Robert, der Recruiter:

Unheimliche Dinge, die passieren, wenn ich andere Recruiter interviewe

Bestimmt kennen Sie die Science-Fiction-Trilogie „Zurück in die Zukunft“. Sie wissen schon, die Komödie mit dem jungen Michael J. Fox, der mit einem umgebauten Auto durch die Zeitgeschichte reist. Sein Mentor, der zerstreute Erfinder Doc Brown, trichtert seinem Zögling dabei stets ein, dass er sich auf den Zeitreisen partout vom eigenen jüngeren und älteren Ich fernhalten soll. Denn solch eine Begegnung könne ein Zeitparadoxon hervorrufen, das zu einer Kettenreaktion führe, welche die eigene Existenz, wenn nicht gar das gesamte Universum, zerstören werde.

Wissen Sie, wann ich dieses Gefühl erlebe? Jedes Mal, wenn mich die Aufgabe ereilt, andere Recruiter einzustellen. Dann habe ich im Bewerbungsgespräch das leicht beklemmende Gefühl, dass mir der Kandidat nicht nur einfach gegenübersitzt, sondern in meinem Kopf ist – schließlich weiß sie oder er genau, worauf ich mit meinen Fragen hinaus möchte, wie ich versuche, Stärken, Schwächen herauszufinden. Das ist einerseits super, denn das bestätigt mir, dass ich die richtige Person zum Gespräch eingeladen habe. Andererseits fühlen sich solche Situationen schlichtweg seltsam an. Paradox halt. Doc Brown lässt grüßen.

„Robert, das hast du ganz schön verkackt“

Im ersten Teil meiner Kolumne hatte ich Ihnen ja bereits erzählt, wie ich Personaler wurde. Ich hatte Ihnen allerdings nicht erzählt, wie ich zu XING kam. Das lief so: Auf dem XING Stellenmarkt (ja, das ist Werbung) hatte ich den Job entdeckt. Wie cool, dachte ich – als Recruiter bei einem Unternehmen zu arbeiten, das für Recruiter Recruiting-Lösungen baut. Mehr Recruiting geht definitiv nicht! Ich schrieb Xenia, unsere VP HR, via XING eine Nachricht und schlug ein Lunch vor. Das macht man als Personalberater so. Wie ich heute weiß, ist Xenia eine äußerst zielgerichtete Person. Statt Lunch gab es daher direkt ein Telefoninterview. Das Resultat: Das vermutlich anstrengendste Telefoninterview meines Lebens. Mein Fazit: Robert, das hast du ganz schön verkackt. Aber sowas von! Ich hakte es ab und sagte mir, dass ich von Xenias Gesprächsführung nur lernen konnte, denn so will ich auch mal jemanden interviewen.

Robert Neuhann

Im Zweifel geht es für Robert, den Recruiter, immer aufwärts

Aber das XING Recruiting wollte mich doch. Ich musste etwas richtig gemacht haben. Es folgten weitere Runden mit Xenia und Mareike (unserem Director Recruiting & Employer Branding) und auch das Team durfte mich kennenlernen. Diese Runde ging übrigens daneben – heute kann ich die Gründe nachvollziehen: Ich war zu sehr Personaler, zu wenig Mensch. Glattgebügelt, immer mit der – wie ich dachte - optimalen Antwort. Glücklicherweise hat Mareike sich trotzdem für mich entschieden und so begann mein Weg bei XING.

Diese Erfahrung hat mir sehr geholfen in Bewerbungsgesprächen, insbesondere, wenn es um die Einstellung anderer Recruiter geht. In solchen Gesprächen spielt sich immer viel ab. Zum einen lerne ich selbst natürlich unheimlich viel Fachliches. Wichtig ist mir der Dreiklang aus Kognition, Motivation und Empathie und Reflexionsfähigkeit. Okay, das sind vier Punkte – aber Dreiklang klingt doch viel schöner. Gleichzeitig mache ich mir als Team Lead natürlich Gedanken darüber, wie gut jemand im Team und in der Organisation andocken kann. XING ist schließlich – wie ich selbst lernen durfte – ein Unternehmen, in dem die Beziehungsebene eine große Rolle spielt. Kommunikation ist also unabdingbar – und das natürlich in Kombination mit einer gehörigen Portion Analytik und Datenaffinität.

Wir als Recruiter tragen Verantwortung für den Unternehmenserfolg – und das wird hier bei uns auch so gelebt. Die richtigen Menschen zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Das macht XING aus. Das war durchaus ein Druck, der mir am Anfang zu schaffen gemacht hat. Schließlich hing die Realisierung neuer Produkte und Features teilweise von mir als Personaler ab: Ohne Produktmanager oder Engineers steht das von langer Hand geplante Produkt auf der Kippe.

Wie unterschiedlich unsere Zielgruppen ticken

Apropos Produkt. Jetzt habe ich genug über mich selbst erzählt und wie Recruiter sich in Bewerbungsgesprächen verhalten. Wir sind bei XING ja ständig auf der Suche nach Entwicklern, nach Design-Spezialisten etc., denn wir machen fast alles hier bei uns im Haus. Wie unterschiedlich man auf diese verschiedenen Zielgruppen eingehen muss – von der Ansprache über die Bewerbungsphase bis zur Einstellung – erzähle ich Ihnen nächstes Mal.

Bis dahin: Genießen Sie den aufkeimenden Frühling!


Anmerkung der Redaktion: Dies ist der dritte Teil unserer Kolumne „Robert, der Recruiter“. Hier berichtet unser HR-Kollege über die besonderen Seiten seines beruflichen Alltags. Den ersten Teil finden Sie übrigens hier und den zweiten hier.

Ein Artikel von Robert Neuhann

Robert ist Team Lead Recruiting, nach vielen Jahren in der Personalberatung ist er 2015 als Experte für Active Sourcing bei XING gestartet. Auf unserem Blog berichtet er regelmäßig über Alltägliches und Besonderes aus der Welt des Recruitings.