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Welche Diskriminierungsmerkmale verbietet das AGG?

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Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt Menschen vor Diskriminierung am Arbeitsplatz. Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen bei der Personalsuche bestimmte Merkmale außer Acht lassen. Wer sich nicht daran hält, riskiert teure Abmahnungen und Schadensersatzforderungen.

Besonders kleine Unternehmen unterschätzen oft die rechtlichen Fallstricke beim Recruiting. Dabei reicht schon eine ungeschickt formulierte Stellenanzeige, um gegen das AGG zu verstoßen. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Wissen lassen sich diese Risiken leicht vermeiden.

Was sind die acht geschützten Merkmale im AGG?

Das AGG definiert acht Merkmale, die im Bewerbungsverfahren keine Rolle spielen dürfen. Diese Diskriminierungsmerkmale sind gesetzlich geschützt und gelten für alle Phasen des Bewerbungsprozesses.

Die acht geschützten Merkmale im Detail:

  • Rasse oder ethnische Herkunft: Hautfarbe, Nationalität oder kultureller Hintergrund dürfen keine Auswahlkriterien sein.
  • Geschlecht: Alle Geschlechter müssen die gleichen Chancen haben, unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität.
  • Religion oder Weltanschauung: Religiöse oder politische Überzeugungen sind privat und für die Eignung für die Stelle irrelevant.
  • Behinderung: Menschen mit Behinderungen dürfen nicht benachteiligt werden, solange sie die Tätigkeit ausüben können.
  • Alter: Weder „zu jung“ noch „zu alt“ ist zulässig – das Alter darf kein Ausschlusskriterium sein.
  • Sexuelle Identität: Die sexuelle Orientierung ist Privatsache und hat nichts mit der Arbeitsleistung zu tun.

Diese Merkmale sind bewusst weit gefasst. Sie sollen sicherstellen, dass alle Menschen faire Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Ausnahmen gibt es nur in sehr speziellen Fällen, etwa wenn das Geschlecht für die Tätigkeit relevant ist.

Warum AGG-Compliance für kleine Unternehmen wichtig ist

Kleine Unternehmen stehen bei AGG-Verstößen vor besonderen Herausforderungen. Die finanziellen Folgen können existenzbedrohend sein, da oft keine große Rechtsabteilung zur Verfügung steht.

Bei Diskriminierungsklagen drohen Schadensersatzforderungen von bis zu drei Monatsgehältern. Dazu kommen Anwaltskosten und ein Imageschaden. Für ein kleines Unternehmen mit begrenzten Ressourcen kann das schnell zum Problem werden.

Rechtliche Konsequenzen vermeiden

Das AGG gilt bereits ab dem ersten Mitarbeitenden. Größe schützt also nicht vor rechtlichen Konsequenzen. Bewerbende können sich bereits durch die Stellenausschreibung diskriminiert fühlen und klagen.

Besonders tückisch: Auch unbewusste Diskriminierung ist strafbar. Wenn Sie beispielsweise „junge, dynamische Mitarbeitende“ suchen, kann das als Altersdiskriminierung ausgelegt werden.

Positive Nebeneffekte der AGG-Compliance

AGG-konforme Stellenanzeigen haben aber auch Vorteile. Sie sprechen eine breitere Zielgruppe an und erhöhen die Zahl qualifizierter Bewerbungen. Vielfältige Teams sind nachweislich kreativer und erfolgreicher.

Außerdem verbessert sich das Employer Branding. Unternehmen, die Vielfalt fördern, gelten als moderne und attraktive Arbeitgeber.

Wie Stellenanzeigen AGG-konform formuliert werden

AGG-konforme Stellenanzeigen zu schreiben, ist einfacher als gedacht. Es geht darum, sich auf die fachlichen Anforderungen zu konzentrieren und diskriminierende Formulierungen zu vermeiden.

Grundregeln für AGG-konforme Stellenanzeigen:

  • Verwenden Sie geschlechtsneutrale Jobtitel oder den Zusatz (m/w/d).
  • Beschreiben Sie konkrete Fähigkeiten statt vager Persönlichkeitsmerkmale.
  • Vermeiden Sie Altersangaben oder Formulierungen wie „jung und dynamisch“.
  • Konzentrieren Sie sich auf die tatsächlichen Arbeitsanforderungen.

Positive Formulierungsbeispiele

Statt „Wir suchen eine erfahrene Sekretärin“ schreiben Sie: „Wir suchen eine erfahrene Assistenz der Geschäftsleitung (m/w/d)“. Das ist inklusiv und rechtlich sicher.

Anstelle von „Berufseinsteiger willkommen“ formulieren Sie besser: „Auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger haben bei uns eine Chance“. Das klingt einladend, ohne das Alter zu erwähnen.

Anforderungsprofile richtig gestalten

Listen Sie nur Qualifikationen auf, die wirklich nötig sind. „Perfekte Deutschkenntnisse“ kann als Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund gewertet werden, wenn dies für die Stelle nicht zwingend erforderlich ist.

Besser ist es, den tatsächlichen Bedarf zu beschreiben: „Gute Deutschkenntnisse für die Kundenkommunikation“ oder „verhandlungssichere Deutschkenntnisse für Präsentationen“.

Häufige AGG-Verstöße im Bewerbungsprozess vermeiden

Die meisten AGG-Verstöße passieren unbewusst im Bewerbungsprozess. Dabei lassen sich die häufigsten Fehlerquellen mit einfachen Maßnahmen vermeiden.

Kritische Phasen im Bewerbungsprozess:

  • Stellenausschreibung und Jobportale
  • Screening der Bewerbungsunterlagen
  • Vorstellungsgespräche
  • Absagen und Begründungen

Bewerbungsunterlagen richtig bewerten

Fokussieren Sie sich beim Screening ausschließlich auf fachliche Qualifikationen. Fotos, Familienstand oder Geburtsdatum sollten keine Rolle spielen. Am besten blenden Sie diese Informationen im ersten Durchgang aus.

Erstellen Sie klare Bewertungskriterien vor dem Auswahlprozess. Das hilft dabei, objektiv zu entscheiden, und schützt vor Diskriminierungsvorwürfen.

Vorstellungsgespräche diskriminierungsfrei führen

Im Vorstellungsgespräch sind persönliche Fragen tabu. Fragen nach Familienplanung, Religion oder politischen Ansichten sind nicht erlaubt. Konzentrieren Sie sich auf berufliche Erfahrungen und fachliche Kompetenzen.

Bereiten Sie einen strukturierten Fragenkatalog vor. Das sorgt für Vergleichbarkeit und verhindert spontane, problematische Fragen.

Absagen professionell gestalten

Absagen sollten höflich und neutral formuliert sein. Vermeiden Sie Begründungen, die auf geschützte Merkmale hindeuten könnten. „Wir haben uns für eine andere Person entschieden“ reicht völlig aus.

Dokumentieren Sie Ihre Entscheidungsgründe sachlich und nachvollziehbar. Das schützt Sie, falls später Fragen aufkommen.

AGG-konformes Recruiting ist kein Hindernis, sondern eine Chance. Es hilft dabei, die besten Talente zu finden und gleichzeitig rechtliche Risiken zu minimieren. Mit den richtigen Prozessen wird Gleichbehandlung zum Wettbewerbsvorteil.

Moderne Recruiting-Lösungen wie XING Stellenanzeigen unterstützen Sie dabei, AGG-konforme Stellenanzeigen zu erstellen und den gesamten Bewerbungsprozess professionell zu gestalten. So können Sie sich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: die besten Talente für Ihr Unternehmen zu gewinnen.