New Work braucht New Hiring: Lösungen für das Recruiting von morgen

Ein Beitrag von Xenia Meuser.

Mehr denn je stehen Unternehmen heute vor der Herausforderung, sich verändern zu müssen. Denn die (Arbeits-)Welt dreht sich immer schneller. Digitalisierung, demografischer und kultureller Wandel, sich ändernde Kundenanforderungen, disruptive Innovationen, immer schnellere Marktzyklen – der Transformationsdruck auf Unternehmen wächst.  Unternehmen aller Größen und Branchen befinden sich mitten in einem der tiefgreifendsten Transformationsprozesse seit dem Ende der Industrialisierung. Und die Pandemie hat den Wandel weiter beschleunigt und zwingt viele Unternehmen dazu, ihre Geschäftsmodelle, Prozesse und Infrastruktur praktisch im Zeitraffer zu digitalisieren und modernisieren.
 
Um in diesem Szenario nachhaltig erfolgreich zu sein, braucht es die richtigen Menschen. Mitarbeiter
∙innen die den Wandel mittragen und proaktiv gestalten. Die das richtige Mindset, die nötigen Kompetenzen und einen hohen Cultural Fit mitbringen. Denn eines ist klar: Wer heute nicht die richtigen Menschen findet, wird sein Business nicht in eine erfolgreiche digitale Zukunft führen können. 

Vom Anbieter- zum Nachfragemarkt

Doch diese Mitarbeiter∙innen sind immer schwerer zu finden. Der Arbeitsmarkt ist längst von einem Anbieter- zu einem Nachfragemarkt geworden, in dem sich die Unternehmen bei den Talenten bewerben und nicht umgekehrt. Die Zeiten, in denen Unternehmen einfach eine Anzeige schalten und sich dann aus der Bewerberflut die Rosinen herauspicken konnten, sind lange vorbei. Im Bereich IT hat sich der War for Talents besonders verschärft, nach dem durch die Pandemie ausgelösten Digitalisierungspush konkurrieren Unternehmen stärker denn je um die dringend benötigten IT-Fachleute. Der Fachkräftemangel hat zu einer Verschiebung des Kräfteverhältnisses geführt, mit weichreichenden Konsequenzen für das Recruiting.

Und wir sehen, dass der Bedarf an Fachkräften weiter steigt: Wir haben jetzt zum Jahresende die niedrigste Arbeitslosenquote seit Beginn der Pandemie. Die Anzahl der Stellenangebote ist im Vorjahresvergleich um über 40 Prozent gestiegen. Der Blick in die Zukunft zeigt, dass wir erst am Anfang stehen: Bis zum Jahr 2035 werden dem Arbeitsmarkt hierzulande allein durch den Wegfall der Babyboomer mehr als 5 Millionen Erwerbstätige fehlen. Ganz gleich, wo man sich umhört, ob in den Großkonzernen, im Mittelstand, in Agenturen oder Start-ups: Das Thema Recruiting, das Finden und Einstellen von Talenten, ist Top-Thema. Das längst nicht mehr nur die Personaler beschäftigt, sondern das ganze Unternehmen.

Gleichzeitig haben spätestens die letzten Monate der Pandemie gezeigt, dass sich die Parameter im Recruiting entscheidend und nachhaltig verändert haben. Remote Work bzw. hybrides Arbeiten haben sich vielerorts als Normalzustand etabliert. Flexible Arbeitsmodelle sind kein Nice-to-have mehr, sondern ein Need-to-have. Kollaboratives und selbstbestimmtes Arbeiten wird nicht nur gewünscht, sondern vorausgesetzt, New Leadership, Führung, die auf offener Kommunikation und Vertrauen basiert, hält Einzug in die Führungsetagen, und New Pay verhandelt ganz neue Kompensationsmodelle.

Durch Corona ging auf einmal vieles, was vorher undenkbar war. Zugegeben, nicht alle Veränderungen sind dem Virus geschuldet, der dahinterstehende Wertewandel hat sich schon seit Jahren vollzogen. Doch die Pandemie hat wie ein Booster gewirkt. Unternehmen sind mehr denn je gezwungen, ihre bisherige Personalarbeit auf den Prüfstand zu stellen und entscheidende Veränderungen vorzunehmen, um als Arbeitgeber weiterhin attraktiv zu bleiben. Um jetzt erfolgreich rekrutieren zu können, müssen sich Unternehmen den geänderten Anforderungen anpassen. Und diese Anpassungen betreffen alle Facetten des Recruitings.

New Work braucht New Hiring

Um die dringend benötigten Talente zu finden, können Unternehmen nicht mehr auf die erprobten Konzepte und gelernten Routinen zurückgreifen. Sie funktionieren schlicht nicht mehr. Was wir brauchen, ist ein neues Verständnis von Recruiting – wir brauchen ein „New Hiring“, das den Prinzipien von New Work Rechnung trägt und sie übersetzt in zukunftsfähige Konzepte, Methoden und Tools, um in der neuen Arbeitswelt die richtigen Mitarbeiter∙innen zur richtigen Zeit zu finden. Kurz: New Work braucht New Hiring – angefangen beim Employer Branding über das Finden von Talenten bis hin zur Candidate Experience. 

