele aus der Krisenzeit vor und zogen ein Fazit. Und das fiel deutlich positiv aus.

„Wir sind selbst überrascht, wie gut wir mit der Lage zurechtgekommen sind.“ So kommentiert Gerold Hasel, Senior Director Human Resources bei Conrad Electronic, den Umgang des Unternehmens mit der Corona-Pandemie. Bei der ersten „Feel@Home – Digital Edition“ sprach Hasel mit weiteren HR-Experten zum Thema „Herausforderungen und Maßnahmen in Corona Zeiten“ und lieferte Best Practice-Beispiele.

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Moderator Marcus Merheim (links) begrüßt aus dem virtuellen Studio den XING E-Recruiting Geschäftsführer David Vitrano (rechts)

Feel@Home – Das Motto war dieses Mal wirklich wörtlich zu verstehen. Gegründet wurde die Veranstaltungsreihe ursprünglich, um die Online-Plattform XING in Form von Events in die reale Welt zu bringen.

Feel@Home erstmalig als virtuelle Veranstaltung

Nun also – gezwungermaßen – die Rückwärtsrolle: Mit der ersten „Feel@Home – Digital Edition“-Ausgabe reagierte XING E-Recruiting auf die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie und führte die Veranstaltung online aus einem Studio in Hamburg durch. Marcus Merheim, Senior Marketing Manager bei XING E-Recruiting, leitete als Moderator durch den Nachmittag.

Im Mittelpunkt des Events stand das Thema Employer Branding, das in diesen herausfordernden Zeiten einmal mehr an Bedeutung gewinnt. Gerade in der Krise, das bestätigten die geladenen Gäste, zeigt sich, was einen guten Arbeitgeber wirklich ausmacht. David Vitrano, Geschäftsführer von XING E-Recruiting, zitierte dafür Altkanzler Helmut Schmidt: „In der Krise beweist sich der Charakter“.

 

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kununu-Chef Moritz Kothe (links) stellte Ergebnisse des "kununu Corona Employer Transparency Tickers" vor

 

Gute Ergebnisse beim kununu Corona Employer Transparency Ticker Moritz Kothe, CEO der Arbeitgeberbewertungsplattform kununu, sprach über die Ergebnisse des „kununu Corona Employer Transparency Ticker“. Rund 50.000 Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz hatten in den vergangenen Wochen ihre Erfahrungen zum Umgang ihres Arbeitgebers mit dem Thema Corona geteilt. Mit dem Ergebnis: 73 Prozent von ihnen gaben an, dass sie mit dem Umgang ihres Arbeitgebers in der Krise zufrieden sind. „Nur bei wenigen läuft es ganz arg schief“, kommentierte Kothe.

Als Beispiele für einen guten Umgang nannte er einen Arbeitgeber, der seine Mitarbeiter mit Vitaminspritzen versorge und einen anderen, der einen Kantinenservice eingerichtet habe. Am wichtigsten sei aber Transparenz gewesen, indem die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern beispielsweise in Info-Calls laufend Informationen über die aktuelle Situation bereitstellten.

Die Learnings fasste Kothe folgendermaßen zusammen:

  • Schnelle Reaktion entscheidend für hohe Zufriedenheit

  • Zusammenhalt der Mitarbeiter funktioniert

  • Kommunikation ist das wichtigste Gut

  • Arbeitgeber und Arbeitnehmer können enger zusammenwachsen

Wie für Feel@Home-Events üblich sollte der Austausch auch im digitalen Raum nicht zu kurz kommen. So konnten die Zuschauer laufend ihre Fragen stellen, die Moderator Marcus Merheim an die Experten weitergab.

Oliver Blueher stellte als Geschäftsführer von Slack das Unternehmenstool als Alternative zur E-Mail-Kommunikation vor. Für Unterhaltung sorgten außerdem die HR-Influencer Eva Stock und Jannis Tsalikis, die aus ihrem Buch „HR True Story“ lasen.

