Die Zukunft des Recruitings

Wer nicht in New Work investiert, verliert

Zum sechsten Mal fand das Fifteen Seconds Festival in der Stadthalle Graz statt. Was 2014 als Marketingkonferenz begann, sich seither zu einer internationalen Plattform im Spannungsfeld von Wirtschaft, Innovation und Kreativität entwickelt und lockte am 6. und 7. Juni exakt 6.127 Besucher nach Graz.

XING war dieses Jahr zum ersten Mal dabei und Alastair Bruce, CSO XING SE, stellte in seiner Keynote klar, dass im Paradigmenwechsel der Arbeitswelt New Work alternativenlos sei.

Alastair führte durch die Treiber des Paradigmenwechsels und zeigte auf, welchen Beitrag XING zum Diskurs zur Zukunft der Arbeit leistet.

An Hand von konkreten Beispielen wurde erklärt, wie XING intern New Work lebt und welche Möglichkeiten XING als Komplettanbieter in der sich rasant verändernden Arbeitswelt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bietet.

Das Thema begeisterte die neugierigen und kreative Geister am Festival und animierte tiefer in den Dialog zu gehen. Jene Fragen, die am häufigsten gestellt wurden, haben wir hier noch einmal beantwortet:

XING macht eine wöchentliche, anonyme Mitarbeiter-Befragung. Es ist außergewöhnlich, dass sich der Vorstand Woche für Woche den Fragen der Mitarbeiter stellt. Warum macht XING das?

Wir glauben an Arbeitgeber-Transparenz. Unsere wöchentliche Befragung hilft uns dabei, die Bedürfnisse und Wünsche der Mitarbeiter zu verstehen und schafft einen Dialog auf Augenhöhe. Wir holen uns Feedback und versuchen das, was sonst bei der Kaffeemaschine gesprochen wird, transparent zu machen. Das bildet Vertrauen und erhöht die Motivation. Partizipative Mitarbeiter sind glückliche Mitarbeiter, die loyaler und engagierter sind und länger im Unternehmen bleiben.

2017 hat XING Gehaltstransparenz eingeführt. Wie haben die Menschen reagiert und sind wirklich alle Gehälter offengelegt?

Gehaltstransparenz bei XING bildet alle Job-Profile ab, vom Junior Marketing Manager bis zum Vorstand. Für uns war das ein Experiment, mit dem Ziel transparenter und objektiver zu werden. Definitiv nicht leicht, es braucht Courage und den Willen ehrlich zu kommunizieren – und natürlich gab es anfangs auch Skepsis. Aber wir sind überzeugt, dass das unser Weg ist. Denn diejenigen, die autonome und innovative Mitarbeiter möchten, müssen ihnen auf Augenhöhe begegnen.

Das bedeutet: die Karten auf den Tisch legen und bei Gehaltsverhandlungen einen Dialog auf Augenhöhe führen, bei dem die Performance im Mittelpunkt steht. Gehaltstransparenz zwingt die Chefs fair zu sein und unsere Mitarbeiter schätzen das.

XING ist in den letzten Jahren massiv gewachsen, hat über 1800 Mitarbeiter in sieben Locations – von Hamburg, über Wien bis Barcelona. Wie behält man den New Work Spirit über all diese Locations?

Obwohl wir ein börsennotiertes Unternehmen und erst rund 15 Jahre alt sind, sind wir uns unserer Wurzeln als Start-Up bewusst. Wir versuchen uns diesen Spirit zu bewahren und unsere Mitarbeiter teilen dieses offene und flexible Mindset. Wir arbeiten zusammen in interdisziplinären Projekten, können – wenn notwendig – den Arbeitsplatz an eine andere Location verlegen und kommen jeden Freitag im Company Meeting zusammen, das in jeder Location ausgestrahlt wird. Und natürlich feiern wir auch zusammen.

Was bedeutet Führung in Zeiten von New Work und wie hat sich das Führungsverständnis verändert?

Führung – im Sinne von Leadership – ist enorm wichtig, wenn wir über New Work sprechen. Aber Führungskräfte verwechseln oft Leadership mit Micro-Management. Leadership bedeutet Mitarbeiter bemächtigen Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Die Aufgabe von Führungskräften besteht darin Mitarbeiter zu unterstützen, die gemeinsam vereinbarten Ziele zu erreichen und flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Es ist wichtig Diversität im Team und unterschiedliche Perspektiven zu fördern, aber gleichzeitig gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten.

XING spricht von Diversity, dennoch sind nur Männer im Vorstand. Warum ist das so? Wir stellen nach Qualifikation und nicht nach Quote ein. Dennoch ist uns diese Thematik sehr bewusst, daher haben wir auch unser internes „Female executive leadership“ Programm ins Leben gerufen.

Welche drei konkreten Tipps hat XING für Unternehmen, die neue Wege gehen und New Work etablieren wollen?

  1. Es braucht das entsprechende Mindset, quer durch das Unternehmen. New Work muss von unten getragen und von oben gelebt werden. Für New Work gibt es keine einheitliche Definition, es gibt keine Blaupause oder Konzepte, die man einfach übernehmen kann. New Work bedeutet für jede Person etwas anderes und jedes Unternehmen hat eigene Herausforderungen. Somit muss man die aktuelle Situation analysieren und gemeinsame Maßnahmen definieren – und dabei alle Mitarbeiter miteinbeziehen. Man muss sich Fragen stellen, wie „Was wollen wir gemeinsam erreichen?“ (Vision), „Wie wollen wir zusammenarbeiten?“ (Werte).
  2. Es braucht entsprechende Rahmenbedingungen, die flexibles Arbeiten, Kollaboration und Entscheidungsfähigkeit der Mitarbeiter fördert. Im Prinzip geht es darum, wie man bestmöglich in Teams und der Gesamt-Organisation zusammenarbeitet und dort Entscheidungen trifft, wo sie anfallen. Davon profitiert wiederum das gesamte Unternehmen, weil Mitarbeiter zufriedener werden und effizienter arbeiten. Nur Unternehmen, die ihre Strukturen und Arbeitsformen ändern, können in zunehmend komplexeren Märkten langfristig überleben.
  3. Anfangen und ausprobieren. Sehr oft reichen schon kleine Änderungen aus, um neue Arbeitsformen zu etablieren. Zum Beispiel: Meetings eine neue Struktur geben, neue Möglichkeiten zur Entscheidungsfindung probieren, kurze Stand-Ups in der Früh, um mögliche Hindernisse schnell aus dem Weg zu räumen und um die Kommunikation zu fördern.
Sandra Bascha
Ein Artikel von Sandra Bascha

Sandra Bascha ist Senior Manager Corporate Communications Österreich