Interview

7 Fragen an den neuen XING Schweiz Geschäftsführer

Robert Bertschinger

Der neue XING Schweiz Geschäftsführer Robert Bertschinger erklärt im Interview, wie er das volle Potenzial der New Work SE in der Schweiz noch stärker nutzen will, wo die grössten Herausforderungen für lokale Arbeitgeber liegen und wie sich die fehlende Spezialisierung im HR auf die Mitarbeitergewinnung in der Schweiz auswirkt.

Worauf freust du dich als neuer Schweizer Geschäftsführer besonders?

Robert: Ich freue mich riesig darauf, Teil eines bestehenden, eingespielten Teams zu werden, das wichtige Erfolge feiern durfte. Eine unserer Stärken liegt darin, dass wir mit unseren hervorragenden Marktkenntnissen hier in der Schweiz lokal agieren und dennoch auf die Stärke eines börsennotierten Unternehmens zurückgreifen können.

Was sind die aktuell grössten Herausforderungen für Arbeitgeber in der Schweiz?

Robert: Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran und verändert unsere Welt im Eiltempo. Parallel bringt der durch die Millennials angestossene Wandel der Arbeitskultur eine zusätzliche Komplexität mit ins Spiel. Gelingt Unternehmen die aktive Auseinandersetzung mit diesen Themen, so bietet sich die einmalige Möglichkeit sich nicht nur einfach am Arbeitsmarkt besser zu behaupten, sondern auch diejenigen Mitarbeiter zu gewinnen, die am besten zum Unternehmen passen.

Wie viele Kontakte hast Du auf XING und wie nutzt Du die Plattform selbst?

Robert: Aktuell habe ich rund 1.800 Kontakte auf XING. Die meisten Kontakte entstanden im geschäftlichen Kontext, aber ich kenne beinahe alle persönlich. XING erlaubt es mir, mich mit meinen Kontakten auszutauschen und somit auf dem neusten Stand zu bleiben. Mit dem breiten News-Angebot aus Politik, Wirtschaft und Technologie bleibe ich ausserdem über die wichtigsten Ereignisse informiert. Ich nutze XING auch dazu, spannende Persönlichkeiten bei Veranstaltungen kennenzulernen und mich von Fachreferaten inspirieren zu lassen. Eine Möglichkeit, die ich gerade in meiner jetzigen Funktion nicht missen möchte.

Welche Tipps hast Du für Unternehmen, die Fachkräfte suchen?

Robert: Noch viele Unternehmen pflegen bei der Rekrutierung die Gewohnheit, sich alleine auf die Publizierung von Stelleninseraten auf einer Jobplattform zu verlassen. Dieses sogenannte "Post & Pray" zeigt sich gerade bei der Suche nach qualifizierten Fachkräften oft als ineffektiv. Es sind also andere Methoden und Werkzeuge gefragt und in einer digitalisierten Welt kann ich nur dazu raten, die Rekrutierungsstrategie entsprechend anzupassen. Dazu gehören für mich neben dem Aufbau eines positiven und sympathischen Arbeitgeberimage die proaktive Ansprache von Kandidaten sowie die Aktivierung von passiv Stellensuchenden. Auch die Einbindung von Social Media darf nicht fehlen.

Was hat dich seit deinem Start bei XING überrascht?

Robert: Zunächst einmal bin ich sehr von der Unternehmenskultur der New Work SE beeindruckt und dies, obschon ich bei mehreren ausgezeichneten Arbeitgebern sowie tollen Jungunternehmen tätig sein durfte. In der Schweiz haben deutsche Unternehmen oft den Ruf, stärker hierarchisch zu sein. Dies ist bei XING nicht der Fall. Darüber hinaus schätze ich die Flexibilität und Offenheit gegenüber Mitarbeitern unterschiedlicher Art, Herkunft sowie deren Bedürfnissen. So ist es beispielsweise kein Problem den Hund auch an einem grösseren Standort mit ins Büro zu nehmen oder es gibt zahlreiche Mitarbeiter, die im Teilzeitmodell arbeiten und dadurch auch Weiterbildung, Hobbies und/oder Familie viel einfacher unter einen Hut bringen. Am wöchentlichen Company Meeting nehmen alle Standorte per Videokonferenz teil. Bei dieser Gelegenheit wird immer auf die Anliegen der Mitarbeiter – positiv als auch negativ – eingegangen und ein Stimmungsbarometer erhoben. Ich glaube, das ist eine sehr fortschrittliche Kultur, die intrinsisch motiviert und alles andere als selbstverständlich ist.

Wohin geht die Reise für XING in der Schweiz?

Robert: Wir werden künftig das Potential der New Work Gruppe noch viel stärker nutzen. In Zukunft wird mit Honeypot ein weiteres Tochterunternehmen der New Work SE in der Schweiz Fuss fassen. Das Zusammenspiel mit Angeboten wie Honeypot wird uns zukünftig zusätzlich helfen unsere Ideen für eine erfüllendere Arbeitswelt voranzutreiben. Wir möchten uns als Thought Leader für New Work in der Schweiz positionieren und uns aktiv für New Work Initiativen engagieren, indem wir Arbeitgeber mit unseren Ideen begeistern.

Was zeichnet die Schweiz in punkto Mitarbeitergewinnung aus?

Robert: In der Schweiz verlässt man sich sehr stark auf Personalvermittler und -berater, was auf die fehlende Spezialisierung vieler HR-Abteilungen in der Personalgewinnung zurückzuführen ist. Hierzulande ist es typisch, dass die Rekrutierung von Spezialisten oder Vakanzen, die nicht einfach über Stellenanzeigen besetzt werden können, an extern vergeben wird. Auch legt man in der Schweiz weniger Wert auf Mitarbeiterempfehlungsprogramme. Diese Faktoren gemeinsam mit der bereits erwähnten „Post & Pray“-Haltung machen die Mitarbeitergewinnung schwierig und ausgesprochen teuer. Wenn wir es schaffen, Unternehmen mit einer Vorselektion an geeigneten Kandidaten zu versorgen, dann können wir ein grosses Bedürfnis des Marktes decken.

Anna Hadorn
Ein Artikel von Anna Hadorn

Anna sorgt für frischen Content auf den XING Kanälen. In ihrer Freizeit liebt es die schweizerisch-deutsche Doppelbürgerin gemütlich zuhause mit einem guten Buch zu entspannen oder schwungvoll über die Salsa-Tanzfläche zu wirbeln.