Die Kennzahl Time-to-Hire ist eine der wichtigsten Messgrößen im Recruiting. Sie gibt an, wie viele Tage zwischen dem Bewerbungseingang und der Vertragsunterzeichnung vergehen. Eine kurze Time-to-Hire signalisiert effiziente Prozesse, Professionalität und eine positive Candidate Experience. Umgekehrt verlieren Unternehmen mit langen Einstellungsdauern oft wertvolle Kandidat·innen, da diese sich für schnellere Arbeitgeber entscheiden.
Das Wichtigste in Kürze
- Definition: Zeitraum vom Eintritt einer Bewerber·in in den Auswahlprozess bis zur Vertragsunterzeichnung
- Bedeutung im Recruiting: reduziert Kosten und stärkt die Arbeitgeber-Marke
- Berechnung: Datum der Vertragsunterzeichnung – Datum des Bewerbungseingangs
- Optimierung: klare Prozesse, digitale Tools und optimierte Abläufe – etwa durch automatisierte Vorauswahl, gebündelte Interviews, definierte Rückmeldefristen und digitale Vertragsunterzeichnung
- Guter Wert: stark abhängig von Branche; Unternehmen im DACH-Raum benötigen im Durchschnitt 70,1 Tage, um eine Stelle zu besetzen
Time-to-Hire: Definition & Ursprung
Time-to-Hire beschreibt den Zeitraum vom Eintritt einer Bewerber·in in den Auswahlprozess bis zur Vertragsunterzeichnung. Der Begriff stammt aus dem englischsprachigen HR-Bereich und ist mittlerweile international etabliert.
Eine kurze Time-to-Hire bedeutet oft einen Wettbewerbsvorteil: Sie reduziert Prozesskosten, stärkt das Employer Branding und sorgt dafür, dass neue Mitarbeiter·innen schneller produktiv eingesetzt werden können.
Abgrenzung zu ähnlichen Kennzahlen
Im Recruiting existieren verwandte Kennzahlen:
- Time-to-Fill misst den Zeitraum von der Genehmigung der Stelle bis zur Besetzung
- Hiring Velocity beschreibt die Geschwindigkeit der Besetzung offener Positionen
Die Time-to-Hire konzentriert sich ausschließlich auf die Phase ab Bewerbungseingang.
Time-to-Hire berechnen – so geht‘s
Um die Dauer zu ermitteln, ziehen Sie das Datum des Bewerbungseingangs von dem Datum der Vertragsunterzeichnung ab. Wichtig ist eine klare Definition der Start- und Endpunkte:
- Ende: Unterzeichnung des Arbeitsvertrags
- Start: Eingang der Bewerbung für eine konkrete Stelle
Beispiel: Geht die Bewerbung am 1. März ein und wird der Vertrag am 22. März unterschrieben, beträgt die Time-to-Hire 21 Tage.

Faktoren, die die Time-to-Hire beeinflussen
Mehrere Dimensionen bestimmen die Dauer Ihres Einstellungsprozesses:
- Komplexe interne Abstimmungen: Wenn mehrere Abteilungen im Auswahlprozess beteiligt sind, verlängert sich die Dauer spürbar, da mehr Schnittstellen koordiniert werden müssen.
- Recruiting-Kanäle: Ein ausgewogener Mix aus Jobbörsen, Active Sourcing und Empfehlungsprogrammen beschleunigt den Prozess, während einseitige Kanalauswahl ihn oft verlangsamt.
- Kommunikation mit Bewerber·innen: Verzögerte oder unklare Rückmeldungen senken Motivation und Bindung, was zu längeren Verfahren oder sogar Bewerbungsabbrüchen führen kann.
- Verfügbarkeit von Entscheider·innen: Eng getaktete Interviewtermine und schnell erreichbare Entscheidungsträger verkürzen die Zeit bis zur finalen Zusage.
- Effiziente Terminplanung: Gut koordinierte Interviewabläufe vermeiden Leerlauf zwischen Prozessschritten und reduzieren die Gesamtbesetzungszeit.
Schritt für Schritt die Time-to-Hire verbessern
Schritt 1: Analyse der aktuellen Recruiting-Situation
Am Anfang steht eine detaillierte Untersuchung des bestehenden Bewerbungs- und Auswahlprozesses. Der gesamte Ablauf – vom Bewerbungseingang bis zur Vertragsunterzeichnung – sollte vollständig erfasst werden. Dabei ist entscheidend, genau zu identifizieren, an welchen Stellen es zu Zeitverlusten kommt und welche Ursachen dahinterstehen. Diese Analyse bildet die Grundlage für alle weiteren Optimierungen.
Schritt 2: Engpässe und Verzögerungen identifizieren
Nach der Analyse gilt es, die gefundenen Schwachstellen systematisch zu benennen. Dazu gehören lange Kommunikationswege, unklare Verantwortlichkeiten oder überflüssige Entscheidungsschritte. Für jede Prozessphase sollten konkrete Punkte definiert werden, an denen Zeit eingespart oder der Ablauf vereinfacht werden kann.
