Gleiche Voraussetzungen

Die Zürich Versicherung zeigt: Ohne Gleichheit ist auch keine Diversity möglich

Jolanda Grob

Diversity wird bei der Zürich Versicherung gross geschrieben. Doch damit sich alle Mitarbeitenden gleichermassen einbringen können – insbesondere Mann und Frau – und somit das Unternehmen mit ihrer Einzigartigkeit bereichern können, müssen sie zuerst über die gleichen Ausgangslagen verfügen. Wie die Zürich Versicherung die beiden Begriffe vereint und umsetzt, erfahren Sie in diesem Interview mit Chief Human Resources Officer, Jolanda Grob.

Diversity ist bei der Zürich Versicherung ein wichtiges Thema. Wie verstehen Sie den Begriff?

Diversity bedeutet für mich Vielfalt. Das ist nicht auf die Mann-Frau Thematik begrenzt, sondern viel breiter zu verstehen: Wie kann sich jeder Mitarbeitende mit seiner Einzigartigkeit bei uns einbringen und andere damit bereichern, so dass wir als Unternehmung zu besseren Ergebnissen gelangen.

Zurich wurde vor wenigen Monaten ausgezeichnet, da sie Pionierarbeit in der Gleichstellung leistet. Die Auszeichnung steht in Zusammenhang mit der EDGE-Zertifizierung. Warum haben Sie sich zertifizieren lassen?

Wir wollten eine möglichst umfassende Analyse und prüfen, ob unsere Massnahmen den gewünschten Erfolg zeigen. Die EDGE Zertifizierung konzentriert sich auf alle relevanten Themenfelder, analysiert Zahlen, Reglemente, Prozesse und holt die Mitarbeitenden durch eine Befragung ab.

Was bringt Ihnen die Zertifizierung und wie reagieren die Bewerber darauf?

Die EDGE Zertifizierung zeigt auf, wo wir erfolgreich sind und wo wir uns noch verbessern können. Es ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema Gleichstellung von Mann und Frau am Arbeitsplatz. Es macht uns klar attraktiver auf dem Arbeitsmarkt – wir bekommen durchwegs positive Reaktionen.

Mit welchen Herausforderungen hat Zurich aktuell im Bereich Diversity – oder eben im Vorfeld Gleichberechtigung – am meisten zu kämpfen? Was haben Sie noch nicht erreicht?

Wir bauen die Pipeline von weiblichen Führungskräften stetig aus, um auch mehr Frauen in der Geschäftsleitung zu sehen. Zudem gewinnt das Thema Generationenmanagement für uns zunehmend an Bedeutung.

Welche konkreten Massnahmen ergreifen Sie, um Diversity nicht nur im Employer Branding sondern auch im Alltag zu leben?

Als erstes Handlungsfeld haben wir uns auf die Gleichstellung von Mann und Frau fokussiert. Wir steigern kontinuierlich unseren Anteil an weiblichen Führungskräften auf allen Stufen und lassen unsere Massnahmen und deren Wirksamkeit von EDGE (Economic Dividend for Gender Equality) prüfen und zertifizieren. Wir haben die Personalprozesse wie z.B. Rekrutierung, Entlohnung und Nachfolgeplanung durchleuchtet und optimiert. Zudem fördern wir flexible Arbeitsmodelle für Frauen UND Männer. Wir haben beispielsweise den Vaterschaftsurlaub auf 15 Tage erhöht und Teilzeit auf Probe eingeführt. Jede Stelle ist bei uns auch zu 80% möglich, es muss kein 100% Pensum sein, was wir auch so ausschreiben.

Gleicher Lohn für Mann und Frau: Seit 30 Jahren ist dieser Grundsatz in der Bundesverfassung festgeschrieben. Eine Selbstverständlichkeit, müsste man meinen. Wo steht hier Zurich Insurance?

Für uns ist es mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Unsere Prozesse sind so ausgelegt, dass kein Unterschied zwischen Mann und Frau gemacht werden kann. Innerhalb der EDGE Zertifizierung wurde dies überprüft und von einem unabhängigen Audit bestätigt. Bei Zurich wird gleicher Lohn für gleiche Arbeit bezahlt.

Welche Möglichkeiten sehen Sie für Unternehmen um Lohngleichheit zumindest firmenintern zu erreichen?

Bei Zurich gibt es pro zu besetzender Rolle – unabhängig von der Person, die sich dafür bewirbt – ein Lohnband. Je nach Erfahrungsschatz und Weiterbildungen wird der effektive Lohn für eine Person eher am unteren oder oberen Ende festgelegt. Wir führen zudem regelmässig Lohnanalysen durch und nehmen, wenn nötig, Korrekturen vor.

Haben Sie selbst die bekannte Lohnschere zwischen Mann und Frau auch schon persönlich erlebt?

Ja, wenn man im HR arbeitet, bekommt man dies eher mit. Doch früher habe ich mich nicht getraut, dies anzusprechen. Ich bin davon ausgegangen, dass meine Leistung erkannt und honoriert wird. Was im Nachhinein dann auch geschah. Heute würde ich ein direktes Gespräch suchen.

Stehen sich die Frauen beim Thema Lohn selbst im Weg? Stimmt es, dass Frauen ihren Lohn oft gar nicht erst verhandeln oder deutlich weniger fordern als vergleichbare männliche Kandidaten?

Es gibt Frauen, die haben überhaupt kein Problem, ihren Lohn zu verhandeln. Aber es ist tatsächlich so, dass Frauen tendenziell weniger fordernd sind in Lohngesprächen. Darum ist es wichtig, dass die Festlegung eines Lohns für eine Rolle mit möglichst klaren Vorgaben geschieht und nicht allein auf Verhandlungsbasis stattfindet.

Welche Tipps können Sie Bewerberinnen mit auf den Weg geben um einen fairen Lohn zu erhalten oder gekonnt den Lohn zu verhandeln?

Gute Vorbereitung ist das A und O. Was wird bezahlt in der Branche für die Tätigkeit? Welche Argumente (Erfahrung, Know-How, Weiterbildung) habe ich für die Verteidigung meiner Lohnforderung?

Anna Hadorn
Ein Artikel von Anna Hadorn

Anna sorgt für frischen Content auf den XING Kanälen. In ihrer Freizeit liebt es die schweizerisch-deutsche Doppelbürgerin gemütlich zuhause mit einem guten Buch zu entspannen oder schwungvoll über die Salsa-Tanzfläche zu wirbeln.