Eine aktuelle forsa-Befragung im Auftrag xon XING zeigt: Die Bereitschaft zur Weiterarbeit nach dem aktuellen Renteneintrittsalter ist vorhanden – aber sie hängt von Bedingungen ab, die viele Arbeitgeber noch nicht erfüllen.
Die Debatte über ein späteres Renteneintrittsalter wird lauter. Was Beschäftigte darüber denken, hat XING gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa untersucht. Das Ergebnis ist gespalten.
44 Prozent der befragten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten können sich vorstellen, nach Erreichen des regulären Rentenalters weiterhin beruflich tätig zu sein – 11 Prozent davon sogar „auf jeden Fall”, 33 Prozent „wahrscheinlich”. Doch 50 Prozent schließen eine Weiterarbeit eher oder ganz aus.
Grundlage ist die XING Wechselwilligkeitsstudie 2026, für die forsa 3.418 abhängig Beschäftigte ab 18 Jahren in Deutschland befragt hat.
Baby Boomer am offensten, Generation X am skeptischsten
Die größte Offenheit für eine Weiterarbeit zeigt die Baby-Boomer-Generation (Geburtsjahre 1946 bis 1964): 52 Prozent von ihnen können sich grundsätzlich vorstellen, nach dem regulären Renteneintritt weiterhin zu arbeiten. 20 Prozent wollen das „auf jeden Fall”, 32 Prozent „wahrscheinlich”.
Am wenigsten offen ist die Generation X (1965–1980): 56 Prozent schließen eine Weiterarbeit über das reguläre Rentenalter hinaus eher oder klar aus. Zwischen Männern und Frauen gibt es beim Thema Weiterarbeit kaum Unterschiede – 44 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen können es sich grundsätzlich vorstellen.
Übersicht: Bereitschaft nach Renteneintrittsalter zu arbeiten
| Gesamt | Männer | Frauen | Babyboomer 1946-1964 | Gen X 1965-1980 | Gen Y 1981-1996 | Gen Z 1997-2012 |
| Wahrscheinlich/auf jeden Fall: 44 % | 44 % | 43 % | 52 % | 40 % | 44 % | 41 % |
| wahrscheinlich nicht/auf keinen Fall: 50 % | 50 % | 50 % | 43 % | 56 % | 50 % | 45 % |
Soziale Gründe vor finanziellen
Unter denjenigen, die sich eine Weiterarbeit vorstellen können, stehen nicht finanzielle Motive an erster Stelle. 67 Prozent nennen als Hauptgrund, geistig fit zu bleiben. Soziale Kontakte folgen mit 59 Prozent, persönliche Sinnerfüllung mit 52 Prozent. Finanzielle Notwendigkeit – etwa weil die monatliche Rente nicht ausreicht – landet mit 44 Prozent auf Platz vier. Flexible Arbeitszeitmodelle spielen für gut ein Drittel (35 Prozent) eine Rolle.
Ein Geschlechterunterschied zeigt sich bei den finanziellen Motiven: 51 Prozent der Frauen geben finanzielle Notwendigkeit als Grund an, bei Männern sind es 39 Prozent. Männer nennen dagegen häufiger steuerliche Anreize (23 vs. 12 Prozent) und staatliche Prämien oder Förderungen (21 vs. 10 Prozent).
XING Arbeitsmarktexperte: „Flexibilität und Sinn sind entscheidend”
Dr. Julian Stahl, Arbeitsmarktexperte bei XING, ordnet die Ergebnisse ein: „Länger arbeiten kann man politisch beschließen. Ob Menschen ihre Erfahrung gerne weiter einbringen, entscheidet sich aber im Arbeitsalltag. Wer Menschen über das Rentenalter hinaus im Arbeitsleben halten will, muss Flexibilität und Sinn bieten. Die Bereitschaft ist da – aber sie braucht die richtigen Bedingungen. Sonst wird aus einer freiwillig und hochmotiviert erbrachten Leistung nicht nur eine Verpflichtung, sondern schnell eine bloße Pflichtübung.”
Leitfaden
Generationen-Recruiting
In diesem Leitfaden erfahren Sie:
… wie sich Wechselbereitschaft und Arbeitgebertreue zwischen den Generationen unterscheiden.
… welche Faktoren Gen Z, Millennials, Generation X und Babyboomer tatsächlich zum Wechsel bewegen.
Zuletzt aktualisiert am 24. Juni 2026