Körperliche Anforderungen in Stellenausschreibungen sind ein heikles Thema. Als Arbeitgeber möchten Sie sicherstellen, dass Ihre Mitarbeiter·innen die nötigen Voraussetzungen für den Job mitbringen. Gleichzeitig müssen Sie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) beachten und Diskriminierung vermeiden. Viele kleine Unternehmen sind unsicher, wie sie körperliche Anforderungen rechtssicher formulieren können.
Die gute Nachricht: Mit den richtigen Formulierungen schützen Sie sich vor rechtlichen Problemen und finden trotzdem die passenden Talente für Ihr Unternehmen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie AGG-konforme Stellenausschreibungen erstellen, die sowohl rechtssicher als auch ansprechend für Bewerber·innen sind.
Was bedeutet AGG-konformes Recruiting für kleine Unternehmen?
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt Bewerber·innen vor Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, Behinderung oder sexueller Identität. Für kleine Unternehmen bedeutet das konkret: Sie dürfen nur Anforderungen stellen, die für die Stelle wirklich nötig sind.
Körperliche Anforderungen fallen unter den Schutz vor Diskriminierung wegen einer Behinderung. Das heißt aber nicht, dass Sie gar keine körperlichen Voraussetzungen nennen dürfen. Sie müssen nur nachweisen können, dass diese Anforderungen für die erfolgreiche Ausübung der Tätigkeit unerlässlich sind.
Kleine Unternehmen haben oft weniger Ressourcen für juristische Beratung. Deshalb ist es wichtig, die Grundregeln zu kennen. Eine AGG-konforme Stellenausschreibung schützt Sie vor kostspieligen Abmahnungen und Klagen. Gleichzeitig verbessert sie Ihr Image als fairer Arbeitgeber.
Welche körperlichen Anforderungen sind rechtlich zulässig?
Körperliche Anforderungen sind dann zulässig, wenn sie eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung darstellen. Der Job muss ohne diese Fähigkeiten nicht ordnungsgemäß ausführbar sein.
Eindeutig zulässige Anforderungen
Bei bestimmten Berufen sind körperliche Anforderungen offensichtlich nötig. Feuerwehrleute müssen schwere Ausrüstung tragen können. Pilot·innen benötigen eine gute Sehkraft. Kranführer·innen müssen körperlich in der Lage sein, präzise zu arbeiten und schnell zu reagieren.
Auch in der Logistik oder im Handwerk sind körperliche Anforderungen oft berechtigt. Wenn Ihre Mitarbeiter·innen regelmäßig 20-Kilo-Pakete heben müssen, dürfen Sie das als Voraussetzung nennen.
Grenzfälle und problematische Formulierungen
Schwieriger wird es bei Bürojobs oder Tätigkeiten, bei denen körperliche Anforderungen nicht offensichtlich nötig sind. „Belastbarkeit“ oder „körperliche Fitness“ sind zu unspezifisch und rechtlich problematisch.
Auch Anforderungen wie „gepflegtes Äußeres“ oder „repräsentative Erscheinung“ können diskriminierend sein. Sie sind nur in Ausnahmefällen zulässig, etwa bei Models oder in kundennahen Positionen mit besonderen Repräsentationsaufgaben.
Wie Sie körperliche Anforderungen diskriminierungsfrei formulieren
Der Schlüssel liegt in der präzisen und sachlichen Beschreibung der tatsächlichen Tätigkeiten. Statt vager Begriffe verwenden Sie konkrete Beschreibungen dessen, was im Job wirklich passiert.
Konkrete statt abstrakte Formulierungen
Schlecht: „Körperliche Belastbarkeit erforderlich“
Besser: „Regelmäßiges Heben und Tragen von Gegenständen bis 15 kg“
Schlecht: „Gute körperliche Verfassung“
Besser: „Arbeiten im Stehen für 6–8 Stunden täglich“
Schlecht: „Keine gesundheitlichen Einschränkungen“
Besser: „Arbeiten in wechselnden Körperhaltungen (Sitzen, Stehen, Gehen)“
Positive statt negative Formulierungen
Formulieren Sie, was jemand können muss, nicht, was er nicht haben darf. Statt „Keine Rückenprobleme“ schreiben Sie „Fähigkeit zum Arbeiten in gebückter Haltung“. Das klingt weniger ausschließend und fokussiert auf die nötigen Fähigkeiten.
Arbeitsplatzanpassungen erwähnen
Zeigen Sie, dass Sie offen für Lösungen sind: „Bei Bedarf sind Arbeitsplatzanpassungen möglich“ oder „Hilfsmittel können zur Verfügung gestellt werden“. Das signalisiert Offenheit und kann rechtlich vorteilhaft sein.
Häufige Fehler bei körperlichen Anforderungen vermeiden
Viele Unternehmen machen unbewusst Fehler, die rechtliche Probleme nach sich ziehen können. Diese Stolperfallen sollten Sie kennen und vermeiden.
Zu pauschale Ausschlüsse
Formulierungen wie „Schwerbehinderte können nicht berücksichtigt werden“ sind klar diskriminierend und rechtlich unzulässig. Auch subtilere Ausschlüsse wie „Vollständige Mobilität erforderlich“ können problematisch sein, wenn sie nicht jobspezifisch begründet sind.
Prüfen Sie jede Anforderung kritisch: Ist sie wirklich nötig für diese spezielle Stelle? Oder schließen Sie Menschen aus, die den Job mit kleinen Anpassungen genauso gut machen könnten?
Unspezifische Gesundheitsanforderungen
Begriffe wie „gesund“, „fit“ oder „leistungsfähig“ sind rechtlich problematisch, weil sie zu unkonkret sind. Jeder Mensch definiert diese Begriffe anders. Was für Sie „fit“ bedeutet, kann für andere bereits eine unzumutbare Hürde darstellen.
Beschreiben Sie stattdessen die konkreten körperlichen Tätigkeiten, die der Job erfordert. Das ist nicht nur rechtssicherer, sondern hilft auch Bewerber·innen bei der Selbsteinschätzung.
Fehlende Verhältnismäßigkeit
Die gestellten Anforderungen müssen verhältnismäßig zur Tätigkeit sein. Wenn jemand nur gelegentlich etwas heben muss, können Sie nicht die gleichen körperlichen Standards wie bei einem Umzugshelfer ansetzen.
Dokumentieren Sie, warum bestimmte Anforderungen nötig sind. Falls es zu rechtlichen Problemen kommt, müssen Sie nachweisen können, dass die Anforderungen jobspezifisch und angemessen waren.
AGG-konforme Stellenausschreibungen sind kein Hexenwerk, sondern eine Frage der richtigen Herangehensweise. Fokussieren Sie sich auf konkrete Tätigkeiten statt auf abstrakte Eigenschaften. Seien Sie präzise in Ihren Formulierungen und offen für Lösungen. So finden Sie die richtigen Talente und schützen sich gleichzeitig vor rechtlichen Problemen. Bei XING unterstützen wir Sie dabei, rechtssichere und ansprechende Stellenanzeigen zu erstellen, die genau die Bewerber·innen ansprechen, die Sie suchen.