Schritt 3: Technologie gezielt einsetzen
Der Einsatz geeigneter Software, insbesondere eines Applicant Tracking Systems (ATS), kann die Prozessgeschwindigkeit deutlich erhöhen. Ein ATS zentralisiert Bewerbungsdaten, erleichtert die Abstimmung zwischen HR und Fachabteilungen und übernimmt viele administrative Aufgaben automatisch. So lassen sich Koordinationsaufwand und Fehlerquote verringern.
Schritt 4: Klare Vorqualifizierungskriterien festlegen
Gemeinsam mit den Fachbereichen sollten eindeutige Muss- und Kann-Anforderungen definiert werden. Diese vereinfachen die Vorauswahl und verhindern, dass ungeeignete Profile zu lange im Prozess bleiben. Standardisierte Bewertungsmethoden unterstützen dabei, eine schnelle und objektive Entscheidung zu treffen.
Schritt 5: Talentpool aufbauen und pflegen
Ein gut strukturierter Talentpool stellt sicher, dass potenziell passende Kandidat·innen sofort erreichbar sind, wenn neue Positionen ausgeschrieben werden. Darin sollten Profile gespeichert werden, die zwar für eine aktuelle Position nicht ausgewählt wurden, jedoch für künftige Vakanzen in Frage kommen. Ein gepflegter Talentpool verkürzt die Recruiting-Zeiten erheblich.
Schritt 6: HR-Team gezielt schulen
Einheitliche Prozesse und klare Standards im Recruiting entstehen durch Schulungen aller beteiligten HR-Mitarbeiter·innen. Themen wie ATS-Nutzung, strukturierte Interviewführung und effiziente Kommunikation mit Kandidat·innen sorgen dafür, dass der Prozess insgesamt schneller und reibungsloser abläuft.
Wer diese sechs Schritte konsequent umsetzt, kann seine Time-to-Hire spürbar reduzieren. Die Kombination aus Analyse, Beseitigung von Engpässen, Einsatz moderner Technologie, klaren Auswahlkriterien, einem gut gepflegten Talentpool und gezielter Schulung des HR-Teams stellt sicher, dass Effizienz und Qualität im Auswahlverfahren gleichzeitig gesteigert werden.
Aktuelle Benchmarks in Deutschland (2024/2025)
Der XING Bewerbungsreport 2025 zeigt: Unternehmen im DACH-Raum benötigen im Durchschnitt 70,1 Tage, um eine Stelle zu besetzen – gerechnet vom Zeitpunkt der Veröffentlichung der Stellenanzeige bis zur Vertragsunterzeichnung.
Die Dauer variiert dabei stark nach Branche. Besonders lange Verfahren finden sich in IT- und Ingenieurberufen, wo komplexe Anforderungen und sorgfältige Auswahlprozesse die durchschnittliche Time-to-Hire auf über 86 Tage anheben. Auch Blue-Collar-dominierte Industriezweige wie Maschinenbau sowie Transport und Logistik liegen mit rund 84,9 Tagen deutlich über dem Durchschnitt.
Branchen mit hohen kreativen oder serviceorientierten Anteilen arbeiten hingegen schneller: Gastronomie und Tourismus bringen es im Schnitt auf gut 53,7 Tage, während Personldienstleistungen (50,2 Tage) der Kunstbereich (42,9 Tagen) die kürzesten Besetzungszeiten im Report vorweist.

XING Bewerbungsreport 2025
Wie effektiv gestalten deutsche Unternehmen ihr Recruiting? Im XING Bewerbungsreport 2025 wurden Millionen von Bewerbungen der letzten zwei Jahren analysiert.
Häufige Fehler im Umgang mit der Time-to-Hire
Im Recruiting kommt es immer wieder zu typischen Fehlern, die den Einstellungsprozess unnötig verlängern und die Time-to-Hire erhöhen. Viele davon lassen sich leicht vermeiden, wenn sie einmal bewusst erkannt werden:
- Unklare Zuständigkeiten: Wenn nicht klar geregelt ist, wer für welche Schritte im Auswahlprozess verantwortlich ist, entstehen Verzögerungen und unnötige Rückfragen.
- Zu lange Abstimmungswege: Mehrere Genehmigungsebenen oder endlose interne Meetings bremsen die Entscheidungsfindung deutlich aus.
- Fehlende Automatisierung: Ohne digitale Tools und automatisierte Abläufe müssen HR-Mitarbeiter·innen viele Schritte manuell durchführen – das kostet Zeit und erhöht die Fehlerquote.
- Langsame Kommunikation mit Bewerber·innen: Wenn Rückmeldungen auf Bewerbungen oder Zwischenschritte im Prozess zu lange dauern, sinkt die Akzeptanzrate und Kandidat·innen entscheiden sich oft für schnellere Arbeitgeber.
