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Fragen, die Sie Bewerbern auf gar keinen Fall stellen sollten! Außer ...

Nicht alles, was Sie in einem Vorstellungsgespräch gerne erfahren möchten, dürfen Sie auch fragen. Was verboten ist und in welchen Fällen Sie dennoch vor dem Gesetz ein berechtigtes Interesse an der Antwort haben, erfahren Sie hier.

Chancengleichheit ist in Deutschland ein hohes Gut. Dass Menschen aufgrund ihrer Weltanschauung, Herkunft und Religion nicht diskriminiert werden dürfen, ist im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz geregelt. Dies ist auch die Grundlage dafür, dass manche Fragen in einem Vorstellungsgespräch schlichtweg nicht erlaubt sind. Stellen Sie solche Fragen dennoch, darf der Bewerber lügen und muss später, wenn die Lüge auffliegt, keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen fürchten. Aber es gibt auch Ausnahmen.

Fragen über die Familie

Grundsätzlich ist es nicht erlaubt, den Familienstand, die sexuelle Neigung oder die Herkunft zu erfragen. Interesse an der Muttersprache und allgemein den Sprachkenntnissen des potenziellen Arbeitnehmers dürfen Sie aber natürlich bekunden.

Tabu ist auch die Frage nach einer Schwangerschaft und einem eventuell bestehenden Kinderwunsch. Doch auch hier gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel, wenn eine bestehende Schwangerschaft für die Ausübung des Jobs insofern relevant ist, dass die Bewerberin ihn nicht mehr ausführen kann oder darf. Das gilt, wenn sie beispielsweise im Labor arbeitet oder schwer tragen muss.

Ob die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft gerechtfertigt ist, wenn eine Bewerberin als Schwangerschaftsvertretung eingestellt werden soll, ist bislang nicht abschließend geklärt. Einige Gerichte haben aber bereits entschieden, dass die Bewerberin ihre Schwangerschaft auch bei einem befristeten Vertrag nicht offenlegen muss.

Zu erfragen, wie die Bewerberin oder der Bewerber Familie und Beruf miteinander vereinbaren wird, ist hingegen durchaus legitim. Aber Achtung: Obwohl es Sie wahrscheinlich brennend interessiert, weil es Ihnen dabei hilft, den Kandidaten und sein Umfeld besser einzuschätzen, dürfen Sie nicht fragen, was der Partner beruflich macht.

Fragen zum Gesundheitszustand

Fragen zum Gesundheitszustand, ob zu aktuellen oder früheren Krankheiten, muss ein Bewerber ebenso wenig wahrheitsgemäß beantworten wie solche zu Krankheiten in seiner Familie oder zu einer eventuell vorhandenen Behinderung. Doch auch diese Regelung gilt nur, wenn die Krankheit oder die Behinderung die Arbeit nicht beeinflusst. Bei einer Behinderung ist die Frage nach Einschränkungen beispielsweise dann zulässig, wenn der Arbeitgeber berechtigte Zweifel hat, dass der Bewerber seine Arbeit überhaupt ausführen kann.

Und was eventuell bestehende Krankheiten angeht, so kann es für den Bewerber sogar eine Offenbarungspflicht geben. Das bedeutet: Informationen über eine ansteckende Erkrankung, mit der er Kollegen oder Kunden gefährden könnte, muss er sogar angeben. Gleiches gilt, wenn er die Stelle, auf die er sich bewirbt, aufgrund einer Erkrankung gar nicht ausführen kann. In diesen Fällen ist er eventuell sogar schadensersatzpflichtig, wenn er diese verschweigt.

Fragen zu persönlichen Ansichten

Fragen nach Religions-, Partei oder Gewerkschaftszugehörigkeit sind verboten bzw. allein konfessionellen und parteipolitischen Arbeitgebern vorbehalten. Schließlich haben die ein berechtigtes Interesse, zu erfahren, ob sich die Ansicht ihres potenziellen Mitarbeiters mit der eigenen Anschauung deckt. Wollen Sie dennoch mehr über den Bewerber erfahren, stellen Sie ihm zum Beispiel Fragen zum aktuellen Zeitgeschehen.

Fragen zum Privatleben

Alle Fragen, die sich konkret auf das Privatleben des Bewerbers beziehen, sind verboten. Das betrifft unter anderem sogar Hobbys. Bitten Sie Ihren Gegenüber deshalb lieber, ganz frei etwas über sich zu erzählen.

Darüber hinaus sind Fragen zu den Vermögensverhältnissen und Vorstrafen tabu. Mit Ausnahmen, denn wenn sich jemand als Bankangestellter oder Führungskraft bewirbt, dann hat der Arbeitgeber verständlicherweise ein berechtigtes Interesse daran, mehr über seinen Umgang mit Geld zu erfahren.

Gleiches gilt rund um das Thema Vorstrafen. Wer sich als Jurist, Beamter oder Pädagoge bewirbt, muss relevante Vergehen angeben. So ist ein Verkehrsdelikt für einen Erzieher in den meisten Fällen unerheblich, eine Vorstrafe im Bereich des sexuellen Missbrauchs aber relevant. Auch hier besteht wieder eine Offenbarungspflicht.

Was passiert nun, wenn Sie eine solche Frage trotzdem stellen?

Setzten Sie sich über das Gesetz hinweg und stellen eine dieser Fragen, obwohl sie unzulässig ist, dann müssen Sie im schlimmsten Fall damit rechnen, wegen Diskriminierung verklagt zu werden. Andersherum lautet die Empfehlung von Arbeitsrechtlern, Vorstellungsgespräche unbedingt immer zu zweit zu machen, um später einen Zeugen für eine eventuelle Falschangabe eines Bewerbers zu haben.

Ein Artikel von Birte Schmidt

Birte berichtet freiberuflich für den Blog von XING E-Recruiting über Trends und Neuigkeiten aus dem HR-Bereich.