Geheime Vorurteile

Warum Sie sich im Vorstellungsgespräch für den Falschen entscheiden

Geheime Vorurteile im Bewerbergespräch

Die meisten Personaler behaupten, Bewerber nach objektiven Kriterien zu beurteilen. Doch das stimmt schlichtweg nicht. Auch sie lassen sich von ersten Eindrücken und Vorurteilen täuschen.

Wir alle müssen täglich hunderte Entscheidungen treffen. Unser Gehirn ist deshalb auf Vereinfachungen angewiesen. Im Laufe unseres Lebens sammeln wir Stereotype, Denkmuster und Schemata, auf die unser Gehirn in bestimmten Situationen zurückgreift – das klassische Schubladendenken. Das Problem daran ist: Wir sind uns dieser Filter, die unsere Umwelt bewerten, gar nicht bewusst. Das sorgt, gerade im Umgang mit unseren Mitmenschen, zu Fehlurteilen. Und als Personalverantwortlicher kann Sie das richtig gute Kandidaten kosten. Beispiele gefällig?

Die Macht des ersten Augenblicks

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance: Tatsächlich haben zahlreiche Studien herausgefunden, dass der erste Augenblick zwischen zwei Menschen so prägend ist, dass wir noch lange an ihm festhalten, auch wenn unser Gegenüber längst gegenteilige Signale sendet. Für den Personaler bedeutet das, dass er innerhalb von wenigen Sekunden entscheidet, ob er einem Kandidaten den Job gibt. Im Laufe des Gesprächs sucht sein Gehirn immer wieder nach Anhaltspunkten, die diesen ersten Eindruck bestätigen. Der Rest wird einfach ausgeblendet.

Das Glück des Ersten und Letzen

Nicht nur der erste Augenblick bleibt uns gut in Erinnerung: Auch an den ersten und letzten Kandidaten erinnern wir uns ganz besonders. Sandwich-Kandidaten gehen hingegen in der Masse einfach unter.

Der Halo-Effekt

Oft lassen sich Personaler nicht nur sprichwörtlich blenden. Genau wie das helle Licht des Heiligenscheins (englisch: Halo) alles andere überstrahlt, wirkt dann eine einzelne Eigenschaft des Gegenübers so dominant, dass sie den Gesamteindruck verfälscht. Unzählige Studien haben belegt, dass Recruiter unbewusst vom Körpergewicht, der Haarfarbe (denken Sie mal an die Blondinen-Witze) oder dem Tragen einer Brille Rückschlüsse unter anderem auf die Intelligenz und die Führungsqualitäten ableiten.

Der Ähnlichkeitseffekt

Menschen, die uns ähnlich sind, finden wir auf Anhieb sympathischer. Das kann ein gleicher Geburtsort, die gleiche Uni oder das gleiche Hobby sein. Einen solchen Bewerber bewertet der Personaler sehr wahrscheinlich besser als einen anderen, der objektiv die gleiche Qualifikation hat. Auch, weil er glaubt, dass dieser besser ins Unternehmen passt.

Die selbsterfüllende Prophezeiung

Wussten Sie, dass die Macht des Unterbewussten sogar so weit gehen kann, dass der Interviewer den Bewerber zu einem Ergebnis beeinflusst? Hat er beispielsweise beim Lesen des Lebenslaufes oder seiner Recherche über den Kandidaten im Internet ein bestimmtes Bild gewonnen, wird er in einem Vorstellungsgespräch alles tun, um dieses positive oder negative Urteil zu bestätigen.

Wer einmal erfolgreich war…

...der bleibt es auch. Das jedenfalls ist die Annahme der meisten Personaler. Bewerbern, die bereits befördert wurden, trauen sie beispielsweise mehr zu als jungen Berufseinsteigern. Die tatsächliche Qualifikation spielt dabei keine Rolle.

Und was kann man dagegen tun? Das eigene Denken reflektieren! Denn Schubladendenken macht es einfach, Entscheidungen zu treffen. Diese sind aber oft bei weitem nicht so gut wie jene, die ganz bewusst getroffen werden. Bewusste Entscheidungen sind daher anstrengender als unbewusste – verhindern aber auch Fehlentscheidungen.

Ein Artikel von Birte Schmidt

Birte berichtet freiberuflich für den Blog von XING E-Recruiting über Trends und Neuigkeiten aus dem HR-Bereich.