Durch die gezielte Beseitigung dieser Bremsfaktoren lässt sich die Time-to-Hire deutlich verkürzen. Ein strukturierter Prozess, klar definierte Zuständigkeiten und ein transparentes Kommunikationstempo helfen, Top-Talente schneller für Ihr Unternehmen zu gewinnen.
10 Sofortmaßnahmen für schnellere Einstellungen
- Klare Rückmeldefristen definieren: Bewerber·innen sollten zeitnah Antwort erhalten.
- Interviewtermine bündeln: Mehrere Gespräche an einem Tag beschleunigen Entscheidungen.
- Stellenausschreibung optimieren: Präzise Anforderungen sparen Auswahlarbeit.
- Vorauswahl automatisieren: Digitale Tools erkennen passende Bewerber·innen schneller.
- Talentpool pflegen: Direkter Zugriff auf geprüfte Kandidat·innen spart Zeit.
- Entscheidungswege verkürzen: Weniger Genehmigungsschritte bedeuten kürzere Dauer.
- Verantwortlichkeiten klar festlegen: Klare Rollen verhindern Doppelarbeit.
- Digitale Vertragsunterzeichnung nutzen: Spart Postweg und Wartezeit.
- Monatliches Reporting: Regelmäßige Analyse zeigt Fortschritte oder Rückschritte.
- Branchenbenchmarks vergleichen: So erkennen Sie, wo Sie stehen.
Zukunftstrends und ihr Einfluss auf die Time-to-Hire
Die kommenden Jahre bringen neue Möglichkeiten, die Time-to-Hire drastisch zu senken. Digitale Innovationen und veränderte Arbeitsmodelle schaffen nicht nur schnellere Prozesse, sondern verbessern gleichzeitig die Candidate Experience. Unternehmen, die diese Entwicklungen früh aufnehmen, positionieren sich klar vor der Konkurrenz:
Künstliche Intelligenz für Sofort-Analysen
KI-Systeme erkennen innerhalb von Sekunden die passendsten Bewerber·innen, indem sie Lebensläufe, Portfolio-Daten und Online-Präsenzen analysieren. Das spart Tage oder sogar Wochen im Screening-Prozess und reduziert die Zeit bis zur Einladung ins Interview.
Predictive Hiring Analytics
Mit datenbasierten Prognosen lässt sich abschätzen, wie lange ein Einstellungsprozess voraussichtlich dauern wird. Engpässe werden so früh erkannt, dass HR-Teams aktiv gegensteuern und die Time-to-Hire verbessern können.
Automatisierte Candidate Journeys
Chatbots und smarte Bewerbungsplattformen übernehmen Terminvorschläge, Erinnerungen und Feedback automatisch. Diese Automatisierung verhindert Leerlaufphasen im Bewerbungsprozess und trägt direkt dazu bei, Zwischenstopps zwischen Bewerbung, Gespräch und Entscheidung zu verkürzen.
Gamification für effiziente Qualifikationsprüfung
Interaktive Online-Tests prüfen Fähigkeiten und kulturelle Passung spielerisch, aber präzise. Das erlaubt eine Sofortauswertung und spart Zeit gegenüber klassischen Assessment-Centern.
Jeder dieser Trends kann Ihre Time-to-Hire signifikant reduzieren – teils um ganze Wochen. Wer Technologien gezielt einsetzt, schafft nicht nur schnellere Einstellungen, sondern auch ein modernes, attraktives Bewerber·innen-Erlebnis, das Talente dazu bringt, schneller „Ja“ zu sagen.
Integration der Time-to-Hire ins HR-Reporting
Die Time-to-Hire ist besonders aussagekräftig, wenn sie mit anderen Kennzahlen kombiniert wird:
- In Verbindung mit Cost-per-Hire erkennen Unternehmen die finanziellen Auswirkungen der Prozessdauer.
- Zusammen mit Quality-of-Hire lässt sich prüfen, ob die Schnelligkeit die Auswahlqualität beeinflusst.
Regelmäßiges Monitoring dieser Werte sorgt dafür, dass Optimierungen nachhaltig wirken.

KPIs im Recruiting
Erfahren Sie, wie Ihr Reporting zum Erfolg wird, wenn Sie die richtigen KPIs wie die Time-to-Hire im Blick behalten.
FAQs zu Time-to-Hire
Was ist ein guter Wert für die Time-to-Hire?
Generell gilt: Alles unter dem Branchendurchschnitt ist ein Vorteil. Die verschiedenen Branchenbenchmarks für 2025 finden Sie im XING Bewerbungsreport.
Was unterscheidet Time-to-Hire von Time-to-Fill?
Die Time-to-Fill beginnt mit Stellengenehmigung, Time-to-Hire erst mit Bewerbungseingang.
Beeinflusst eine kurze Time-to-Hire das Employer Branding?
Ja. Schnelle Prozesse wirken professionell und wertschätzend gegenüber Bewerber·innen.
Welche Tools helfen bei der Messung?
ATS-Systeme wie der onlyfy Bewerbungsmanager, integrierte HR-Reporting-Software oder sogar einfache Tabellen, sofern konsequent gepflegt.
