Das HR der Zukunft

Haben die Personalabteilungen ausgedient?

Anfang März drehte sich an der New Work Experience in Hamburg alles um die Zukunft der Arbeit. Mittendrin diskutierte Andri Rüesch (Swisscom) mit Judith Klups (Zukunft-Agenten) und Jannis Tsalikis (Vice Media) die Frage „Brauchen wir noch Personalabteilungen?“. Die fast schon ketzerische Frage führte zu angeregten Diskussionen. Wir konnten Andri Rüesch im Anschluss einige Fragen stellen. Er ist Leiter des Teams Sourcing, Skills & Talent bei Swisscom.

Andri Rüesch, auf welche Aufgaben sollte das HR Ihrer Meinung nach zukünftig fokussieren und welche Aufgaben können digitalisiert oder verlagert werden?

Das HR der Zukunft sehe ich als strategischen Partner für das Business. Wir werden uns mit Fragen befassen wie „Welche Fachkräfte brauchen wir in Zukunft?“ oder „Wo bestehen Lücken und wie können wir diese Lücken schliessen?“. Auch werden wir uns künftig noch intensiver mit der Kulturentwicklung eines Unternehmens befassen und unsere HR-Strukturen an diese Entwicklungen anpassen. Operative Aufgaben wie das Schreiben von Zeugnissen oder das Vertragsmanagement werden aus meiner Sicht zunehmend automatisiert und digitalisiert.

Haben die Personalabteilungen ausgedient?

Andri Rüesch (rechts) während seines Panels auf der New Work Experience 2018

Welche Veränderung konnten Sie bei Ihnen im Personalwesen in den letzten Jahren feststellen?

Das Führungsverständnis hat sich verändert: Führungskräfte übernehmen mehr Verantwortung und damit auch bestimmte Aufgaben, die früher bei HR angesiedelt waren. So ist zum Beispiel HR nicht mehr automatisch bei Interviews mit Kandidaten dabei. Wir verstehen uns je länger je mehr als strategischer Partner und konzentrieren uns auf jene Aufgaben, die den grössten Mehrwert für das Unternehmen schaffen. Zudem setzen wir immer stärker auf Agilität. So haben wir beispielsweise die jährlichen Mitarbeiterumfragen abgelöst, mit denen wir eher statisch den "Gesundheitscheck" unserer Organisation gemacht haben. Neu geben unsere Mitarbeitenden mehrmals pro Jahr Rückmeldungen zu ihrer Arbeitssituation. So können wir den Puls des Unternehmens besser messen. Insgesamt sind wir heute mit unseren Mitarbeitenden stärker im Austausch zu individuellen Beiträgen, Leistungen und Entwicklungspotential. Der Prozess wird von beiden Seiten angestossen und ist auch nicht mehr nach einem Jahr abgeschlossen.

Mit welchen Herausforderungen kämpfen Sie derzeit in der Rekrutierung?

Wie viele andere rekrutieren wir neue Mitarbeitende erst wenn Bedarf besteht anstatt vorausschauend Pools und Pipelines aufzubauen. Doch wir sind auf gutem Weg und erste Veränderungen sind bereits im Gange.

Wie leben Sie selbst New Work?

Mein Arbeitsalltag hat sich über die letzten Jahre in vielerlei Hinsicht verändert. So habe ich keinen festen Arbeitsplatz mehr und auch keine festen Arbeitszeiten. Für die berufliche Kommunikation nutze ich immer mehr niederschwellige Kanäle wie Messenger, Slack und Co. Auch agile Arbeitsmodelle sind bei uns Realität. Ab Sommer arbeite ich mit anderen HR-Spezialisten in einem agilen Pool, der sich in bereichsbezogene Squads und themenbezogene Chapters gliedert. Das wird sicher eine spannende Erfahrung!

Ein Artikel von Yvonne Miller

Yvonne schreibt und netzwerkt für XING aus unserem Office in Zürich. Nebenbei ist sie Dozentin für Social Media, besteigt die Alpen auf der Suche nach dem schönsten Bergsee und liebt guten Kaffee.