Jede zweite Person in der Agenturbranche denkt über eine Kündigung nach. Der Agency Happiness Report 2026 zeigt, woran das liegt – und wo Ihre Chancen im Recruiting liegen. Denn: Die größten Schwächen der Branche sind gleichzeitig die stärksten Argumente im Wettbewerb um Talente.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Grundsätzlich zufrieden – aber mit Einschränkungen: 68 Prozent der Beschäftigten in Agenturen sind eher glücklich, 32 Prozent eher unglücklich. Besonders schwach ausgeprägt ist das individuelle Sinnempfinden.
- Hohe Wechselbereitschaft: 50 Prozent denken ans Kündigen – deutlich mehr als im branchenübergreifenden Durchschnitt. Hauptgründe sind Gehalt und Arbeitsbelastung.
- KI wird genutzt, aber nicht strategisch verankert: 80 Prozent arbeiten regelmäßig mit KI, doch nur 16 Prozent halten ihre Agentur für wirklich KI-ready – mit deutlichen Auswirkungen auf die Zufriedenheit.
Was Menschen in Agenturen wirklich zufrieden macht
Laut Report basiert Arbeitsglück auf drei zentralen Faktoren:
- Sinnempfinden: Das Gefühl, mit der eigenen Arbeit einen Beitrag zu etwas Größerem zu leisten.
- Selbstverwirklichung: Die Chance, eigene Ideen einzubringen und sich weiterzuentwickeln.
- Gemeinschaft: Das Erleben, Teil eines Teams zu sein, das respektvoll miteinander umgeht und auch in stressigen Phasen zusammenhält.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zufriedenheit zwar gestiegen: 68 Prozent geben an, eher glücklich zu sein, der durchschnittliche Score liegt bei 6,3 von 10 (im letzten Report waren es 62 Prozent beziehungsweise ein Score von 5,9). Damit bleibt die Branche jedoch deutlich unter dem Durchschnitt anderer Wissensarbeitsbereiche (7,1).
Das zentrale Problem: fehlender Sinn
Die Faktoren Selbstverwirklichung und Gemeinschaft sind auf gleichem Niveau wie in anderen Arbeitsfeldern. Trotzdem zeigt die Studie ein beständiges Grundproblem der Branche: Das Sinnempfinden bleibt niedrig. Nur 55 Prozent empfinden ihre Arbeit als sinnvoll – verglichen mit branchenübergreifenden 73 Prozent.
Dara Osinde, CEO „Yeah but No“
„Das, was wir tun, Werbung machen, ist grundsätzlich sinnlos. Ich glaube, viele, die damit ihren Frieden machen, finden diesen in Selbstverwirklichung und Gemeinschaft.“
Was das für Ihr Recruiting bedeutet
Den Sinn der Arbeit können viele Agenturen nur begrenzt verändern. Umso wichtiger ist es, die anderen beiden Faktoren aktiv in den Vordergrund zu stellen. In der Ansprache von Talenten sollten Sie gezielt betonen:
- individuelle Entwicklungsmöglichkeiten
- kreative Freiräume
- flache Hierarchien
- Zusammenhalt im Team
Was ist der Agency Happiness Report?
Der Agency Happiness Report befragt seit 2024 jährlich 500 Menschen in Agenturen dazu, was sie bei der Arbeit glücklich macht. Er entsteht als Kooperation von awork (Software-Unternehmen), appinio (Marktforschung) und dem Bundesverband Digitale Wirtschaft.
Jede·r Zweite denkt ans Kündigen – das sind die Gründe
50 Prozent der Beschäftigten in der Agenturbranche denken darüber nach, zu kündigen. Das sind 13 Prozent mehr als der Schnitt aller Branchen.
Die wichtigsten Gründe:
- niedrige Vergütung (51 Prozent)
- zu hohe Arbeitsbelastung (50 Prozent)
- unzufrieden mit Führung (44 Prozent)
- Mangel an Anerkennung (27 Prozent)
- fehlende Aufstiegschancen (22 Prozent)
Diese Faktoren zeigen: Die Wechselbereitschaft ist das Ergebnis struktureller Probleme.
