Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt tiefgreifend. Doch wie bewerten Beschäftigte diese Entwicklung? Eine aktuelle Sonderauswertung des XING Arbeitsmarktreports 2025 liefert einen klaren Hinweis: Jede·r Sechste sorgt sich inzwischen konkret um den eigenen Arbeitsplatz. 16 % glauben, dass KI ihre Stelle gefährden könnte – im Vorjahr waren es noch 14 %. Und fast ein Drittel (29 %) geht davon aus, dass KI langfristig viele menschliche Arbeitsplätze ersetzen wird. Für die repräsentative Auswertung wurden 2.000 Erwerbstätige befragt.
Trotz dieser wachsenden Sorgen sieht die Mehrheit einen starken Einfluss von KI. Spannend dabei: Zwischen Geschlechtern und Altersgruppen gibt es deutliche Unterschiede.
KI: Chancen und Risiken aus Sicht der Beschäftigten
Viele Befragte verbinden KI mit Vorteilen. Rund ein Viertel rechnet mit besseren Entscheidungen durch Datenanalysen oder sieht Potenzial für innovative Ideen. Ebenso viele erwarten, dass KI repetitive Aufgaben automatisiert und dadurch effizientere Prozesse ermöglicht.
Gleichzeitig werden Risiken wahrgenommen: 23 % sehen ethische Herausforderungen und den Umgang mit möglichen Verzerrungen in Algorithmen kritisch. Ein Drittel glaubt, dass KI Arbeitsplätze gefährden könnte – doch nur 16 % fühlen sich selbst unmittelbar betroffen.

„KI ist längst in der Arbeitswelt angekommen. Sie verschiebt die Spielregeln und verändert, wie Menschen auf Arbeit und ihre beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten blicken.“
Dr. Julian Stahl, Arbeitsmarktexperte bei XING
Wie Personalverantwortliche KI einschätzen
Für HR-Teams ist KI sowohl Chance als auch Risiko. Rund zwei Drittel sehen deutliche Effizienzgewinne und objektivere Entscheidungen durch automatisierte Analysen. Gleichzeitig fürchten viele einen Verlust persönlicher Interaktion und mögliche Diskriminierung, wenn Algorithmen fehlerhafte Schlüsse ziehen.

Auch beim Einsatz von KI in der Talentsuche zeigt sich ein klares Bild: 62 % der Befragten geben an, dass Technologie und Tools wie KI den Recruiting-Prozess erleichtern. Konkret nutzen 37 % der Befragten KI zur Entlastung bei administrativen Aufgaben, 35 % setzen sie für die Automatisierung der Bewerbervorauswahl ein und 32 %greifen auf Matching-Algorithmen zurück.
Trotz der Sorge, KI könne die Rolle von Recruiter·innen langfristig schmälern, sind sich fast 70 % sicher, dass menschliche Faktoren im Bewerbungsprozess unverzichtbar bleiben.

„Noch ist die Zukunftsangst eher abstrakt, aber die Ergebnisse zeigen, dass sowohl die positiven als auch die negativen Auswirkungen von KI deutlicher wahrgenommen werden.“
Dr. Julian Stahl, Arbeitsmarktexperte bei XING
Männer und Frauen bewerten KI unterschiedlich
Auffällig ist die unterschiedliche Offenheit gegenüber KI: Männer erkennen häufiger Effizienzpotenziale und vertrauen stärker auf datenbasierte Entscheidungen. Zudem rechnen sie eher damit, dass KI die Anforderungen an ihre Jobs verändert. Frauen hingegen geben fast doppelt so häufig an, die Auswirkungen von KI nicht einschätzen zu können.

KI-Nutzung: Jüngere sehen mehr Chancen
Jüngere Beschäftigte blicken deutlich positiver auf KI. Die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen macht sich zwar am meisten Sorgen um ihren Arbeitsplatz (21 %), glaubt aber gleichzeitig am seltensten, dass KI viele menschliche Arbeitskräfte ersetzen wird (25 %). Jüngere Generationen erwarten außerdem häufiger Effizienzgewinne (z. B. 28 % der 18- bis 24-Jährigen vs. 14 % der 55- bis 65-Jährigen), sehen mehr Chancen für innovative Projekte (30 % der 35- bis 44-Jährigen vs. 21 % der über 45-Jährigen) und rechnen stärker mit veränderten Kompetenzanforderungen (27 % der unter 44-Jährigen vs. 11 % der über 55-Jährigen).
Mit dem Alter wächst vor allem die Unsicherheit: Während nur 10 % der Jüngsten angeben, KI nicht beurteilen zu können, sind es bei den über 55-Jährigen 19 %. Auch der wahrgenommene Weiterbildungsbedarf sinkt mit dem Alter – 23 % der 35- bis 44-Jährigen sehen eine klare Notwendigkeit zur Weiterbildung, bei den 55- bis 65-Jährigen sind es nur 15 %.

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Künstliche Intelligenz im Recruiting 2026
Weiterbildungsbedarf steigt – Unternehmen investieren wenig
Trotz der Bedeutung von KI und dem zumindest bei älteren Mitarbeitenden wahrgenommenen Weiterbildungsbedarf investieren viele Unternehmen jedoch kaum in systematische Schulungen. Nur 19 % der Unternehmen bieten regelmäßige Weiterbildungen an. Knapp drei von zehn Unternehmen gaben an, ihre Mitarbeitenden nicht im Umgang mit KI zu schulen.

Über die Studie
Für den XING Arbeitsmarktreport 2025 wurden im Juli 2025 3.500 Beschäftigte sowie 600 HR-Verantwortliche in Deutschland, Österreich und der Schweiz online befragt, darunter 2.000 Beschäftigte und 300 Recruiter·innen aus Deutschland.