Recruiting Gen Y

Achtung Telefon-Phobie – warum Sie Ihre jungen Bewerber besser vorwarnen bevor Sie anrufen

Achtung Telefon-Phobie – warum Sie Ihre Gen Y-Bewerber besser vorwarnen bevor Sie anrufen

Es ist ein Paradoxon unserer Zeit: Jeder besitzt mindestens ein Mobiltelefon, doch damit telefonieren? Das tut heute kaum noch jemand. Ausgerechnet die Gen Y, die mit neuen Technologien und digitalen Medien groß geworden ist, fühlt sich gestört, wenn das Smartphone unerwartet klingelt. Stattdessen werden Nachrichten hin und her geschickt – und bei größerem Mitteilungsbedürfnis Sprachnachrichten, an deren öffentlichem Abhören und Beantworten dann aber auch gerne die Mitreisenden in Bus und Bahn teilhaben dürfen. Woran liegt das und was bedeutet das für Sie als Recruiter?

Telefonieren nur nach Vereinbarung

Die Gen Y hat eine Telefon-Phobie. Und das, obwohl ihnen ihr Smartphone quasi angewachsen ist. Von Aufstehen bis Schlafengehen ist es immer in Griffnähe und verbindet die Digital Natives mit- und untereinander. Telefoniert wird aber nur in dringenden Fällen oder nach vorheriger Verabredung. Unerwartete Anrufe stoßen generell auf Unverständnis und werden häufig an die Mailbox delegiert.

Manchmal fehlt die nötige Ruhe

Einer der Hauptgründe hierfür dürfte in der Natur des Smartphones liegen: es ermöglicht ständige Erreichbarkeit an jedem Ort. Somit ist es immer dabei, auch in Situationen, in denen für ein Telefonat die nötige Ruhe, Privatsphäre oder Zeit fehlt. Über Mail-Apps oder Kurzmitteilungsdienste hingegen kann man sich in fast jeder Situation schnell und diskret austauschen und dem anderen signalisieren, dass man sich meldet, sobald es einem passt.

„Ich bestimme, wann’s mir passt“

Was uns zum nächsten Punkt bringt: dem starken Wunsch der Gen Y nach Selbstbestimmung. Nicht mein Gegenüber entscheidet, wann ich mir Zeit für ihn nehme, sondern ich. Millenials begegnen anderen auf Augenhöhe und lehnen Hierarchien ab. Das eigene Wohlbefinden steht im Zentrum – selbst von ihrem (potentiellen) Arbeitgeber erwarten sie, dass er ihre Bedürfnisse erfüllt und nicht umgekehrt. Ein unangekündigter Anruf kann daher als übergriffig und unhöflich empfunden werden, weil der Anrufer sich vorher nicht erkundigt hat, ob und wann der Angerufene ein Telefonat einrichten könnte. Mit einem Spontan-Anruf wird der Angerufene zudem seiner Chance beraubt, sich vorab über seine Antwort Gedanken zu machen. Insbesondere in Konfliktsituationen bieten E-Mail und Co. den Vorteil, dass man seine Antwort sorgfältig formulieren kann, um tatsächlich das auszudrücken, was man fühlt. Gesagtes hingegen kann man nicht zurücknehmen.

Recruiter müssen Rücksicht nehmen

Für Sie als Recruiter bedeutet das: Rufen Sie Ihren Gen Y-Bewerber niemals unangekündigt an. Informieren Sie ihn lieber vorab per E-Mail, dass Sie versuchen werden, zu einer bestimmten Uhrzeit anzurufen. Sollte diese für den Bewerber ungelegen sein, kann er Ihnen eine neue Zeit vorschlagen. Erklären Sie in Ihrer E-Mail auch kurz Ihr Anliegen. Sie geben dem Bewerber damit die Chance, sich vorab über seine Antwort Gedanken zu machen, anstatt ihn am Telefon zu überfallen. Sollten Sie Ihren Bewerber zur vorgeschlagenen Zeit nicht erreichen, hinterlassen Sie eine kurze Sprachnachricht. Sagen Sie in einem Satz, worum es geht und bitten Sie um Rückruf. Nennen Sie ein Zeitfenster, in dem Sie gut erreichbar sind – denn damit kann Ihr Bewerber Ihnen dieselbe Höflichkeit erweisen, dass er sich von Ihnen wünscht. Und wenn Sie so richtig auf Ihre Zielgruppe eingehen möchten, denken Sie über eine Chat-Funktion oder einen Messaging-Account für Ihr Unternehmen nach. Interessierte und Bewerber könnten so beispielsweise im Vorfeld die ein oder andere Frage stellen und Details zum Bewerbungsablauf klären – asynchron und unverbindlich, der Traum eines jeden Millenials!

Fiona Gehring
Ein Artikel von Fiona Gehring

Fiona berichtet freiberuflich für den Blog von XING E-Recruiting über Trends und Neuigkeiten aus dem HR-Bereich.