Es geht los! Die Generation Alpha, geboren ab 2010, wächst in Deutschland ab 2026 spürbar in Ausbildung und Praktika hinein. Aber Achtung: Die jungen Menschen zwischen 0 und 16 sind nicht einfach die „Gen Z in jünger“. Sie sind mit Smartphone, Streaming, Gaming und KI so selbstverständlich aufgewachsen, dass „digital“ für sie kein Kanal ist, sondern Normalzustand. Sie sind „Digital by default“. Daraus lassen sich auch für das Recruiting von Auszubildenden wertvolle Erkenntnisse ableiten.
Ein Gastbeitrag von Florian Grösch.
So verändert die Generation Alpha das Azubi–Recruiting
Wer Azubi-Recruiting bisher als „wir brauchen mehr Reichweite und ein bisschen Social Media“ verstanden hat, wird bei dieser Zielgruppe schnell merken, dass mehr Reichweite zu kurz gedacht ist. Denn die Alphas sind mit personalisierten, digitalen Umgebungen aufgewachsen. Sie sind es gewohnt, dass Informationen schnell verfügbar und auf sie speziell zugeschnitten sind, dass Dinge intuitiv funktionieren und dass Kommunikation kein Monolog ist, sondern Interaktion.
Das klingt zunächst nach einer reinen Online-Thematik. Ist es aber nicht. Um die Gen Alpha zu begeistern, braucht es ein Zusammenspiel aus digitaler Sichtbarkeit, echten Begegnungen und einem Prozess, der Jugendliche nicht überfordert.
Dazu kommt ein Faktor, den viele Recruiting-Teams unterschätzen: Eltern, Freunde, Lehrkräfte und das direkte Umfeld sind in dieser Altersphase nicht nur „Einfluss“, sondern oft der entscheidende Verstärker.

Wer schreibt hier?
Florian Grösch ist Senior Expert Recruiting Solutions bei der Personalmarketing-Agentur Raven51 mit strategischer als auch operativer Führungserfahrung im Bereich Data Driven Recruiting.
Geben Sie Orientierung oder nur Informationen?
Viele Unternehmen liefern online „nur“ Informationen. Ausbildungsberufe, Anforderungen, Benefits, Bewerbungsfrist, Ansprechpartner. Jugendliche stehen aber am Anfang einer Entscheidung, die sich für sie groß anfühlt. Sie fragen sich nicht nur, ob sie die Anforderungen erfüllen. Sie fragen sich, ob sie sich das zutrauen, ob sie dort überhaupt reinpassen.
Orientierung entsteht erst, wenn ein Unternehmen diese Fragen aktiv beantwortet. Nicht in Form einer endlos langen Stellenanzeige mit viel Fließtext und Bulletpoints, sondern in kleinen, klaren Bausteinen, die man schnell versteht. Sie beschreiben den Arbeitsalltag, Ausbildungsabläufe, Hilfestellungen, Feedbackprozesse usw. Gebündelt zum Beispiel auf einer Job-Landingpage und verteilt auf verschiedene Plattformen mit zielgruppenspezifischem Content.
„Karrierechancen“ zum Beispiel, ist ein abstrakter Begriff. Wer aber in kurzen Videos zeigt, wie Entwicklung konkret aussieht, wird glaubwürdig. Das kann ein einfacher Ausbildungsfahrplan sein, echte Beispiele von Azubis, kurze Einblicke in Projekte oder ein transparenter Blick auf typische Stolperstellen.
Keine Angst: Es muss nicht für jeden die Sonderlocke sein
Die Gen Alpha ist mit Personalisierung auf mehreren Ebenen groß geworden. Mit dem klischeehaften Ergebnis, dass der Glaube vorherrscht, junge Menschen seien nicht anpassungsfähig und brauchen ständig eine Sonderbehandlung. Das heißt aber nicht, dass jedes Unternehmen im Recruiting oder der Ausbildung selbst ein individuelles „Programm“ für jede Person bereitstellen muss. Es bedeutet, dass Wahlmöglichkeiten sichtbar werden und dass man nicht so tut, als gäbe es nur den einen richtigen Weg.
Viele Jugendliche wollen ausprobieren, bevor sie sich festlegen. Wenn Ausbildung als starres Modell kommuniziert wird, wirkt das schnell wie ein Risiko. Wenn Unternehmen dagegen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt im Recruiting zeigen, dass Entwicklung auch in Etappen funktioniert, sinkt die Hürde.
