Arbeitgeberbewertungen

Wieso Sie immer wissen sollten, was andere über Ihr Unternehmen denken

Wieso Sie immer wissen sollten, was andere über Ihr Unternehmen denken

Noch vor wenigen Jahrzehnten konnten sich Arbeitgeber ihre Angestellten aussuchen und die Einstellungsbedingungen weitgehend diktieren. Doch seitdem die Generation Y mit ihren veränderten Ansprüchen den Arbeitsmarkt betreten hat, die Fachkräfte zur Mangelware geworden sind und die Digitalisierung sowieso alles umwirft, müssen sich Unternehmen warm anziehen. Im Vordergrund steht nun der Arbeitnehmer mit seinen Bedürfnissen nach Work-Life-Balance, Corporate Responsibility und sinnhaften Tätigkeiten. Der ideale Arbeitgeber ist nicht mehr der, der am meisten zahlt, sondern der, mit dem ich mich am besten identifizieren kann. Kein Wunder also, dass Arbeitgeber-Bewertungsplattformen in den letzten Jahren rasant an Beliebtheit gewonnen haben. Hier können – anonym – Lob und Kritik für den Arbeitgeber geteilt und die allgemeinen Arbeitsbedingungen bewertet werden.

4 Millionen Besuche im Monat

Die XING Tochter kununu ist derzeit mit über 2,5 Millionen Bewertungen zu über 650.000 Unternehmen die größte Arbeitgeber-Bewertungsplattform in Europa. Täglich kommen etwa 1.000 neue Bewertungen zu 500 Unternehmen hinzu; ganze 4 Millionen Besuche verzeichnet das Portal im Monat. Diesen Trend, sich über einen (potentiellen) Arbeitgeber zu informieren, hat nun eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom bestätigt: Demzufolge liest inzwischen jeder dritte Berufstätige Arbeitgeber-Bewertungen online, jeder vierte hat den eigenen Arbeitgeber selbst schon bewertet. Besonders relevant sind die Online-Bewertungen demnach für die jüngeren Berufstätigen: In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen hat jeder Zweite schon einmal Arbeitgeberbewertungen gelesen, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 46 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen 39 Prozent.

Bewertungsplattformen fördern Transparenz

Juliane Petrich, Leiterin Bildung bei Bitkom, hat für diese Zahlen eine Erklärung: „Das Empfehlungsmarketing, zu dem Bewertungsplattformen für Hotels, Dienstleistungen und eben auch Arbeitgeber gehören, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Schon immer haben Menschen Erfahrungsberichte miteinander geteilt – die zunehmende Durchdringung unseres Alltags mit digitalen Medien ermöglicht es nun, dies auch online zu tun.“ Zudem füllen Arbeitgeber-Bewertungsplattformen eine Lücke: Konnten Unternehmen früher weitestgehend selbst steuern, welche Informationen im öffentlichen Raum über sie verfügbar waren, ergänzen Arbeitgeber-Bewertungen diese offiziellen Informationen nun und machen jenen Teil transparent, der bis dato schwer zugänglich war.

Auch die Reaktion auf negative Bewertungen ist wichtig

Nicht nur die Beliebtheit, auch der Einfluss der Arbeitgeber-Bewertungsplattformen hat deutlich zugenommen: mehr als 8 von 10 wechselwilligen Interessenten gaben bei der Umfrage an, von einer Online-Bewertung in ihrer Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber beeinflusst worden zu sein. Mehr als die Hälfte habe sich dabei laut Bitkom gegen einen potentiellen neuen Arbeitgeber entschieden. Als Grund wird häufig eine gewisser „Bias“ bei den Bewertungen genannt, weil verärgerte Mitarbeiter eher eine Bewertung abgeben würden als glückliche. Für Johannes Prüller, Director Global Communications & Brand bei kununu, ist die Erklärung jedoch vielschichtiger: „Negative Bewertungen sind eher die Ausnahme und spiegeln oft besondere Situationen einzelner Arbeitgeber wider. Am häufigsten vergeben unsere User 4 Sterne, gefolgt von der Höchstnote 5. Erst dann kommt die 2 und der seltenste Wert ist die 1.“ Zudem zeige die Erfahrung, dass User mehrere Bewertungen lesen würden, um sich aus der Vielzahl an subjektiven Erfahrungsberichten eine Meinung zu bilden. Die Extreme, also besonders negative und besonders positive Bewertungen, würden hingegen eher ausgeblendet. Für ihn steht fest, dass Leser inzwischen nicht nur von den Bewertungen an sich beeinflusst werden, sondern auch von der Reaktion der Unternehmen darauf: „Transparenz und Authentizität sind für Unternehmen zu wesentlichen Erfolgsfaktoren im Kampf um die besten Talente geworden. Dazu gehört auch der öffentliche Umgang mit Kritik. Wir empfehlen Unternehmen, auf Bewertungen immer – konstruktiv – zu antworten und zu zeigen, dass das Feedback ernst genommen wird.“ Um die Unabhängigkeit und Transparenz der Bewertungsplattform nicht zu gefährden, sei diese Funktion bei kununu für alle Unternehmen kostenlos und nicht an den Erwerb eines Bezahl-Profils gebunden.

