Interview

Was die Zukunft von Mitarbeitern und Arbeitgebern sichern kann

Christian Lundsgaard-Hansen

"Man hat nie ausgelernt.” Unter diesem Motto haben wir uns mit Christian Lundsgaard-Hansen, Gründer der Agentur Sparkr, über lebenslanges Lernen unterhalten. Er hat u. a. zusammen mit dem Verein digitalswitzerland und dem Schweizerischen Arbeitgeberverband die nationale Kampagne #LifelongLearning zum Leben erweckt. In seinem eigenen Podcast interviewt Christian zudem regelmässig inspirierende Persönlichkeiten zu zukunftsrelevanten Themen.

Lifelong Learning, ein Buzzword, das in letzter Zeit überall auftaucht. Was bedeutet Lifelong Learning aus deiner ganz persönlichen Sicht?

Christian: Lebenslanges Lernen ist eine essentielle und gesunde Geisteshaltung für alle – insbesondere aber auch für uns als Arbeitnehmer und Arbeitgeber. So können wir die Chancen der Zukunft nutzen. Und es ist auch eine spannende Haltung, um ganz generell damit durchs Leben zu gehen. Lebenslanges Lernen ist die Chance, heute und in Zukunft fit zu bleiben und den Wandel, den die Arbeitswelt mit sich bringt, aktiv mitzugestalten. Wer die Offenheit mitbringt, ein Leben lang zu lernen, steigert seine Wahlmöglichkeiten für die persönliche Karriere. Dies gilt im Übrigen auch für die eigenen Lebensentwürfe.

Lebenslanges Lernen kann in verschiedensten Formen gelebt werden: sei es mit einer zertifizierten Weiterbildung, der praktischen Erfahrung on-the-job oder das Aneignen neuer Fähigkeiten mit einem einfachen YouTube-Tutorial. Noch nie gab es so viele verschiedene Möglichkeiten immer wieder etwas Neues, Spannendes zu lernen. Persönlich denke ich, dass die praktische Erfahrung, die wir Tag für Tag sammeln, an Bedeutung gewinnen wird. Denn die Welt verändert sich in vielen Bereichen schlichtweg zu schnell, als dass die Theorien Schritt halten könnten.

Warum ist Lifelong Learning nun plötzlich so wichtig und in aller Munde?

Christian: Ich setze diese Entwicklung in Zusammenhang mit den zahlreichen gesellschaftlichen Umwälzungen wie der digitalen Transformation oder dem demographischen Wandel. Durch solche Entwicklungen steigt gewissermassen der Druck zur Veränderung und es wird immer wahrscheinlicher, dass man nicht nur einmal eine Ausbildung absolviert resp. nur eine Karriere einschlägt, sondern man zeitlebens in zahlreichen verschiedenen Berufen mit sich schnell verändernden Anforderungsprofilen aktiv sein wird. Durch neue Technologien entstehen immer wieder neue Berufsfelder und das passiert auch immer häufiger und schneller. Die erforderliche Wandelbarkeit verlangt nach neuen Fähigkeiten oder neuem Wissen. Lebenslanges Lernen ist dann das Mindset, mit dem man den Wandel zu seinem Vorteil als Chance nutzen kann. Neugierde ist damit zunehmend der Schlüssel zum Erfolg.

Du arbeitest mit dem Verein digitalswitzerland zusammen, der dieses Thema in der Schweiz ebenfalls vorantreibt. Wie genau packt digitalswitzerland dieses Thema an?

Christian: Digitalswitzerland hat zusammen mit dem Schweizerischen Arbeitgeberverband am dritten Schweizer Digitaltag die nationale online und offline Kampagne #LifelongLearning lanciert. Die Kampagne will in der Schweizer Bevölkerung das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Themas fördern, Arbeitnehmende sowie Arbeitgeber sensibilisieren und aktivieren.

Dafür hat die Kampagne über 100 kurze Lifelong-Learning-Geschichten von Menschen aus der ganzen Schweiz gesammelt und als Videos aufbereitet. Diese Videos sollen jedem Einzelnen Mut machen und inspirieren, ebenfalls in sich zu investieren. Ebenfalls haben im Rahmen der Kampagne über 130 Arbeitgeber ein Versprechen abgegeben, mehr in das lebenslange Lernen zu investieren. Und zum Schluss bietet die Kampagne mit educationdigital.ch auch eine Webplattform, wo über 500 Kurse von zahlreichen Anbietern auffindbar sind. Dort ist es ganz leicht, sich wichtige digitale Fähigkeiten anzueignen.

Was kann jeder Mitarbeitende konkret selber tun um am Ball zu bleiben?

Christian: Alle Mitarbeitenden sollten sich Ziele setzen und Visionen für die eigene Zukunft entwickeln. Lebenslanges Lernen ist dann der Weg, diese Ziele und Visionen Realität werden zu lassen. Mitarbeitende können aus diesen Zielen eine Art Lernplan ableiten und diesen auch mit dem Arbeitgeber besprechen. Jeder Arbeitgeber sollte ein grosses Interesse haben, Mitarbeitende zu fördern und zu fordern.

Mitarbeitende sollten sich zum Beispiel selber Zeitfenster einplanen, in denen Sie in sich investieren anstatt dem Tagesgeschäft nachzurennen. Diese Zeitfenster müssen gegebenenfalls auch eingefordert werden. Neben traditionellen Weiterbildungsmöglichkeiten können Mitarbeitende zum Beispiel bei einem neuen Projekt mit vielen Unbekannten die Herausforderung annehmen anstatt zurückzuschrecken und dabei on-the-job enorm viel lernen. Ich persönlich hatte z.B. vor #LifelongLearning noch nie eine nationale Kampagne mit aufgebaut und habe bei diesem Projekt enorm viel gelernt. Mitarbeitende können sich auch im eigenen Betrieb Mentoren suchen, die Wissen und Erfahrung weitergeben möchten. Dies sind ein paar wenige Möglichkeiten unter vielen.

Wie erkennen Personaler bei einem Bewerber ob dieser offen ist, sich laufend weiterzubilden?

Christian: Ich kann nicht für Personalverantwortliche sprechen. Ich persönlich würde aber bei einem Menschen vielmehr auf die Geisteshaltung, die Neugierde und Kreativität achten als auf Diplome. Wenn ich bei einer Person sehe, dass diese offenbar eigene Grenzen verschieben will und sich zeitlebens immer wieder selber Ziele gesetzt hat anstatt darauf zu warten, dass jemand anderes für sie entscheidet, wäre ich guter Dinge, dass sich diese Person stets weiterentwickeln will und der neuen Arbeitswelt anpassen kann. Von vielen Entscheidungsträgern höre ich immer wieder "hire attitude, not skills" – das ist vielleicht eine gute Zusammenfassung.

Was hast du selber in den letzten Wochen Neues gelernt?

Christian: Ich habe mich für eine neue Podcast-Episode schlau gemacht und viel über Umweltwissenschaften und Klimawandel gelesen und mit ein paar Dokus habe ich auch einiges über die geopolitischen Elemente des Seehandels gelernt. Dann lerne ich jede Woche auch neue Leute kennen, wo ich es extrem geniesse, von deren Erfahrungsschatz profitieren und lernen zu können.

Anna Hadorn
Ein Artikel von Anna Hadorn

Anna sorgt für frischen Content auf den XING Kanälen. In ihrer Freizeit liebt es die schweizerisch-deutsche Doppelbürgerin gemütlich zuhause mit einem guten Buch zu entspannen oder schwungvoll über die Salsa-Tanzfläche zu wirbeln.