Personalsuche im Öffentlichen Dienst

Diese Chancen bietet Corona für den Fachkräftemangel im Öffentlichen Dienst

Diese Chancen bietet Corona für den Fachkräftemangel im Öffentlichen Dienst

Der Fachkräftemangel im Öffentlichen Dienst ist groß, doch ausgerechnet durch die  Corona-Pandemie bieten sich unverhoffte Chancen. Der Branchenreport von XING E-Recruiting verrät Ihnen, was jetzt im Recruiting zählt … und vieles mehr.

Mitten in der Corona-Pandemie sehnen sich die Menschen nach Sicherheit – das gilt auch für den Job. Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Trendence finden 24 Prozent der Befragten den Öffentlichen Dienst als Arbeitgeber attraktiver als vor der Pandemie. Unter den Akademikern sind es sogar 31 Prozent.

Dieser Trend ist ein wahrer Segen für den Öffentlichen Dienst, der in Deutschland, Österreich und teilweise auch in der Schweiz bereits heute unter einem starken Fachkräftemangel leidet und einem noch deutlich stärkeren entgegenblickt.

Der jüngst von XING E-Recruiting veröffentlichte Branchenreport fasst diese und viele andere relevante Daten zum Recruiting im Öffentlichen Dienst zusammen. Darüber hinaus wurden rund 1000 Deutsche im Alter von 18 bis 45 Jahren anhand unterschiedlicher Kriterien befragt, welches Bild sie vom Öffentlichen Dienst haben.

Faktor Fachkräftemangel in Deutschland

In Deutschland waren laut Branchenreport im Jahr 2019 rund 4,9 Millionen Beschäftigte und damit mehr als jeder zehnte Arbeitnehmer bei Deutschlands größtem Arbeitgeber tätig. Die Einsatzbereiche sind vielfältig – allein im Bereich der Finanzverwaltung und  -wirtschaft arbeiten allein fast 200.000 Mitarbeiter. Insgesamt verteilen sich die Beschäftigten jeweils zur Hälfte auf den Bund zusammen mit den Kommunen und der Sozialversicherung sowie auf die Länder.

Der Fachkräftemangel ist dabei immens: Schon heute fehlen im Öffentlichen Dienst rund 300.000 Beschäftigte – im Jahr 2030 werden es schätzungsweise 800.000 sein. Diese verteilen sich auf folgende Berufsgruppen:

  • 176.540 Stellen werden Bereich Lehrende Berufe unbesetzt bleiben
  • 60.400 nicht akademische betriebswirtschaftliche und kaufmännische Fach- und Verwaltungsfachkräfte werden fehlen
  • 52.000 nicht akademische juristische, sozialpflegerische, kulturelle und verwandte Fachkräfte werden dringend benötigt
  • 15.190 Juristen, Sozialwissenschaftler werden zusammen mit den Fachkräften aus den Kulturberufen fehlen
  • 4.050 Betriebswirte und vergleichbare akademische Stellen bleiben unbesetzt

Demographischer Wandel als Ursache

Die Gründe dafür liegen im hohen Altersdurchschnitt der Beschäftigten und den geburtenschwächeren Jahrgängen, die nun nachrücken. Aktuell ist mehr als jeder vierte Beschäftigte im Öffentlichen Dienst älter als 55 Jahre – bezogen auf alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist es nur jeder Fünfte.

Davon arbeiten 30 Prozent in der Finanzverwaltung, 31 Prozent in der Politischen Führung und zentralen Verwaltung, 36 Prozent in der Finanzwirtschaft und sogar 39 Prozent im Verkehrs- und Nachrichtenwesen.

Schätzungen gehen entsprechend davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren ca. 27 Prozent und in den nächsten 20 Jahren sogar 54 Prozent der Beschäftigten altersbedingt aus dem Dienst scheiden. Bei den Bundesbeamten werden in den nächsten 20 Jahren sogar 60 Prozent ihren Ruhestand antreten.

