Das Wichtigste zuerst: Die XING Wechselwilligkeitsstudie 2026 (Befragungszeitraum: Dezember 2025 bis Januar 2026, n = 3.418) zeigt eine Verschiebung der Prioritäten der Arbeitnehmer·innen in Deutschland. Gen Z fokussiert sich auf Gehalt und Karriere, ältere Generationen suchen Sicherheit und gute Führung. Jobsicherheit gewinnt generationenübergreifend mit Werten zwischen 58 % und 75 % als wichtiges Kriterium auf der Wunschliste an neue Arbeitgeber an Bedeutung. Diese Entwicklung ist primär durch die anhaltende Wirtschaftsflaute, technologischen Fortschritt und geopolitische Spannungen bedingt, analysiert XING Arbeitsmarktexperte Dr. Julian Stahl.
Inhalt
Generationenvergleich: Prioritäten und Motive beim Jobwechsel
Was bewegt Menschen zu einem Jobwechsel und was hält sie im Unternehmen? Die Antworten fallen je nach Generation unterschiedlich aus. Genau darin liegt für Sie als Arbeitgeber ein wichtiger Hebel: Wenn Sie die jeweiligen Prioritäten kennen, können Sie Recruiting-Prozess, Ansprache und Bindungsmaßnahmen gezielter ausrichten.
| Kategorie | Generation Z (1997–2012) | Millennials (1981–1996) | Generation X (1965–1980) | Babyboomer (1946–1964) |
|---|---|---|---|---|
| Wechsel-bereitschaft | 44 % | 40 % | 29 % | 17 % |
| Primärer Bleibegrund | Kollegialität (67 %) | Jobsicherheit (66 %) | Aufgaben (62 %) | Jobsicherheit (66 %) |
| Wunsch an neuen Arbeitgeber | Sicherer Job (73 %) | Sicherer Job (70 %) | Sicherer Job (75 %) | Sinnhaftigkeit (65 %) |
| Top-Wechselgrund | Gehalt (55 %) | Karrierechancen (47 %) | Stresslevel (41 %) | Stresslevel (35 %) |

Wie hat sich die Wechselwilligkeit zuletzt entwickelt?
Für Arbeitgeber ist das eine wichtige Entwicklung: Zwar sind vor allem jüngere Generationen weiterhin überdurchschnittlich offen für einen Jobwechsel, doch die Dynamik nimmt ab. Die Grafik zeigt, dass die Wechselwilligkeit bei Gen Z und Millennials zuletzt gesunken ist, während ältere Beschäftigte insgesamt auf einem deutlich niedrigeren Niveau bleiben.

Wie reagiert die Generation Z auf knapper werdende Aufstiegschancen?
Die Generation Z (Jahrgänge 1997–2012) bleibt am offensten für einen Jobwechsel (44 %), legt aber dennoch hohen Wert auf einen langfristig sicheren Job (73 %). Bei der Abwägung bevorzugen 70 % mehr arbeitsfreie Zeit gegenüber einem höheren Gehalt.

Dr. Julian Stahl, XING Arbeitsmarktexperte
Die Generation Z entscheidet eher situativ und ist auf der Suche nach der besten Lösung für ihre Bedürfnisse. Da aktuell in vielen Unternehmen die Aufstiegsmöglichkeiten knapper werden, können Unternehmen bei jungen Talenten mit Wachstumschancen punkten. Obwohl sie überdurchschnittlich wechselbereit sind, legen sie trotzdem Wert auf einen langfristig sicheren Job.
Welche Faktoren binden Millennials langfristig an Unternehmen?
Millennials (Jahrgänge 1981–1996) sind zwar überdurchschnittlich offen für einen Jobwechsel (40 %), zeigen jedoch eine sinkende Tendenz (2024: 47 %). Fehlende Aufstiegschancen (47 %) und ein zu niedriges Gehalt (44 %) treiben hier die Fluktuation.

