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Recruiting-Wissen

Stellenbesetzung dauert länger – aber warum besetzen manche Unternehmen offene Stellen schneller als andere?

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39 Prozent der Unternehmen in Deutschland benötigen heute länger für ihre Stellenbesetzung als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig schaffen es andere Arbeitgeber, Positionen trotz derselben wirtschaftlichen Rahmenbedingungen genauso schnell oder sogar schneller zu besetzen.

Warum gelingt ihnen das? Die aktuelle Zusatzbefragung der ManpowerGroup zum Arbeitsmarktbarometer für das vierte Quartal 2026 zeigt: Der Fachkräftemangel ist nur ein Teil der Erklärung. Entscheidend ist zunehmend auch, wie schnell Unternehmen intern entscheiden, wie gut HR und Fachbereiche zusammenarbeiten und wie konsequent sie passende Talente ansprechen.

Warum dauert die Besetzung offener Stellen länger?

Fast vier von zehn Unternehmen berichten, dass die Besetzung offener Stellen heute länger dauert als vor einem Jahr. 43 Prozent sehen keine wesentliche Veränderung, während lediglich 17 Prozent von kürzeren Besetzungszeiten berichten.

Entwicklung der BesetzungszeitAnteil der Unternehmen
Länger als vor einem Jahr39 %
Unverändert43 %
Kürzer als vor einem Jahr17 %

Die Entwicklung zeigt: Für einen erheblichen Teil der Unternehmen wird Recruiting langsamer. Gleichzeitig ist die Situation nicht überall gleich.

Was sind die wichtigsten Gründe für längere Besetzungszeiten?

Fehlende Kompetenzen und zu wenige qualifizierte Talente sind die größten Hürden. Unternehmen, bei denen sich die Besetzung verlängert, nennen vor allem fehlende Kompetenzen bei Bewerbenden und die geringe Verfügbarkeit qualifizierter Kandidat·innen im lokalen Arbeitsmarkt.

Grund für längere BesetzungszeitenAnteil
Fehlende Kompetenzen bei Bewerbenden46 %
Mangelnde Verfügbarkeit qualifizierter Kandidat·innen im lokalen Arbeitsmarkt45 %
Unterschiedliche Erwartungen von Unternehmen und Bewerbenden26 %
Kontaktabbrüche durch Bewerbende im Bewerbungsprozess19 %
Weniger geeignete Kandidat·innen über Empfehlungen oder berufliche Netzwerke18 %

Der Fachkräftemangel bleibt damit eine zentrale Herausforderung. Die Ergebnisse zeigen aber zugleich: Nicht jeder Engpass entsteht außerhalb des Unternehmens.

Warum erklärt der Fachkräftemangel den Recruiting-Erfolg nicht vollständig?

Der Arbeitsmarkt ist für alle Unternehmen derselbe. Die Recruiting-Ergebnisse sind es nicht.

Genau darin liegt eine der spannendsten Aussagen der ManpowerGroup-Zusatzbefragung: Unternehmen haben einen Teil der Faktoren selbst in der Hand. Sie können beispielsweise interne Entscheidungen beschleunigen, die Zusammenarbeit verbessern oder ihre Ansprache potenzieller Kandidat·innen verändern.

Faris Bećirović, Country Manager und Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland, bringt diesen Punkt auf den Punkt: Entscheidend sei zunehmend, wie schnell Unternehmen entscheiden, wie gut interne Bereiche und externe Partner zusammenarbeiten und wie konsequent sie Kandidat·innen ansprechen.

Was machen Unternehmen anders, die Stellen schneller besetzen?

Besonders aufschlussreich ist deshalb der Blick auf Arbeitgeber, die offene Stellen heute genauso schnell oder sogar schneller besetzen als vor einem Jahr.

Sie nennen vor allem Maßnahmen, die innerhalb des eigenen Unternehmens liegen und damit unmittelbar beeinflussbar sind.

ErfolgsfaktorAnteil
Bessere Zusammenarbeit zwischen HR und Fachbereichen28 %
Schnellere interne Freigaben und Entscheidungen22 %
Gezieltere Ansprache potenzieller Kandidat·innen21 %
Flexible bzw. hybride Arbeitsmodelle21 %
Wirksamere KI-gestützte Vorauswahl von Bewerbungen21 %

Das Muster ist eindeutig: Recruiting-Erfolg hängt nicht nur vom Talentmarkt ab. Er hängt auch davon ab, wie gut ein Unternehmen intern organisiert ist.

Warum ist die Zusammenarbeit zwischen HR und Fachbereichen so wichtig?

Mit 28 Prozent steht eine bessere Zusammenarbeit zwischen HR und Fachbereichen an erster Stelle der genannten Erfolgsfaktoren.

Gerade bei schwer zu besetzenden Rollen kann die Abstimmung zwischen Recruiting und Fachbereich entscheidend sein. Wenn Anforderungen nicht klar priorisiert, Freigaben verzögert oder Entscheidungen unnötig vertagt werden, verlängert sich der Prozess unabhängig davon, wie viele passende Talente am Markt verfügbar sind.

Die ManpowerGroup-Daten legen deshalb nahe: Ein schneller Recruiting-Prozess braucht nicht nur gute Kandidat·innen, sondern auch schnelle Zusammenarbeit.

Wie viel Zeit verlieren Unternehmen durch langsame Entscheidungen?

22 Prozent der Unternehmen, die heute genauso schnell oder schneller besetzen, nennen schnellere interne Freigaben und Entscheidungen als einen wichtigen Erfolgsfaktor.

Das klingt unspektakulär, ist im Recruiting aber relevant. Gerade bei gefragten Talenten konkurrieren Unternehmen nicht nur um Qualifikationen, sondern auch um Zeit.