Das kann sehr praktisch aussehen. Zum Beispiel über Schnuppertage, kurze Praktika, Projektwochen oder Formate, in denen Jugendliche mehrere Bereiche kennenlernen. Oder über Ausbildungsmodelle, die über die Ausbildungszeit hinaus gehen und Optionen für eine Übernahme einhalten. Natürlich auch mit Spezialisierungen oder Zusatzqualifikationen. Diese Möglichkeiten im eigenen Unternehmen zu eruieren ist da ein erster Schritt.
Und Personalisierung funktioniert auch im Kleinen. Wahlmöglichkeiten bei Mobilität, Verpflegung, Lernformaten oder Zusatzangeboten sind nicht nur „Benefits“. Sie signalisieren: Hier wird der einzelne Mensch gesehen. Wie aber bringt man diese Informationen so zur Zielgruppe, dass sie sie bemerkt und im besten Fall begeistert.
Content muss so sein, dass ihn Kandidat·innen an ihre Freunde schicken würden
Kurze Videos, kleine Foto-Text-Formate, Einblicke hinter die Kulissen, Mini-Interviews, kurze Erklärstücke: Das sind Formate, die die Gen Alpha aus dem Effeff kennt, die sie abholen und mitnehmen. Und die sich schnell und einfach im unternehmerischen Alltag herstellen lassen. Entscheidend ist nicht die Produktionsqualität, sondern die Anschlussfähigkeit. Jugendliche wollen sehen, wie es wirklich ist. Wie Teams miteinander umgehen. Wie Arbeitsplätze aussehen. Wie Lernen im Betrieb funktioniert. Das ist die notwendige Authentizität für die Gen Alpha.
Ein guter Test ist simpel: Gehen Sie auf die Auszubildenden zu, die bereits bei Ihnen arbeiten und fragen Sie: „Würdet du diesen Clip auch einem Freund schicken, ohne euch zu schämen?“ Wenn ja, läuft vieles richtig.
Schauen Sie bitte auch über den jobspezifischen Tellerrand hinaus und erläutern Sie den Bewerbungsprozess („Wie läuft ein Vorstellungsgespräch?“) oder welche Schulfächer besonders relevant sind („Brauche ich Mathe“).
Apropos Bewerbungsprozess: Die Gen Alpha ist an intuitive digitale Abläufe gewöhnt. Wenn der Bewerbungsprozess kompliziert ist, schlecht mobil funktioniert oder lange Funkstille produziert, steigt das Abbruchrisiko. Und zwar nicht erst am Ende, sondern schon am Anfang. Geduld ist einfach nicht das Ding der Alphas.
Ein guter Prozess fühlt sich hingegen an wie ein Dialog (gerne auch per WhatsApp). Schritt für Schritt. Erst Interesse, dann Kontakt, dann ein kurzes Gespräch, dann ein Kennenlernen im Betrieb, dann die formale Bewerbung. Wer schnell reagiert, zeigt: Wir nehmen Bewerber·innen ernst. Wer langsam reagiert, wirkt unorganisiert oder desinteressiert. Beides ist Gift, wenn man junge Menschen gewinnen will, die ohnehin viele Optionen prüfen und stark über Bauchgefühl entscheiden.
Leitfaden
Generation Alpha Recruiting
In diesem Leitfaden erfahre Sie:
… welche Eigenschaften und Bedürfnisse charakteristisch für die Generation Alpha sind.
… wieso digital-first ebenso wichtig ist wie das Umfeld.
Außen hui, innen pfui?
Das ist der Punkt, an dem viele Kampagnen scheitern. Nicht, weil die Anzeigen schlecht sind, sondern weil die Realität im Betrieb die Versprechen nicht einlöst. Grundsätzlich gilt der fürs Recruiting allgemein gültige Vorsatz auch hier: Versprechen Sie nach außen nichts, was Sie innen nicht halten können. Weder auf der Karriereseite, in Stellenanzeigen oder in Social Media.
Jugendliche achten stark auf Themen wie Sinn, Nachhaltigkeit, Respekt, moderne Arbeitsumgebung und Entwicklung. Abgeleitet aus Alltagserfahrungen.
Wie spricht ein Ausbilder mit mir? Wie wird Feedback gegeben? Wie wird mit Fehlern umgegangen? Aber auch: Wie transparent sind Entscheidungen.
Wenn Unternehmen hier gut aufgestellt sind, muss man das nicht aufblasen. Man muss es nur gut kommunizieren. Und falls man hier noch Lücken hat, ist das kein Grund, nicht zu starten. Es bedingt allerdings paralleles Arbeiten an beiden Enden.