Bewertungsportale als interaktives Forum

In der Tat mausern sich Arbeitgeber-Bewertungsplattformen zunehmend zum interaktiven Forum für den Austausch zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die meisten Plattformen bieten Unternehmen inzwischen die Möglichkeit, ihre Profilseite selbst zu gestalten – und sich so der wachsenden Zahl von Usern positiv zu präsentieren. Dieses sogenannte Employer-Branding-Profil (kurz: EBP) erlaubt eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten, zum Beispiel die Einbindung von Unternehmenslogos, Fotos und Videos oder die textliche Vorstellung des Unternehmens. Mit Premium-Varianten des EBP können Unternehmen sogar Bereiche wie FAQs und Unternehmens-News einstellen und umfangreiche Reporting-Möglichkeiten nutzen, um sich über das Interesse an ihrer Seite zu informieren. Ein ansprechendes Employer-Branding vermag dann vielleicht auch die ein oder andere negative Bewertung zu neutralisieren.

Bewertungen ernst nehmen

Und sollte es dann doch zu einer negativen Bewertung gekommen sein? Juliane Petrich empfiehlt: „Arbeitgeber sollten die Bewertungen ernst nehmen und die Chance nutzen, die Erwartungen der Arbeitnehmer an das Unternehmen besser kennenlernen und einschätzen zu können. Auch ob ein Arbeitgeber auf eine Online-Bewertung reagiert und wie er reagiert, kann sehr zum Image der Firma beitragen.“ Weiter sei es sinnvoll, aktiv auf positiv eingestellte Mitarbeiter zuzugehen und sie zu ermuntern, positive Bewertungen abzugeben.

Stimmungsbild in Echtzeit

Auch Johannes Prüller sieht in negative Bewertungen Vorteile für die Unternehmen: „Die Arbeitgeber-Bewertungen beleuchten Themen, die die Mitarbeiter beschäftigen, positiv wie negativ. Statt auf das jährliche Mitarbeitergespräch zu warten, bekommen Unternehmen hier ein top-aktuelles Stimmungsbild aus ihrer Arbeitnehmerschaft – in Echtzeit und auf Knopfdruck. Gute Entwicklungen kann man dann weiterverfolgen und schlechten rechtzeitig gegensteuern.“ Dazu gehöre dann auch, Kritikpunkte, die man online gelesen hat, offen im Unternehmen anzusprechen und mithilfe der Mitarbeiter Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Negativ ja, rechtswidrig nein

Damit aus anonymen Bewertungen keine persönliche Vendetta werden kann, setzen die Plattformen in der Regel ausgefeilte Algorithmen ein, die verdächtige Inhalte aufspüren sollen. Johannes Prüller erklärt: „Wir nehmen die Kontrolle des Contents sehr ernst und haben einen mehrstufigen Kontrollprozess. Alle Bewertungen, die unsere technische Überprüfung nicht bestehen, landen in der manuellen Kontrolle unseres Community Support-Teams. Wenn eine Bewertung nicht den rechtlichen Rahmenbedingungen und moralischen Richtlinien entspricht, bleibt sie offline – und wir informieren den User, warum das so ist.“ Auch in Fällen, in denen ein Unternehmen einem Kritikpunkt widerspricht, fungiert die Plattform als Schiedsrichter. Der Arbeitnehmer erhält dann die Möglichkeit, seine Aussagen bei kununu zu belegen – natürlich ohne dass der Arbeitgeber persönliche Details erfährt, die Rückschlüsse auf seine Identität zulassen könnten.

Unternehmen müssen mit der Zeit gehen

Wer heute noch denkt, als Arbeitgeber an Bewertungsplattformen vorbeikommen zu können, täuscht sich gewaltig – und tut seinem Unternehmen damit keinen Gefallen. Arbeitgeber-Bewertungsplattformen sind in der Gesellschaft angekommen. Und entwickeln sich immer mehr zu einem unverzichtbaren Mittel, sich als attraktiver Arbeitgeber (oder eben nicht!) präsentieren zu können und die besten Talente anzulocken. Talente, die nötig sind, um in einem Arbeitsmarkt, der von Digitalisierung, demografischem Wandel und Fachkräftemangel geprägt ist, Innovationen hervorzubringen und sich im Wettbewerb durchzusetzen. kununu und co. sind längst nicht nur Empfehlungsportale für Arbeitnehmer – sie sind auch für Unternehmen zum wichtigen Stimmungsbarometer geworden. Denn um eine Erkenntnis kommt kein Unternehmen herum: Die einfachste Art, als guter Arbeitgeber zu gelten, ist, ein guter Arbeitgeber zu sein!

Fiona Gehring
Ein Artikel von Fiona Gehring

Fiona berichtet freiberuflich für den Blog von XING E-Recruiting über Trends und Neuigkeiten aus dem HR-Bereich.