Ein einziger zusätzlicher Satz kann darüber entscheiden, wie erfolgreich eine Stellenanzeige ist: In einem Feldexperiment der Universität zu Köln stieg die Zahl der Bewerbungen um bis zu 44 Prozent – und auch die Qualität der Kandidat-innen verbesserte sich messbar. Die Ergebnisse zeigen, wie stark bereits kleine Anpassungen im Wording den Recruiting-Erfolg beeinflussen können.
Die Studie im Überblick: So haben die Forschenden Stellenanzeigen getestet
Für die Untersuchung mit dem Titel „How to Attract Talent? Field-Experimental Evidence on Emphasizing Flexibility and Career Opportunities in Job Advertisements” testeten die Forschenden Stellenanzeigen an einem deutschen Standort eines großen europäischen Technologieunternehmens mit rund 3.000 Mitarbeitenden. Über einen Zeitraum von zwölf Monaten wurden im MINT-Bereich identische Stellen in drei Varianten veröffentlicht:
- Flexibilitätsvariante: Ein zusätzlicher Satz betonte die Möglichkeit, Arbeit und Privatleben individuell zu vereinbaren.
- Karrierevariante: Hier wurde ein Satz ergänzt. der Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten
- Kontrollvariante: Die Anzeige blieb unverändert und diente als
Vergleichsmaßstab.
So konnten die Effekte der jeweiligen Botschaften gezielt gemessen werden.
Die drei wichtigsten Erkenntnisse
Die Ergebnisse des Experiments lassen sich auf drei zentrale Punkte verdichten:
- Flexibilität erhöht die Anzahl der Bewerbungen deutlich
- Karriereversprechen verbessern die Qualität der Bewerbungen
- Berufseinsteiger•innen reagieren besonders stark auf beide Botschaften
Berufseinsteiger•innen: Welche Botschaften in Stellenanzeigen besonders wirken
Vor allem bei Berufseinsteiger-innen zeigte sich ein deutlicher Effekt. Die Karrierevariante steigerte in dieser Gruppe die Bewerbungen um 35 Prozent, die Flexibilitätsvariante sogar um 44 Prozent.
Bei berufserfahrenen Fachkräften konnten dagegen keine signifikanten Veränderungen festgestellt werden. Die Ansprache über solche Zusatzbotschaften scheint also vor allem bei jüngeren Talenten zu wirken.
Leitfaden
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Männer und Frauen anders ansprechen: Wie Stellenanzeigen bei Berufseinsteiger·innen wirken
Die Daten zeigen außerdem klare Unterschiede je nach Geschlecht:
- Die Flexibilitätsvariante führte bei Berufseinsteigerinnen zu 82,5 Prozent mehr
Bewerbungen - Die Karrierevariante zeigte bei dieser Gruppe deutlich geringere Effekte
- Bei Männern wirkte vor allem die Karrierebetonung (+41,2 Prozent), aber auch
Flexibilität (+37,5 Prozent)
Das deutet darauf hin, dass unterschiedliche Zielgruppen auf unterschiedliche Signale reagieren – ein wichtiger Hebel für zielgerichtetes Recruiting.
Welche Art von Stellenanzeige bringt bessere Bewerbungen?
Nicht nur die Anzahl, sondern auch die Qualität der Bewerbungen wurde untersucht.
Hier zeigt sich ein klares Bild:
- Die Karrierevariante erhöhte die Zahl der Bewerbungen mit „gutem Fit” nach
Aussage des Unternehmens um 56,4 Prozent - Die Zahl der Bewerbenden von renommierten Universitäten stieg um 93 Prozent
- Auch die Intervieweinladungen nahmen deutlich zu (+78,8 Prozent)
Die Flexibilitätsvariante führte zu keinem signifikanten Anstieg von Bewerbungen mit hoher Qualität und nur zu einer schwachen Zunahme von Kandidat-innen mit „gutem Fit”.
Welche Formulierungen wurden getestet?
Konkret arbeiteten die Forschenden mit zwei einfachen Ergänzungen:
- „FLEXIBILITY is very important to us! Together we look for individual solutions, so that your job does not get in the way of your personal life.” (FLEXIBILITÄT ist uns sehr wichtig! Gemeinsam suchen wir nach individuellen Lösungen, damit dein Beruf dein Privatleben nicht beeinträchtigt.)
- „GROWTH is very important to us! With us, you not only grow personally, but also your salary.” (WACHSTUM ist uns sehr wichtig! Bei uns wächst nicht nur du persönlich, sondern auch dein Gehalt)
Schon diese kurzen Zusätze reichten aus, um messbare Unterschiede zu erzeugen.
Stellenanzeigen formulieren: Was bedeutet das für die Praxis?
Die Studie zeigt: Kleine Änderungen können große Wirkung entfalten – wenn sie gezielt eingesetzt werden.
- Flexibilität betonen, wenn möglichst viele Bewerbungen generiert werden sollen
- Karrierechancen hervorheben, wenn es um besonders qualifizierte
Kandidat-innen geht - Gezielt formulieren, je nach Zielgruppe (z. B. Berufseinsteiger-innen vs. erfahrene Fachkräfte)
Gleichzeitig gilt: die Versprechen sollten nicht nur leere Worthülsen sein. Wer flexible Arbeitsbedingungen oder gute Aufstiegschancen zusichert, muss sich später an seinen Aussagen messen lassen, sonst droht langfristig ein Vertrauensverlust.
Fazit
Das Experiment macht deutlich, dass gerade junge Menschen sich nicht mehr von einfachen Stellenbeschreibungen überzeugen lassen. Um auf dem modernen Arbeitsmarkt Talente zu gewinnen, müssen Unternehmen Vorteile bieten und diese bei der Formulierung von Stellenanzeigen explizit betonen.
Zuletzt Aktualisiert: 29.04.2026