Digital Female Leadership und Gemüsekerbl – Ja, das passt zusammen!

Theresa Imre erzählt von ihrer Mission mit markta und der männerdominanten Start-Up Welt

Theresa Imre erzählt von ihrer Mission mit markta und der Männerdominanten Start-Up Welt

Theresa Imre ist Inhaberin und Geschäftsführerin von markta.at, einem digitalen Bauernmarkt, welcher regionale Produzent·innen mit regionalen Konsument·innen verbindet und den Käufer·innen ein reiches Sortiment an hochwertigen Produkten auf den Tisch bringt. Theresa Imre gründete das Unternehmen vor vier Jahren aus einem Foodblog heraus – ihre Intention:  lokalen Kleinbauern helfen und die Themen Nachhaltigkeit und Lebensmittelherkunft in der Gesellschaft adressieren.

Im Dezember 2020 wurde Theresa Imre mit dem Look Woman of the Year-Award 2020 in der Kategorie „female digital business“ ausgezeichnet. Dieser Award ehrt österreichische Frauen für herausragende Leistungen. Kristina Knezevic, Country Managerin XING Österreich, durfte den Preis in der Kategorie „female digital business“ übergeben und wollte mehr von Theresa Imre erfahren:  

Kristina Knezevic: Herzlichen Glückwünsch vorab zu dieser tollen Auszeichnung! Was bedeutet der Look Woman of the Year-Award 2020 in der Kategorie „female digital business“ für dich? Hattest du damit gerechnet?

Theresa Imre: Ich hatte gar nicht damit gerechnet, daher war es eine schöne Überraschung für mich. Dieser Award hat eine irrsinnig große Resonanz ausgelöst. Ich war berührt, wer mir alles zum Preis gratuliert hatte. Für mich geht es auch vor allem darum, die Sichtbarkeit von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen, denn selbst 2021 fehlt dies noch immer. Vor allem in der Start-Up Welt, die sehr digital und Männer dominiert ist, finde ich es wichtig, dass Frauen Aufmerksamkeit bekommen und daher schön, dass XING diese Auszeichnung „female digital business“ unterstützt!

Kristina Knezevic: Was bringt diese Ehrung für dein Unternehmen?

Theresa Imre: Auch für markta ist dies natürlich tolle Publicity und Reichweite. Solche Awards zeigen immer schön, was alles hinter so einem Projekt steckt. Nämlich ganz viel Herzblut und Verständnis fürs Detail. Diese Anerkennung hilft mir, in z.B. Interviews mehr über markta der Gesellschaft zu erklären und gibt uns natürlich eine tolle Bühne für weitere Entwicklungsphasen, Investorengespräche und vieles mehr.

Kristina Knezevic: Was ist das Konzept hinter markta.at, Eure Gründungs-Idee? Und wie kam es zu dieser Idee?

Theresa Imre: Wir sind ein digitaler Bauernmarkt und unser Vorhaben ist es, die guten Lebensmittel vom Land mit der Stadt und der urbanen Nachfrage zu verbinden. Gerade in den Städten wird Zugang zu lokalen Produkten immer schwerer. Hingegen der Veränderung in unserem Bewusstsein hin zu nachhaltigem Konsum, ist unser Kaufverhalten noch immer sehr Komfort getrieben. Wir wissen nicht wo die Nahrungsmittel der Supermärkte produziert werden. Bei markta geht’s darum komplette Authentizität und Transparenz zu zeigen und das Produkt wirklich auf Bauernhof XY zurück verfolgbar zu machen! Hinter Produkten stehen eben Menschen und Handarbeit und dieses Bewusstsein den Menschen näher zu bringen, ist unsere große Mission. Durch die Globalisierung hat sich unser Lebensmittelmarkt so sehr in eine Konzerngetriebene Industrie-Richtung entwickelt, dass wir Massentierhaltung und Import/ Export nicht mehr wegdenken können. Wir von markta wollen aufzeigen, dass tolle Lebensmittelproduzent·innen vor unserer Nase liegen, bei denen wir nachhaltig einkaufen können und somit einen alternativen Weg anbieten. Markta hat sich zu 100% verpflichtet nur nachhaltige und kompromisslos gute Lebensmittel anzubieten. Dies hebt uns vom reinen online Lebensmittelhandel ab. Wir müssen die regionalen Produzent·innen unterstützen, denn in Österreich schließen täglich 7 Bauernhöfe. Mir geht’s dabei vor allem um einen Systemwandel, den wir mit markta anstreben!

