Robert, der Recruiter

„Danke für das Angebot, aber ich mache lieber ein Sabbatical“

Eines meiner liebsten Hobbies ist das Aquascaping. Ziel ist die Gestaltung einer Aquarienlandschaft, bei der nicht die möglichst naturnahe Abbildung eines Lebensraums im Vordergrund steht, sondern die Ästhetik. Damit alles seine Ordnung hat, leben da kleine Garnelen drin. Die zerstören mir nicht das mühsam gestrickte Gesamtbild meiner utopischen Mini-Unterwasserwelt, futtern dafür aber immer schön die Algen weg und sind wirklich sehr faszinierende Wesen. Eine kleine feine Welt, wo alles miteinander harmoniert: Die richtige Anzahl an Pflanzen, die optimale Besetzungsdichte, das perfekte Licht, die richtige Balance.

 

Sabbatical

Kleine, feine Unterwasserwelt, in der alles miteinander harmoniert - wäre meine Recruiting-Welt bloß auch so steuerbar

Wenn ich abends davor sitze, wünschte ich mir, ich könnte diese 30-Liter-Welt auf meinen Job übertragen: Dann hätte ich für jede offene Stelle bei uns im Unternehmen den passenden Kandidaten. Und alle wären glücklich. Pustekuchen! Nicht, dass Sie mich falsch verstehen. Ich finde meinen Job super. Aber manchmal gibt es Momente, wo ich denke: Das hätte jetzt auch leichter gehen können. Kennen Sie bestimmt auch.

 

Wenn der Rotwein herhalten muss

Beispiel gefälligst? Ist sogar ganz frisch: Wie Sie wissen – wenn Sie es nicht tun, dann jetzt – sind wir bei XING ständig auf der Suche nach spannenden neuen Persönlichkeiten. In diesem konkreten Fall ging es um die Besetzung eines Produktmanagers. Wir haben die üblichen Gespräche geführt. Ich fand, er passte top auf die Stelle. Seine künftigen Kollegen waren ebenfalls äußerst angetan. Wir sind da nämlich demokratisch aufgestellt. Die Team-Mitglieder dürfen in der Regel mitentscheiden. Wir waren glücklich, endlich einen Produktmanager gefunden zu haben. Die Freude währte jedoch nicht lange.

Robert Neuhann im Urlaub

Robert Neuhann im Urlaub

Nachdem (!) ich dem Kandidaten das – wie ich finde, wirklich gute – Vertragsangebot gemacht habe, rief er mich an. Ist meist kein gutes Zeichen. War es auch nicht. Er erzählte mir, dass er lieber eine Weltreise mit seiner Freundin machen wollte als bei uns einzusteigen – immerhin teilte er mir diese Entscheidung schweren Herzens mit. Am liebsten wollte ich in dem Augenblick auch auf eine Insel. Ob er sich das nicht hätte früher überlegen können, dachte ich. Ein (zwei?) Rotwein (Gläser, nicht Flaschen) mit den Kollegen später kam ich aber abends zu dem Entschluss, dass ich mich für ihn freue und außerdem habe ich das Gefühl, dass wir ihn wiedersehen werden. Wenn Du das liest, lieber potenzieller Produktmanager, vergiss uns nicht.

Wenn man einen Vertrag mit falschem Namen verschickt

Oft wenden sich die Dinge in unserem Job nämlich zum Guten – selbst, wenn kleine Missgeschicke passieren. Irren ist schließlich menschlich. Als ich hier bei XING angefangen habe, bin ich viel zwischen unserem Hauptstandort Hamburg und Wien gependelt, weil ich auch für die Kollegen von kununu rekrutiert habe. Viel Arbeit, viele Interviews, viel Reisen, wenig Schlaf. Aber dennoch war ich richtig erfolgreich, einmal habe ich sogar gleich zwei Kandidatenzusagen bekommen. Gut gemacht, Robert, sagte ich mir, gleich dem neuen Team zeigen, was ich drauf habe. Bei einem der Kandidaten hat sich im Vertrag noch was geändert. Das habe ich dann zwischen Tür und Angel in einer Nacht- und Nebelaktion angepasst und dem Kandidaten geschickt. Übersehen habe ich dabei allerdings einen nicht unwesentlichen Faktor: Ich habe den Namen des Kandidaten auf der letzten Seite des Vertrages nicht angepasst.

Die Reaktion des Kandidaten war jedoch umso erstaunlicher. Ich bekam den Vertrag schnell zurück. Er strich einfach den falschen Namen durch, ersetzte ihn durch seinen eigenen und unterschrieb das Ganze. Glück gehabt. Denn manchmal ist es einfach so, dass andere meine kleine feine Welt zurechtrücken müssen. Ist auch viel schöner so.

Zum Abschluss noch in eigener Sache: wer richtig Lust hat, Fehler zu begehen, neue Dinge auszuprobieren und mit uns ein Glas Rotwein zu trinken – wir freuen uns immer auf neue Kollegen - auch im HR Bereich! Habe ich Ihnen eigentlich schon erzählt, wie seltsam es ist, wenn Recruiter neue Recruiting-Kollegen einzustellen? Mache ich das nächste Mal!

 


Anmerkung der Redaktion: Dies ist der zweite Teil unserer Kolumne „Robert, der Recruiter“. Hier berichtet unser HR-Kollege über die besonderen Seiten seines beruflichen Alltags. Den ersten Teil finden Sie übrigens hier.

Ein Artikel von Robert Neuhann

Robert ist Team Lead Recruiting, nach vielen Jahren in der Personalberatung ist er 2015 als Experte für Active Sourcing bei XING gestartet. Auf unserem Blog berichtet er regelmäßig über Alltägliches und Besonderes aus der Welt des Recruitings.