Ein weiterer Hebel ist die digitale Arbeitskultur. Jugendliche erwarten nicht, dass alles „Hightech“ ist. Aber sie merken, ob ein Unternehmen grundsätzlich anschlussfähig ist. Nur ein Beispiel: Künstliche Intelligenz. Sie zu nutzen, ist für die Alphas ein Standardprozedere im digitalen Alltag. Die Erwartung an Arbeitgeber ist deshalb oft: Ich kann dort KI vielfältig für meine Arbeit einsetzen. Diese einzuführen und rechtssicher nutzbar zu machen, ist tatsächlich ein längerfristiger und aufwändiger Prozess.
Allerdings einer, der sich auf mehreren Ebenen lohnt, nicht nur für die Jüngsten im Betrieb.
Lunch Session: Wir sind anders! GenAlpha in der Arbeitswelt
Sie wollen mehr Einblicke gewinnen, wie Sie die Generation Alpha für Ihr Unternehmen gewinnen? Dann schauen Sie jetzt die 30-minütige Lunch-Session der New Hiring Academy mit Florian Grösch.
Zur Aufnahme
Offline ist ein Vertrauensbeschleuniger
Der Fokus in der Ansprache von Azubis liegt, klar, auf Online. Berufsmessen, Schulkooperationen, Praktika, Zusammenarbeit mit Vereinen klingen erstmal nach verstaubtem, klassischem Ausbildungsmarketing. Aber gerade diese Formate bekommen gerade wieder mehr Gewicht, weil sie etwas liefern, das digital nur schwer zu ersetzen ist: Live-Begegnungen.
Wichtig ist dabei, dass offline nicht als „Flyer-Verteil-Event“ gedacht wird, sondern interaktiv. Die Jugendlichen wollen ausprobieren, fragen, sehen, wie Menschen reagieren. Ein Messe-Stand etwa, an dem nur HR sitzt und Prospekte auslegt, ist selten überzeugend. Ein Stand, an dem Azubis erzählen, etwas zeigen, eine kleine Aufgabe anbieten oder einen Mini-Workshop machen, funktioniert deutlich besser.
Und offline wirkt besonders stark, wenn es digital weitergeführt und verknüpft wird. Ein QR-Code, der zu einem kurzen Video führt, das genau die häufigsten Fragen beantwortet. Ein einfacher Weg, einen Schnuppertag zu buchen. Solche Dinge bilden eine stabile Brücke zwischen beiden Welten.
Außerdem darf man die Rolle des Umfelds nicht kleinreden. Eltern und Familie sind in dieser Phase oft die wichtigsten Gesprächspartner. Das heißt nicht, dass man „Elternmarketing“ machen muss. Es heißt, dass man auch für Erwachsene verständlich erklärt, wie Ausbildung im Unternehmen funktioniert, wie Betreuung aussieht, wie Sicherheit und Entwicklung zusammengehen und wie man mit Problemen umgeht.
Und nicht zuletzt sind es auch die Eltern, die Ihren Kindern Ausbildungsangebote weiterleiten, auf die sie aufmerksam geworden sind. Früher waren es die Stellenanzeigen in der Zeitung, die die Eltern umkringelt und dem Nachwuchs vorgelegt haben. Heute werden TikToks, Insta-Reels und Facebook-Stories weitergeleitet. Das Prinzip bleibt das Gleiche.
Der rote Faden: Macht es Jugendlichen leicht, sich ein echtes Bild zu machen
Wenn man alles zusammenfasst, geht es im Ausbildungsmarketing für die Generation Alpha um einen roten Faden: Jugendliche wollen sich ein Bild machen und dass man für sie den Nebel lichtet, durch den sie sich sonst durchkämpfen müssten.
Sie wollen sehen, wie Arbeit in Ihrem Unternehmen aussieht. Sie wollen verstehen, wie Lernen funktioniert. Sie wollen wissen, wer sie begleitet. Sie wollen spüren, dass Kultur und Kommunikation respektvoll sind. Sie wollen Perspektiven erkennen, ohne dass man ihnen eine perfekte Karriere vorgaukelt. Und sie wollen Prozesse, die nicht unnötig kompliziert sind.
Wer jetzt die Candidate Journey vereinfacht, Orientierung bietet, echte Einblicke schafft, offline und online klug verbindet und intern an den entscheidenden Stellschrauben dreht, baut sich einen Vorsprung auf, der nicht nach einer Saison wieder weg ist. Denn das ist kein Kampagnentrick. Das ist ein insgesamt besseres System.
Zuletzt aktualisiert: 16.04.2026