Kristina Knezevic: Was hat sich seit eurem Start verändert?

Theresa Imre: Im März 2018 sind wir mit markta online gegangen. Erst hatten wir nur einen reinen online Marktplatz ohne Logistik. Das heißt die Bauern und Bäuerinnen haben die Lebensmittel selber verschickt. Mit der Zeit haben wir dann gemerkt, dass wir Logistik benötigen, damit wir die Lebensmittel an einem Ort sammeln können, denn die Kund·innen wollten bequem alle Produkte in einer Box gesammelt und am besten schon am nächsten Morgen geliefert. Die urbane Nachfrage ist sehr verwöhnt durch alle online Lieferanbieter. Die Herausforderung von markta ist somit auch die kleinen ländlichen Betriebe zu professionalisieren und den Ansprüchen der Konsument·innen gerecht zu werden. Diesen Spagat zwischen Land und Stadt wollen wir mit markta schließen!

Kristina Knezevic: Gab es für dich, als junge Frau, Herausforderungen bei der Gründung des Unternehmens?

Theresa Imre: Ja, leider schon. Man kann es sicher nicht generalisieren. Aber ich glaube trotzdem, wir Frauen haben einerseits einen Vorteil: man hat als Frau vielmehr die Möglichkeit die Bühne an sich zu reißen, weil es so wenig gibt und die Medien oder Events händeringend nach Frauen suchen. Gleichzeitig merke ich schon, dass Gründen eine stark Männergeprägte Welt ist, wobei mir Männer oft erklären wollen, wie ich mein Business zu führen habe. Dass eine Frau einem Mann erklärt, wie er seine Geschäfte zu tun hat, kommt eher weniger vor, denke ich… Man wird als Frau also nicht als gleichgestellte Gesprächspartnerin auf Augenhöhe behandelt. Daher glaube ich, dass wir Frauen auf jeden Fall für unsere Rolle und besonders die Führungsrolle kämpfen müssen.

Kristina Knezevic: Die Corona-Krise hat viele Gesichter: Es gibt sehr viele Unternehmen, die derzeit ums Überleben kämpfen, in anderen Bereichen wurde Österreich quasi über Nacht digitalisiert. Wie sehr seid ihr von der Krise betroffen?

Theresa Imre: Ja, markta hat seine Bestellungen im Corona-Jahr verzwanzigfacht im Vergleich zum Vorjahr 2019. Wir haben mit dem Lockdown betonen können, wie wichtig es ist, lokale Unternehmen und Familienbetriebe zu unterstützen. Natürlich hat sich auch das Einkaufsverhalten in Richtung online Einkauf stark verändert, da wir vermehrt Zuhause bleiben. Unser Vorteil war zudem, dass wir unseren Betrieben die Existenz nicht nur sichern, sondern auch ihren Umsatz durch den online Verkauf vervielfachen konnten. Es war motivierender für Betriebe auf markta und den lokalen Onlinehandel zu setzen. Somit hat sich auch die Beziehung zu unseren Produzent·innen gefestigt und gestärkt. Es hatten sich auf einmal neue Möglichkeiten aufgetan, die Lieferungen zu optimieren, da unter den Produzent·innen eine Art Netzwerk-Denken eingesetzt hatte. Einige Dinge wurden in der Krisenzeit anders und solidarischer organisiert.

Kristina Knezevic: Was habt ihr euch für dieses Jahr vorgenommen?

Theresa Imre: Unsere Grundmission und -Idee stimmt und ist fest im Team verankert. Allerdings müssen wir dennoch noch einiges dazulernen. Nun geht es also darum, zu überlegen, wie erreichen wir unsere Kund·innen besser, wie können wir den Service steigern, wie das Produktsortiment ausbauen? Zudem wollen wir in Zukunft unsere Lieferzeiten kürzen und individuelle Produkt-Abos anbieten. Wichtig ist uns auch, sobald es Corona zulässt, unsere Offline Aktivitäten wieder aufzugreifen, indem wir auf Bauernmärkten mit unseren Produzent·innen vertreten sind. Markta ist ein gesamtheitliches System, somit muss alles stimmig sein und der Gesamtplan passen.

Wir haben für 2021 somit genügend vor!

Gundula Rauch ist Werkstudentin im Account Management bei XING E-Recruiting in Wien.
Ein Artikel von Gundula Rauch

Gundula ist Werkstudentin im Account Management bei XING E-Recruiting in Wien. An der Universität Wien studiert sie im Master Arbeits- und Organisations-Psychologie.