Der Öffentliche Dienst in der DACH-Region
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Der Fachkräftemangel in Österreich

Ein ähnliches Bild zeigt der Blick nach Österreich. Dort arbeiten 780.000 Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst. Dabei wird davon ausgegangen, dass in den nächsten 12 Jahren die Hälfte der Beschäftigten altersbedingt aus dem Dienst austreten wird. Und weil fast jeder dritte Beschäftigte Akademiker ist, ist der Bedarf an Hochschulabsolventen zukünftig besonders hoch.

Fachkräftemangel in der Schweiz nicht so stark

Einzig die Schweiz steht im Ländervergleich der DACH-Gruppe gut da. Seit einem Volksentscheid im Jahr 2000 wurde das Beamtentum insgesamt stark reduziert, sodass im Vergleich mit den anderen beiden Ländern weniger Beamte für den Staat arbeiten. Gleichzeitig wird in der Schweiz damit gerechnet, dass bis 2045 die Beschäftigtenzahl sogar weiter steigen soll.

Ganz frei vom „War of Talents“ ist das Land aber nicht: Gerade technische Fachkräfte und Ingenieure sind gefragt und auch in den Bereichen Unterricht / Bildung sowie im Management ist der Bedarf an qualifizierten Kräften groß.

Mit diesen Argumenten gewinnen Sie neue Fachkräfte

Deshalb ist es unabdingbar, dass alle drei Länder das gestiegene Interesse junger Nachwuchskräfte an den Jobs im Öffentlichen Dienst zu nutzen wissen. Das würde am besten funktionieren, indem sich der Öffentliche Dienst als attraktiver und moderner Arbeitgeber positioniert und gerade junge Menschen zeitgemäß anspricht und anwirbt. – doch genau in dieser Außendarstellung liegen die Probleme: So finden nämlich 85 Prozent der Arbeitnehmer, dass der Öffentliche Dienst nicht genug auf sich aufmerksam macht. Beachtenswerte 77 Prozent möchten mehr über den Öffentlichen Dienst als Arbeitgeber erfahren, unter den Akademikern sind es sogar 80 Prozent.

Dabei punkten Sie bei potenziellen Kandidaten am stärksten, wenn Sie sich gegenüber der privatwirtschaftlichen Konkurrenz deutlich positionieren:

  1. Argumentieren Sie gezielt gegen die Vorurteile gegenüber dem Öffentlichen Dienst
    Arbeitszeitmodelle sind unflexibel, der Arbeitsalltag immer gleich? Diese Vorurteile halten sich hartnäckig. Erzählen Sie Bewerbern daher gezielt, was Sie anders machen und was die Kandidaten bei Ihnen erwarten dürfen. Wichtig: Halten Sie Ihre Versprechen auch!

     
  2. Präsentieren Sie sich dem Nachwuchs als moderner Arbeitgeber
    Gerade junge Menschen wissen häufig gar nicht, wie vielfältig der Öffentliche Dienst ist. Gewinnen Sie Schüler und Studierende für Praktika und als Werkstudenten, damit sie erleben können, wie attraktiv der Arbeitsalltag sein kann.
     
  3. Punkten Sie mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie
    Ein großer Vorteil des Öffentlichen Dienstes ist, dass Arbeitnehmer Beruf und Privatleben gut miteinander in Einklang bringen können. Setzen Sie auf diesen Punkt und kommunizieren Sie ihn aktiv. Auch auf diese Weise etablieren Sie sich als attraktiver Arbeitgeber.

​​​​​Viele weitere Informationen zu dem Thema Recruiting im Öffentlichen Dienst finden sie im Branchenreport von XING E-Recruiting.

Der Öffentliche Dienst in der DACH-Region
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Ein Artikel von Birte Schmidt

Birte berichtet freiberuflich für den Blog von XING E-Recruiting über Trends und Neuigkeiten aus dem HR-Bereich.