Arbeitsbelastung als entscheidender Hebel
Diese Unzufriedenheiten lassen sich in Recruiting-Potenzial umwandeln. Talente sind vor allem auf der Suche nach Positionen mit fairer Bezahlung, guter Führung und angemessener Work-Life-Balance. Das mag selbstverständlich und allgemeingültig klingen – doch vor allem die Arbeitsbelastung ist ein Faktor, der im Agenturbereich überzeugen kann.
Die Psychologin Prof. Dr. Ricarda Rehwaldt beschreibt im Report eine „Kultur der permanenten Verfügbarkeit“ in Agenturen. Genau hier liegt ein klarer Ansatzpunkt für Ihr Recruiting:
Wer glaubwürdig mit geregelten Arbeitszeiten, realistischen Workloads und besserer Planbarkeit wirbt, hebt sich deutlich vom Wettbewerb ab.
KI-Readiness: Der unterschätzte Recruiting-Faktor
Ein weiterer zentraler Hebel liegt in der technologischen Zukunftsfähigkeit: 80 Prozent der Befragten nutzen KI an mehr als drei Tagen pro Woche im Job – gleichzeitig halten nur 16 Prozent ihre eigene Agentur für wirklich KI-ready.
Diese Lücke wirkt sich deutlich auf das Arbeitsglück aus: Wer seine Agentur als „gar nicht ready“ einschätzt, bewertet seine Zufriedenheit im Schnitt mit 4,0 Punkten. Wird die eigene Organisation hingegen als „voll ready“ erlebt, steigt sie auf 7,3.
Paulina Schumann, Mitgründerin der Agentur charles & charlotte
„Es geht gar nicht um KI als solches, sondern: Wie sicher ist ein Arbeitsplatz in der Zukunft? Wie sehr werde ich gefördert? Ich glaube, Sicherheit ist ein Treiber von Glück.“
KI-Readiness steht für Jobsicherheit
KI-Readiness ist damit weit mehr als ein Technologiethema – sie ist ein Signal für Zukunftsfähigkeit und Jobsicherheit. Und genau das ist aktuell der wichtigste Faktor beim Jobwechsel:
Laut forsa Wechselwilligkeitsstudie 2026 im Auftrag von XING wünschen sich 70 Prozent der Beschäftigten bei einem Arbeitgeberwechsel Jobsicherheit – noch vor Gehalt und Führung.
Für Ihr Recruiting heißt das: Wenn Sie Ihre KI-Strategie sichtbar machen und konkret zeigen, wie Mitarbeitende davon profitieren, adressieren Sie einen der wichtigsten Entscheidungsfaktoren überhaupt.
Leitfaden
Sicherheit als Recruiting-Faktor
In diesem Leitfaden erfahren Sie:
… warum Sicherheit heute das wichtigste Entscheidungskriterium für Kandidat·innen ist.
… wie Sie Sicherheit in Stellenanzeigen und Direktansprache klar, konkret und überzeugend kommunizieren.
Fazit: Große Wechselbereitschaft, klare Recruiting-Chancen
Der Agency Happiness Report 2026 zeigt vor allem eines: Die Agenturbranche steht unter Druck – aber genau darin liegt eine enorme Chance für Ihr Recruiting. Noch nie war die Wechselbereitschaft so hoch, gleichzeitig sind die Hebel, mit denen Sie Talente überzeugen können, klar erkennbar.
Die wichtigsten Implikationen für Ihr Recruiting:
- Sinnlücke gezielt adressieren: Kommunizieren Sie Purpose dort, wo er glaubwürdig ist – oder stärken Sie bewusst Selbstverwirklichung und Gemeinschaft.
- Arbeitsbedingungen klar differenzieren: Gehalt, Führung und insbesondere Arbeitsbelastung sind keine Selbstverständlichkeiten mehr, sondern zentrale Entscheidungsfaktoren.
- KI-Readiness sichtbar machen: Zeigen Sie konkret, wie KI bei Ihnen eingesetzt wird – und wie Mitarbeitende davon profitieren. KI-Readiness steht für Zukunftsfähigkeit. Wer diese glaubhaft vermittelt, trifft einen der wichtigsten Entscheidungsfaktoren von Talenten.
- Wechselbereitschaft strategisch nutzen: Jede zweite Person ist offen für einen neuen Job – sprechen Sie diese Zielgruppe gezielt mit den identifizierten Pain-Points an.
Unterm Strich gilt: Wer die Schwächen der Branche versteht und aktiv adressiert, verschafft sich einen entscheidenden Vorteil im Recruiting.