Wer lange braucht, um ein Anforderungsprofil freizugeben, Interviews zu koordinieren oder über ein Angebot zu entscheiden, erhöht das Risiko, dass geeignete Kandidat·innen abspringen oder sich für einen anderen Arbeitgeber entscheiden.

Warum ist eine gezieltere Ansprache von Talenten wichtiger geworden?

21 Prozent der Unternehmen mit stabilen oder schnelleren Besetzungszeiten nennen eine gezieltere Ansprache potenzieller Kandidat·innen.

Das deutet auf einen wichtigen Strategiewechsel hin: Unternehmen können sich in einem angespannten Arbeitsmarkt nicht ausschließlich darauf verlassen, dass die passenden Menschen auf eine Stellenanzeige stoßen.

Gerade bei schwer verfügbaren Kompetenzen gewinnt die aktive und zielgerichtete Ansprache an Bedeutung. Sie erweitert den Kreis potenzieller Kandidat·innen und kann Unternehmen dort sichtbar machen, wo klassische Bewerbungswege nicht ausreichen.

Welche Rolle spielen flexible und hybride Arbeitsmodelle?

Ebenfalls 21 Prozent der erfolgreicheren Arbeitgeber setzen auf flexible beziehungsweise hybride Arbeitsmodelle.

Flexibilität kann die Attraktivität einer Stelle erhöhen und zugleich den Kreis potenziell erreichbarer Talente erweitern. Das ist besonders relevant, wenn qualifizierte Fachkräfte lokal nur begrenzt verfügbar sind.

Dabei geht es nicht darum, jedes Arbeitsmodell maximal flexibel zu gestalten. Entscheidend ist, ob die angebotene Arbeitsweise zu den Erwartungen der Zielgruppe und zur Tätigkeit passt.

Wie kann KI helfen, offene Stellen schneller zu besetzen?

21 Prozent der Unternehmen, die ihre Stellen genauso schnell oder schneller besetzen, nennen wirksamere KI-gestützte Verfahren zur Vorauswahl von Bewerbungen.

Der Ansatz ist nachvollziehbar: Wenn viele Bewerbungen eingehen, kann eine effizientere Vorauswahl Zeit für Recruiting und Fachbereiche schaffen.

Dabei sollte KI nicht als Ersatz für Entscheidungen verstanden werden. Ihr Nutzen liegt vielmehr darin, wiederkehrende Aufgaben zu beschleunigen und Recruiting-Teams bei der Auswahl zu unterstützen.

Was können Unternehmen gegen lange Vakanzzeiten tun?

Die Zusatzbefragung zeigt mehrere Ansatzpunkte. Unternehmen können den Arbeitsmarkt selbst nicht verändern. Sie können aber ihre Reaktion darauf verbessern.

HerausforderungMöglicher Hebel
Zu wenige passende TalenteZielgerichtete Ansprache ausweiten
Lange interne AbstimmungenFreigaben und Entscheidungen beschleunigen
Unklare AnforderungenHR und Fachbereiche enger abstimmen
Begrenzter lokaler TalentmarktFlexible und hybride Modelle prüfen
Hoher AuswahlaufwandKI-gestützte Vorauswahl sinnvoll einsetzen
Unterschiedliche ErwartungenAnforderungen und Rahmenbedingungen klar kommunizieren

Was bedeutet der ManpowerGroup-Report für das Recruiting 2026?

Die Zusatzbefragung zeichnet ein differenziertes Bild: Recruiting wird für viele Unternehmen schwieriger, aber nicht alle Unternehmen reagieren darauf gleich.

39 Prozent benötigen länger für die Besetzung offener Stellen. Als wichtigste Gründe nennen sie fehlende Kompetenzen und die geringe Verfügbarkeit qualifizierter Talente. Gleichzeitig zeigen die Unternehmen mit stabilen oder schnelleren Besetzungszeiten, dass auch interne Faktoren entscheidend sind.

Eine bessere Zusammenarbeit von HR und Fachbereichen, schnellere Entscheidungen, gezieltere Talentansprache, flexible Arbeitsmodelle und der sinnvollere Einsatz von KI können dabei helfen, Recruiting effizienter zu machen.

Der zentrale Befund lautet deshalb:

Der Fachkräftemangel setzt die Rahmenbedingungen. Wie gut ein Unternehmen damit umgeht, entscheidet sich auch im eigenen Recruiting-Prozess.

Was sagt der XING Bewerbungsreport dazu?

Ein kleiner, passender Datenpunkt aus dem XING Bewerbungsreport 2026 unterstreicht diesen Gedanken: In Deutschland dauert es im Durchschnitt 72,2 Tage von der Erstellung eines Jobs bis zur Einstellung. Bis zur ersten Bewerbung vergehen dagegen durchschnittlich nur 3,0 Tage.

Der Befund ist für die ManpowerGroup-Ergebnisse interessant, weil er zeigt: Ein Teil der gesamten Besetzungszeit entsteht nicht allein durch die Verfügbarkeit von Talenten, sondern innerhalb des Recruiting-Prozesses. Der XING Report zeigt zudem deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Damit ergänzen sich beide Perspektiven: Der Talentmarkt ist ein Engpass. Aber auch Geschwindigkeit und Organisation im Unternehmen entscheiden darüber, wie schnell aus einer offenen Stelle eine besetzte wird.

Quelle: ManpowerGroup Deutschland, „ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometer / MEOS für Q4-2026 Zusatzbefragung“, veröffentlicht am 1. Oktober 2026. Ergänzend: XING Bewerbungsreport 2026.

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