Einblicke in die Praxis: HR in Zeiten von Corona

Gerold Hasel, HR-Verantwortlicher bei Conrad Electronic, gab offene Einblicke in den Umgang des familiengeführten Unternehmens mit der Krise. „Aufgrund unserer Einkaufsbüros in Hongkong und China haben wir relativ frühzeitig ein Bild davon bekommen, wie ernst die Lage dort ist und mit den ersten Bildern vom Bau der Klinik in Wuhan war uns klar: Da kommt etwas auf uns zu.“

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Zugeschaltet von Conrad Electronics: Gerold Hasel, HR-Verantwortlicher, erklärt im Interview, wie das Unternehmen mit der Corona-Krise umgegangen ist

Bereits vor einigen Jahren hatte das Unternehmen einen Krisenstab eingerichtet, der in Notsituationen zusammentritt und die Kommunikation und Entscheidungen koordiniert. Damit war das Unternehmen selbst auf diese Ausnahmesituation bestmöglich vorbereitet. Täglich, zum Teil sogar am Wochenende, kamen die Juristen, Sicherheitsbeauftragten, HRler, ITler und Mitarbeiter aus der Logistik zusammen, um tagesaktuell zu reagieren. Zu jedem Zeitpunkt wusste jeder Mitarbeiter über die Lage Bescheid. „Damit konnten wir viel Sicherheit vermitteln“, so Hasel.

Zu Beginn der Pandemie wurde die Belegschaft in den Verwaltungsbereichen zunächst in zwei Teile aufgeteilt. Im 14-tägigen Wechsel arbeiteten 50 Prozent vor Ort in den Büros, die anderen 50 Prozent im Homeoffice. Als sich die Situation zuspitzte, konnten innerhalb von drei Tagen 98 Prozent der Mitarbeiter der Zentrale von Zuhause aus arbeiten. Möglich war dies auch, weil das Unternehmen schon seit vielen Jahren mit der Google G-Suite arbeitet und alle relevanten Systeme in der Cloud sind.

Kommunikation als Schlüssel für den Erfolg

Wie wurde nun aber auch produktionsseitig sichergestellt, dass die Produkte jederzeit verfügbar sind? „Der Einkauf hat direkt reagiert, neue Lagerbestände geschaffen und rechtzeitig Kontakt mit Lieferanten aufgenommen“, sagt Hasel. „Der andere Schlüssel war, dass wir jederzeit eine voll lieferfähige Logistik hatten.“ Um diesen Mitarbeitern besondere Anerkennung zu zeigen, wurden steuerfreie Sonderprämien ausgezahlt.

Die Arbeit ging also weitestgehend störungsfrei weiter, trotzdem sieht Hasel gerade im Homeoffice Herausforderungen. „Der gemeinsame Kaffeeplausch und das private Gespräch in der Kantine fehlen einfach.“ Um den Zusammenhalt zu fördern, hat das Unternehmen ein digitales Tagebuch eingeführt. Darin können die Mitarbeiter mitteilen, wie es ihnen im heimischen Büro und in der Zusammenarbeit auf Distanz geht.

Und wie hat sich die Krise nun auf die Arbeitgebermarke von Conrad Electronics ausgewirkt? „Durch die Arbeit des Krisenstabs hat das interne Employer Branding super funktioniert“, so Hasel. Dank ständiger Kommunikation habe man die Leistungsfähigkeit aufrecht halten können. Für die Zukunft arbeitet das Unternehmen zurzeit an einem Model, bei dem die Mitarbeiter zu 50 Prozent mobil und zu 50 Prozent im Büro arbeiten. Hasel selbst sagt, dass es ihm mittlerweile Spaß mache, von Zuhause zu arbeiten. „Es gibt keinen Grund, vor dieser Art von Zusammenarbeit zurückzuschrecken.“

Was bedeutet die Corona-Krise insgesamt für den HR-Bereich?

Ein Fazit zog Marcus Merheim am Ende der Veranstaltung. Seine Learnings:

  • Die Unternehmen haben überwiegend gut reagiert, trotzdem ist die Arbeit im Homeoffice technisch und kommunikativ eine Herausforderung für viele Unternehmen.

  • Offene Kommunikation und der gute Umgang mit Mitarbeitern strahlt positiv auf die Arbeitgebermarke aus, was sich wiederum auf das Recruiting und die Bindung von Mitarbeitern auswirkt.

  • Und: Unternehmen und Mitarbeiter sollten sich noch stärker gegenüber neuen Technologien öffnen.

Ein Artikel von Birte Schmidt

Birte berichtet freiberuflich für den Blog von XING E-Recruiting über Trends und Neuigkeiten aus dem HR-Bereich.