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Sind Gehaltsangaben in Stellenanzeigen Pflicht?

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Gehaltsangaben in Stellenanzeigen sind in Deutschland aktuell nicht gesetzlich verpflichtend. Ab 2026 wird jedoch eine EU-Richtlinie zur Lohntransparenz in Kraft treten, die Arbeitgeber zur Angabe von Gehaltsspannen verpflichtet. Bereits jetzt profitieren Unternehmen von transparenten Gehaltsangaben durch qualifiziertere Bewerbungen und effizientere Recruiting-Prozesse.

Was sagt das Gesetz über Gehaltsangaben in Stellenanzeigen?

In Deutschland gibt es derzeit keine gesetzliche Pflicht, Gehaltsangaben in Stellenanzeigen zu veröffentlichen. Das Entgelttransparenzgesetz von 2017 regelt zwar die Auskunftspflicht über Gehälter bei bestehenden Arbeitsverhältnissen, schreibt aber keine Transparenz in Stellenanzeigen vor.

Das ändert sich jedoch ab 2026. Die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz verpflichtet dann alle Mitgliedstaaten, Arbeitgeber zur Angabe von Gehaltsspannen oder konkreten Gehaltsangaben in Stellenanzeigen zu verpflichten. Diese Regelung wird voraussichtlich für alle Unternehmen ab einer bestimmten Größe gelten.

Bis dahin bleibt die Gehaltsangabe freiwillig. Viele Unternehmen nutzen bereits heute die Möglichkeit zur optionalen Gehaltstransparenz, um die richtigen Talente anzusprechen und passende Bewerbende zu gewinnen.

Warum geben viele Unternehmen trotzdem kein Gehalt in Stellenanzeigen an?

Viele Arbeitgeber zögern bei Gehaltsangaben aus verschiedenen Gründen. Der häufigste Grund ist der gewünschte Verhandlungsspielraum – Unternehmen möchten flexibel auf unterschiedliche Qualifikationen und Erfahrungsstufen reagieren können.

Weitere Gründe sind:

  • Interne Gehaltsstrukturen: Befürchtung, dass bestehende Mitarbeitende Gehaltsunterschiede entdecken könnten
  • Wettbewerbsbedenken: Sorge, dass Konkurrenten Einblicke in die Kostenstruktur erhalten
  • Budgetunsicherheit: Unklarheit über das finale Budget für die Position
  • Qualifikationsvielfalt: Schwierigkeiten, eine passende Spanne für unterschiedliche Erfahrungslevel zu definieren

Diese Bedenken führen dazu, dass viele Stellenanzeigen weiterhin auf Formulierungen wie „attraktives Gehalt” oder „leistungsgerechte Vergütung” setzen, die jedoch wenig aussagekräftig sind.

Welche Vorteile haben Gehaltsangaben für kleine Unternehmen?

Kleine Unternehmen profitieren besonders stark von transparenten Gehaltsangaben. Sie sparen Zeit und Ressourcen durch qualifiziertere Bewerbungen und können sich trotz begrenzter Budgets als attraktive Arbeitgeber positionieren.

Die konkreten Vorteile:

  • Bessere Bewerbungsqualität: Es bewerben sich nur Talente mit realistischen Gehaltsvorstellungen.
  • Weniger Absagen: Geringere Ablehnungsquote aufgrund unpassender Gehaltsvorstellungen
  • Zeitersparnis: Weniger aufwendige Gespräche über unrealistische Erwartungen
  • Konkurrenzvorteil: Transparenz wirkt vertrauensbildend und modern
  • Kosteneffizienz: Reduzierte Recruiting-Kosten durch zielgerichtetere Ansprache

Gerade für kleine Unternehmen mit begrenzten HR-Ressourcen bedeutet dies eine deutliche Entlastung im Bewerbungsprozess. Sie können ihre Zeit auf die wirklich passenden Talente konzentrieren.

Wie formulieren Sie Gehaltsangaben richtig in Stellenanzeigen?

Die richtige Formulierung von Gehaltsangaben erfordert Präzision und Transparenz. Gehaltsspannen sind meist praktischer als exakte Beträge, da sie Flexibilität für unterschiedliche Qualifikationen bieten.

Bewährte Formulierungen:

  • Gehaltsspanne: „Jahresgehalt: 45.000–55.000 Euro brutto”
  • Mit Zusatzleistungen: „Grundgehalt 48.000 Euro plus Firmenwagen und Erfolgsbeteiligung”
  • Stundenlohn: „Stundenlohn: 18–22 Euro je nach Erfahrung”
  • Nach Qualifikation: „Einstieg: 42.000 Euro, mit Berufserfahrung: bis 58.000 Euro”

Wichtig ist die Klarstellung, ob es sich um Brutto- oder Nettogehälter handelt und welche Zusatzleistungen enthalten sind. Vermeiden Sie vage Begriffe wie „überdurchschnittlich” oder „marktgerecht”.

Was passiert, wenn Sie keine Gehaltsangaben machen?

Fehlende Gehaltsangaben führen zu weniger qualifizierten Bewerbungen und höheren Recruiting-Kosten. Studien zeigen, dass Stellenanzeigen ohne Gehaltsangaben häufiger von unpassenden Talenten angeklickt werden, was die Effizienz des Bewerbungsprozesses reduziert.

Die Konsequenzen im Detail:

  • Mehr unpassende Bewerbungen: Personen mit unrealistischen Gehaltsvorstellungen bewerben sich häufiger
  • Längere Besetzungszeiten: Es sind mehr Gespräche nötig, um passende Talente zu identifizieren.
  • Höhere Kosten: Mehr Aufwand für Sichtung und Gespräche
  • Imageprobleme: Intransparenz kann als unmodern oder unehrlich wahrgenommen werden

Ab 2026 kommen zusätzlich rechtliche Konsequenzen hinzu. Unternehmen, die dann keine Gehaltsangaben machen, verstoßen gegen die EU-Richtlinie zur Lohntransparenz und riskieren Bußgelder.

Moderne Recruiting-Plattformen unterstützen bereits heute die transparente Gestaltung von Stellenanzeigen. Zusätzlich ermöglicht Passive Sourcing die gezielte Ansprache von Talenten, die möglicherweise nicht aktiv nach neuen Positionen suchen.

XING empfiehlt Unternehmen, bereits heute auf Gehaltstransparenz zu setzen. Dies schafft Vertrauen, spart Ressourcen und bereitet optimal auf die kommenden gesetzlichen Anforderungen vor. Nutzen Sie die Chance, sich als moderner und transparenter Arbeitgeber zu positionieren.