Dr. Julian Stahl, XING Arbeitsmarktexperte
Für Millennials entscheidet nicht ein einzelner Faktor, sondern das Zusammenspiel: Sie sind zwar vorsichtiger geworden, aber weiterhin überdurchschnittlich offen für einen Wechsel. Treiber dafür sind vor allem fehlende Entwicklungsperspektiven und zu niedriges Gehalt. Wer sie an sich binden will, muss ihnen Angebote machen, die langfristig tragfähig sind.
Was bewegt die Generation X zum Jobwechsel?
Für die Generation X (Jahrgänge 1965–1980) ist die Arbeitslast ein kritischer Faktor: Ein hohes Stresslevel ist für 41 % der Hauptgrund, den Arbeitgeber verlassen zu wollen. Jobsicherheit ist für 75 % dieser Gruppe das wichtigste Kriterium bei der Wahl eines neuen Unternehmens.

Dr. Julian Stahl, XING Arbeitsmarktexperte
In der Mitte des Arbeitslebens wird Substanz entscheidend: interessante Aufgaben, realistische Arbeitslast und gute Führung. Wechselabsichten entstehen weniger aus einem grundsätzlichen Wunsch nach Veränderung heraus, sondern vor allem dann, wenn die bestehenden Rahmenbedingungen wie erhöhte Belastung im Arbeitsalltag als nicht mehr dauerhaft tragfähig wahrgenommen werden.
Studie
Generationen-Recruiting
In diesem Leitfaden lernen Sie:
… welche Faktoren die Generationen tatsächlich zum Jobwechsel bewegen.
… wie Sie Ihre Recruiting-Strategie differenzieren.
Wonach suchen Babyboomer im aktuellen Arbeitsmarkt?
Die Generation der Babyboomer (Jahrgänge 1946–1964) weist mit 17 % eine konstante, aber niedrige Bereitschaft zum Jobwechsel auf. Für sie hat die Relevanz einer sinnstiftenden Tätigkeit stark zugenommen (65 %; 2025: 51 %).

Dr. Julian Stahl, XING Arbeitsmarktexperte
Erfahrene Beschäftigte wechseln selten – aber sehr gezielt. Bei den Babyboomern zeigt sich besonders deutlich, wie stark sich Prioritäten im Verlauf des Berufslebens verschieben: Es geht weniger um Veränderung, sondern um ein stabiles Gesamtgefüge aus verlässlichen Rahmenbedingungen, guter Führung und einer Tätigkeit, die als sinnvoll erlebt wird. Wer das berücksichtigt, sichert sich wertvolles Erfahrungswissen.
Fazit
Die Studie macht deutlich: Der Jobwechsel lässt sich nicht sinnvoll mit pauschalen Generationenbildern erklären. Zwar unterscheiden sich die Prioritäten von Gen Z, Millennials, Generation X und Babyboomern in wichtigen Punkten, etwa bei Gehalt, Karrierechancen, Sinn oder Jobsicherheit. Doch zeigen sich generationenübergreifend auch klare Gemeinsamkeiten: Verlässliche Rahmenbedingungen, gute Führung und ein sicherer Arbeitsplatz bleiben für viele Beschäftigte zentral.
Für Sie als Arbeitgeber bedeutet das: Wer Talente gewinnen und Mitarbeiter·innen langfristig binden will, sollte weder auf Klischees noch auf Standardangebote setzen. Gefragt sind differenzierte Strategien, die sowohl gemeinsame Erwartungen als auch lebensphasenspezifische Bedürfnisse berücksichtigen. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung und die Chance: Arbeitgeber, die genauer hinhören und passgenauer handeln, erhöhen nicht nur ihre Attraktivität, sondern verbessern auch ihre Bindungskraft in einem anspruchsvollen Arbeitsmarkt.
Über die Studie:
forsa-Online-Umfrage im Dezember 2025 und Januar 2026 unter 3.418 volljährigen, sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen (Arbeitende und Angestellte) in Deutschland im Auftrag von XING.
Die forsa-Studie zur Wechselbereitschaft im Auftrag von XING wird seit 2012 erhoben. Sie befasst sich mit Themen wie der Arbeitszufriedenheit und der Wechselbereitschaft von Beschäftigten sowie den Wünschen von Beschäftigten an Arbeitgeber. Zum Studiendesign gehört dabei ein modularer Fragebogen mit einem festen, wiederkehrenden Fragenteil für den Zeitvergleich sowie variablen Fragen, die auf aktuelle Entwicklungen Bezug nehmen. Alle in der Erhebung gemessenen Werte unterliegen einer statistischen Fehlertoleranz.
Zuletzt aktualisiert: 13.04.2026