Recruiting wird vom Corporate Service zum strategischen Erfolgsfaktor

Wir sehen: Recruiting wird für Unternehmen zum strategischen Erfolgsfaktor. Und damit zu einem Thema, welches das ganze Unternehmen betrifft. Vorbei die Zeiten, in denen das Rekrutieren allein Aufgabe der Personalabteilung war – um erfolgreich zu sein, müssen alle an einem Strang ziehen, von der Führungsriege bis zur operativen Ebene der Recruiter und Hiring Manager. Eine Schlüsselrolle kommt im New Hiring den Führungskräften zu. Ohne ihr Engagement geht es nicht. Denn wir wissen, dass sich viele Talente nicht nur für den Job und das Unternehmen entscheiden, sondern auch ganz konkret für ihren künftigen Chef. Die Führungskraft ist Kulturträger: Je mehr sie sich einbringt in den Rekrutierungsprozess, in den fachlichen Dialog geht mit den Talenten, ihnen zu erklären, warum gerade dieser Job zu ihnen passt und warum sie die richtige Führungskraft vor sich haben, desto erfolgreicher wird ein Unternehmen in der Personalgewinnung sein. Die Ansprüche der Bewerber an den für sie passenden Arbeitgeber betreffen darüber hinaus Bereiche, die nicht allein von HR entschieden werden: Bürogebäude, -Ausstattung, Home Office-Regelungen – hier muss auch die Geschäftsführung mit an Bord. 

Digitale Tools als Bindeglied zum Menschen

Eine weitere Schlüsselrolle kommt im New Hiring der Verwendung digitaler Hilfsmittel zu. Denn um Recruitingprozesse fit für die digitale Zukunft zu machen, braucht es digitale Tools. Software, Automation und Daten ermöglichen uns, effizienter zu werden – unabdingbar in einer Arbeitswelt, die sich immer schneller dreht. Algorithmen und automatisierte Abläufe ersparen uns Aufwand und Zeit, die wir dann gewinnbringend in unsere Kernaufgaben investieren können. Und sie helfen uns dabei, besser zu werden: Denn der Blick in die Daten verrät uns auch, was gut läuft und was noch nicht. Daten lassen uns Chancen erkennen und ermöglichen eine stetige Weiterentwicklung und Verbesserung unserer HR-Arbeit.

Doch wir dürfen dabei eines nicht vergessen: Erfolgreiches Recruiting bedeutet mehr als nur Daten und Zahlen. Um herauszufinden, welcher Mensch wirklich zu einer Aufgabe, zu den Zielen und zur Arbeitskultur des Unternehmens passt, gilt es, ihn als Individuum zu sehen. Mit individuellen Bedürfnissen, Wünschen und einer einzigartigen Lebenssituation. Talente sind mehr als nur ihr CV.

New Hiring braucht Software-Lösungen, die den Menschen als Individuum in den Mittelpunkt stellt und es Unternehmen auf dieser Basis ermöglicht, das wirklich passende Talent zu finden. Tools, die auf smarte und innovative Art und Weise Informationen bereitstellen, die Unternehmen befähigt, auf dieser Basis Entscheidungen zu treffen. Die es dem Recruiter ermöglichen, langfristig Talent Management zu betreiben und in den Dialog mit den Talenten zu gehen, noch bevor es um eine konkrete Vakanz bzw. einen Jobwechsel geht. Ein Netzwerk zu knüpfen. Was wir brauchen, sind digitale Lösungen, die das sind, was sie eigentlich sein sollten: Ein Bindeglied zum Menschen.

Der Wandel wird uns weiter begleiten

Eines ist klar: Auch das kommende Jahr wird uns keine Gewissheiten bringen, keine festen Routinen oder fixe Fahrpläne. Niemand weiß, wie sich die Pandemie weiterentwickeln wird, wir fahren alle auf Sicht. Auch 2022 wird ein andauernder Anpassungsprozess, ein Überprüfen bisheriger Learnings, ein Verproben neuer Ansätze und ein Ausloten von Möglichkeiten – im Recruiting genau wie in anderen Unternehmensbereichen.

Lassen Sie uns offen sein für den Wandel, ihn annehmen und mitgestalten. Chancen sehen statt Probleme. Und alle dabei mitnehmen: Die Unternehmensleitung, die Führungskräfte, die HR-Kollegen und die Talente. Lassen Sie uns gemeinsam Lösungen erarbeiten für das Recruiting von heute und morgen. Denn New Work braucht New Hiring.

 

Xenia Meuser
Ein Artikel von Xenia Meuser

Als Vice President Human Resources verantwortete Xenia Meuser zuletzt alle Personalthemen der New Work SE und ihrer Tochterunternehmen und prägte davor in leitenden Rollen bei der OTTO Group und Tchibo die HR-Szene in Deutschland. Heute ist Xenia Senior Vice President Attract & Retain, Brand & Marketing der New Work SE.